Finnland prüft 50 Glücksspiel-Lizenzen vor Marktöffnung 2027

Farbige Spielfichtern neben einem Spielautomaten mit finnischer Flagge im Hintergrund und Kalenderblatt 2027.

Finnland prüft rund 50 Glücksspiel-Lizenzanträge – Veikkaus verschärft Spielerschutz vor Marktöffnung 2027

Das Wichtigste in Kürze

  • Finnlands Nationales Polizeiamt prüft etwa 50 Anträge auf Glücksspiellizenzen.
  • Bis zum 30. März lagen 24 Anträge vor, die jeweils mit einer Bearbeitungsgebühr von 29.000 Euro verbunden sind.
  • Die Mehrheit der Antragsteller sind ausländische Unternehmen, was die Prüfung komplexer macht.
  • Das Monopol von Veikkaus für Online-Wetten und Online-Casino endet 2027, Lotterien und bestimmte landbasierte Produkte bleiben ausgenommen.
  • Veikkaus führt altersabhängige Verlustkontrollen mit gestaffelten Schwellenwerten ein.

Finnland startet Lizenzverfahren für Online-Glücksspielanbieter

Finnland treibt den Übergang von einem staatlichen Monopol zu einem lizenzierten Online-Glücksspielmarkt voran. Seit Beginn des neuen Regulierungsprozesses hat das Nationale Polizeiamt nach eigenen Angaben rund 50 Lizenzanträge erhalten. Bis zum 30. März lagen 24 Anträge vor.

Jeder Antrag ist mit einer Bearbeitungsgebühr von 29.000 Euro verbunden. Diese Gebühr ist Voraussetzung dafür, dass die inhaltliche Prüfung für Lizenzen mit Gültigkeit im Jahr 2026 beginnen kann.

Laut Juha Katainen, leitender Berater beim Nationalen Polizeiamt, stammt die Mehrheit der Anträge von ausländischen Unternehmen. Das erhöhe die Komplexität bei der Bearbeitung und Bewertung der Unterlagen.

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Prüfung von Zuverlässigkeit, Finanzierung und Geldwäsche-Risiken

Die Behörde überprüft die Zuverlässigkeit und Eignung der Antragsteller anhand von Handelsregisterauszügen, Bescheinigungen, Finanzdokumenten und weiteren Berichten. Auch verbundene Unternehmen werden in die Analyse einbezogen, sofern deren finanzielle Lage Auswirkungen auf den lizenzierten Betrieb haben könnte.

Damit soll sichergestellt werden, dass künftige Anbieter regulatorische Anforderungen erfüllen, über ausreichende finanzielle Mittel verfügen und keine erhöhten Risiken im Bereich Geldwäsche bestehen. Die Prüfung dient somit als zentrales Instrument, um den Markt vor der Öffnung strukturiert vorzubereiten.

Im Januar hatte Finnland das entsprechende iGaming-Gesetz verabschiedet. Ziel ist es, das staatliche Monopol für Online-Wetten und Online-Casinospiele im Jahr 2027 zu beenden. Lotterien und bestimmte landbasierte Angebote bleiben weiterhin außerhalb des neuen Wettbewerbsmodells.

Veikkaus führt gestaffelte Verlustgrenzen nach Altersgruppen ein

Parallel zur regulatorischen Öffnung passt der staatliche Anbieter Veikkaus sein System für verantwortungsbewusstes Spielen an. Vor dem Markteintritt privater Anbieter wird ein neues, gestaffeltes Sicherheitsmodell eingeführt, das altersabhängige Verlustkontrollpunkte vorsieht.

Für Spieler im Alter von 18 bis 19 Jahren liegt der erste Kontrollpunkt bei einem Jahresverlust von 4.000 Euro. Das jährliche Verlustlimit beträgt 8.000 Euro. In der Altersgruppe von 20 bis 24 Jahren greift der erste Kontrollpunkt bei 8.000 Euro, das Jahreslimit liegt bei 24.000 Euro.

Für Kunden ab 25 Jahren wird ein erster Kontrollpunkt bei 24.000 Euro definiert. Ein festes jährliches Verlustlimit ist für diese Altersgruppe nicht vorgesehen.

Sobald ein Spieler einen Kontrollpunkt erreicht, kann das Spiel nicht fortgesetzt werden, ohne dass ein Gespräch mit einem Veikkaus-Spezialisten geführt wird. Laut Susanna Saikkonen, Direktorin für Nachhaltigkeit bei Veikkaus, erfolgt die Bewertung der Kundensituation nach einem festgelegten Modell. Wird entschieden, dass das Spielen fortgesetzt werden kann, kann gemeinsam ein neuer Verlustkontrollpunkt vereinbart werden.

Die Regelungen gelten produktübergreifend für die Angebote von Veikkaus. Spielautomaten und Tischspiele im Casino Helsinki unterliegen jedoch separaten Kontrollen.

Klärungsbedarf bei Boni, Werbung und Spielerschutz

Während das Gesetz beschlossen ist, bestehen laut Veikkaus weiterhin offene Detailfragen. Jarkko Nordlund, Leiter für iCasino und Sportwetten bei Veikkaus, verweist auf Unsicherheiten bei der Ausgestaltung von Bonusangeboten, Werberichtlinien, zulässigen Medienkanälen sowie bei konkreten Anforderungen an Sorgfaltspflichten und Spielerschutz.

Nach seinen Angaben wünschen sich die Betreiber klarere Definitionen, wie einzelne gesetzliche Vorgaben praktisch umzusetzen sind. Diese Detailregelungen sind für internationale Anbieter relevant, die ihre Geschäftsmodelle an die künftigen finnischen Rahmenbedingungen anpassen müssen.

Nordlund weist zudem darauf hin, dass es derzeit keinen effektiven Mechanismus gebe, um gegen Anbieter vorzugehen, die außerhalb des lizenzierten Systems operieren. Insbesondere fehle es an Instrumenten zur Zahlungsblockierung gegenüber nicht lizenzierten Marktteilnehmern.

Bewertung von Veikkaus im Raum

Im Zuge der Marktöffnung wird auch die zukünftige Rolle und Bewertung von Veikkaus diskutiert. Der Branchenberater Jari Vähänen schätzt den Gesamtwert des Unternehmens auf bis zu 4,5 Milliarden Euro. Grundlage ist ein Faktor von zehn auf einen jährlichen Glücksspielüberschuss von 450 Millionen Euro.

Die digitalen Geschäftsbereiche wie Online-Casino und Sportwetten beziffert er auf einen Wert zwischen 1 und 1,5 Milliarden Euro. Lottoangebote und Spielautomaten könnten demnach rund 3 Milliarden Euro ausmachen.

Unsere Einschätzung

Finnland bereitet mit der Prüfung von rund 50 Lizenzanträgen und klar definierten Anforderungen an Zuverlässigkeit und Finanzierung die Öffnung seines Online-Glücksspielmarktes vor. Gleichzeitig verschärft Veikkaus vor dem Ende des Monopols im Jahr 2027 seine Spielerschutzmaßnahmen durch altersabhängige Verlustkontrollen. Für internationale Anbieter sind insbesondere die laufenden Lizenzprüfungen, die noch offenen Detailregelungen zu Werbung und Boni sowie mögliche Maßnahmen gegen nicht lizenzierte Betreiber von Bedeutung.

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Über den Autor

Janina Frei

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.
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