Türkei verschärft Vorgehen gegen illegale Glücksspielzahlungen
Türkei stoppt 5 Milliarden TL aus illegalem Glücksspiel – MASAK erhält erweiterte Kontrollbefugnisse über Banken und Krypto-Dienste
Das Wichtigste in Kürze
- Die türkische Finanzaufsicht MASAK stoppte 2025 nach eigenen Angaben 5 Milliarden TL an illegalen Glücksspielerlösen.
- Finanzminister Mehmet Şimşek kündigte an, dass Proxy-Konten für illegale Wetten weitgehend beseitigt werden sollen.
- Seit dem 1. Februar verfügt MASAK über erweiterte Befugnisse zur Überwachung von Transaktionen in Hochrisikosektoren.
- Sechs Zahlungs- und E-Geld-Institute sowie ein Krypto-Dienstleister wurden suspendiert oder beschlagnahmt.
- Banken müssen Kunden darüber informieren, dass die Unterstützung illegaler Glücksspielzahlungen strafbar ist.
Finanzministerium meldet Erfolge gegen Proxy-Konten im illegalen Glücksspiel
Die türkischen Behörden sehen nach eigenen Angaben einen Wendepunkt im Vorgehen gegen illegales Glücksspiel. Mehmet Şimşek, Minister für Schatzamt und Finanzen, erklärte, dass sogenannte Proxy-Bankkonten, über die Transaktionen zu illegalen Wett- und Glücksspielseiten abgewickelt wurden, in absehbarer Zeit weitgehend beseitigt werden könnten.
Nach Angaben der Financial Crimes Investigation Board MASAK wurden im Jahr 2025 rund 5 Milliarden Türkische Lira an illegalen Erlösen innerhalb des türkischen Finanzsystems gestoppt. Die Behörde konzentrierte sich dabei auf die Unterbrechung von Geldflüssen, die aus nicht genehmigten Glücksspielangeboten stammten.
Şimşek wies darauf hin, dass Organisatoren illegaler Wetten zuletzt verstärkt Bankkonten, Zahlungs- und E-Geld-Konten sowie Kryptowallets von Drittpersonen genutzt hätten. Bürgerinnen und Bürger wurden ausdrücklich gewarnt, ihre Konten nicht unter Vorwänden wie Treuhand, vorübergehender Nutzung oder gegen Provision Dritten zu überlassen. Eine solche Praxis stelle eine Beteiligung an illegalem Glücksspiel und Geldwäsche dar.
Organisierte Netzwerke nutzten Firmenstrukturen zur Verschleierung
Im Mittelpunkt der Ermittlungen standen laut MASAK Personen mit Verbindungen zu organisierten kriminellen Netzwerken. Ziel war es, Konten zu identifizieren, über die Glücksspielerlöse gewaschen wurden.
Nach Darstellung des Finanzministers gingen die Organisatoren über die Nutzung privater Konten hinaus. Demnach wurden Gesellschaften mit beschränkter Haftung gegründet, wobei Vollmachten bestimmter Personen genutzt wurden, um Firmenkonten für die Sammlung illegaler Glücksspielerlöse einzusetzen. Diese Konstruktionen sollten Transaktionen vor Überwachungssystemen verbergen.
Şimşek bezeichnete beteiligte Akteure als E-Geld-Barrone und forderte die Bevölkerung auf, keine Unternehmen auf ihren Namen von unbekannten Dritten nutzen zu lassen. Die Behörden sehen in solchen Strukturen einen zentralen Bestandteil der finanziellen Infrastruktur illegaler Glücksspielnetzwerke.
Erweiterte Befugnisse für MASAK seit Februar
Ein wesentlicher Teil der Maßnahmen wurde bereits 2025 umgesetzt. Seit dem 1. Februar verfügt MASAK jedoch über erweiterte Aufsichtsrechte, die durch eine neue Direktive des Ministeriums für Schatzamt und Finanzen eingeführt wurden.
Die Behörde ist nun befugt, Finanztransaktionen in Hochrisikosektoren wie Glücksspiel, Versicherungen, Fintech und E-Commerce zu überprüfen. Damit wird MASAK zu einer zentralen Kontrollinstanz innerhalb der türkischen Finanzarchitektur.
Für den Glücksspielbereich bedeutet dies konkret, dass Transaktionen ausschließlich für staatlich genehmigte Anbieter freigegeben werden dürfen. Genannt werden das Sportwettenmonopol İddaa, die Lotteriegesellschaft Milli Piyango sowie der Pferderennveranstalter Türkiye Jokey Kulübü.
Banken und Zahlungsinstitute sind angewiesen, verschärfte Überwachungsprotokolle anzuwenden. Ziel ist es, die Umleitung von Geldern zu nicht autorisierten Plattformen zu verhindern.
Suspensionen und Beschlagnahmungen im Zahlungs- und Kryptobereich
Die Durchsetzung beschränkt sich nicht auf Einzelpersonen. Laut MASAK wurden mehrere Zahlungs- und E-Geld-Institute identifiziert, die systematisch zur Verbreitung illegaler Wettumsätze beigetragen haben sollen.
In Abstimmung mit der Zentralbank der Republik Türkei wurden die Aktivitäten von sechs Organisationen ausgesetzt. Zudem erfolgten auf gerichtliche Anordnung Vermögensbeschlagnahmungen. Auch ein Krypto-Dienstleister und eine damit verbundene Plattform wurden beschlagnahmt, da sie mutmaßlich zur Erlangung und Geldwäsche illegaler Glücksspielerlöse genutzt wurden.
Mehr als 500 Berichte und Lagehinweise wurden an Strafverfolgungs- und Justizbehörden übermittelt. Diese sollen Ermittlungen und Strafverfahren gegen organisierte Glücksspielnetzwerke unterstützen.
Strafrechtliche Verschärfungen und Informationspflichten für Banken
Zu Beginn des Jahres 2026 wurden türkische Banken angewiesen, alle Kontoinhaber darüber zu informieren, dass die Ermöglichung von Zahlungen für illegales Glücksspiel eine Straftat darstellt. Die Maßnahme ist Teil eines Aktionsplans der Regierung gegen illegales Glücksspiel.
Kunden wurden zugleich über Änderungen im türkischen Strafgesetzbuch informiert, die vom Justizminister gebilligt wurden. Diese sehen strengere Freiheitsstrafen und erhöhte finanzielle Sanktionen für Personen vor, die illegale Glücksspieltransaktionen ermöglichen.
Nach Angaben von Şimşek wird MASAK bei Bedarf weiterhin Maßnahmen wie Betriebsaussetzungen, Lizenzentzüge und Vermögensbeschlagnahmungen gegen Finanzinstitute ergreifen.
Unsere Einschätzung
Die türkischen Behörden bündeln die Aufsicht über glücksspielbezogene Finanzströme stärker bei MASAK und erweitern die Eingriffsmöglichkeiten gegenüber Banken, Zahlungsinstituten und Krypto-Dienstleistern. Im Fokus stehen Proxy-Konten, Firmenkonstruktionen und Zahlungsinfrastrukturen, die für illegale Angebote genutzt werden. Für Finanzdienstleister und Nutzer bedeutet dies strengere Transaktionskontrollen und ein erhöhtes strafrechtliches Risiko bei der Beteiligung an nicht genehmigten Glücksspielaktivitäten.
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