Entain kritisiert Prognosemärkte wegen Sportwetten für 18-Jährige
Entain warnt vor Sportwetten über Prognosemärkte – Diskussion um Altersgrenzen und Regulierung in den USA verschärft sich
Das Wichtigste in Kürze
- Entain kritisiert Prognosemärkte wie Polymarket und Kalshi wegen möglicher Umgehung von US-Glücksspielgesetzen.
- In vielen US-Bundesstaaten gilt für Sportwetten ein Mindestalter von 21 Jahren, Prognosemärkte erlauben Teilnahme ab 18 Jahren.
- Entain sieht in Sport-Prognosemärkten faktisch Sportwetten und verweist auf fehlende Verbraucherschutzauflagen.
- Der Konzern will keine eigenen Prognosemarkt-Angebote starten, um regulatorische Beziehungen nicht zu gefährden.
- Trotz operativer Fortschritte meldet Entain für 2025 einen Verlust von 680 Mio. Pfund nach Steuern.
Entain stellt Prognosemärkte in den USA öffentlich infrage
Entain hat sich deutlich gegen den wachsenden Markt für Prognoseplattformen positioniert, die Wetten auf Sportereignisse in Form von Vorhersagekontrakten anbieten. Konzernchefin Stella David erklärte im Rahmen eines Investoren-Updates, dass entsprechende Angebote funktional Sportwetten entsprächen.
Nach ihren Worten sehe, klinge und verhalte sich ein Sportmarkt auf einer Prognoseplattform wie eine klassische Sportwette. Aus Sicht von Entain bestehe daher kein Zweifel daran, dass es sich inhaltlich um Sportwetten handele.
Hintergrund ist die unterschiedliche regulatorische Einordnung in den USA. Während Sportwetten in vielen Bundesstaaten erst ab 21 Jahren erlaubt sind, liegt das Mindestalter bei Plattformen wie Polymarket oder Kalshi bei 18 Jahren. Diese Anbieter werden auf Bundesebene durch die Commodity Futures Trading Commission reguliert.
Entain argumentiert, dass dadurch 18- bis 21-Jährige Zugang zu sportbezogenen Wettmärkten erhalten, obwohl sie in zahlreichen Bundesstaaten nicht an regulierten Online-Sportwetten teilnehmen dürfen. Zudem könnten solche Märkte auch in Bundesstaaten genutzt werden, in denen Online-Sportwetten nicht reguliert sind.
Vorwurf der Umgehung bundesstaatlicher Glücksspielgesetze
Aus Sicht von Entain entsteht dadurch eine regulatorische Grauzone. Die Plattformen operieren unter der Aufsicht der CFTC, bieten jedoch Märkte auf Sportereignisse an. David betonte, dass dadurch bundesstaatliche Glücksspielgesetze faktisch umgangen würden.
Auch Adam Greenblatt, CEO von BetMGM, dem Joint Venture von Entain und MGM Resorts, hatte sich zuvor kritisch geäußert. Er verwies darauf, dass nahezu 40 Generalstaatsanwälte, zuständige Regulierungsbehörden und Stammespartner die Position verträten, dass Sport-Prognosemärkte im Kern illegale Sportwetten darstellten.
Greenblatt führte zudem Unterschiede bei den regulatorischen Anforderungen an. Lizenzierte Sportwettenanbieter unterliegen spezifischen Vorgaben zum Verbraucherschutz und zum verantwortungsvollen Spielen. Laut seiner Darstellung bestehen für Betreiber von Prognosemärkten keine vergleichbaren Verpflichtungen zur Einhaltung entsprechender Standards, keine Selbstanzeigepflichten bei Compliance-Verstößen sowie keine verpflichtenden Whistleblowing- oder Informationsaustauschsysteme.
Entain verzichtet bewusst auf eigenes Angebot
Im Gegensatz zu anderen großen Glücksspielgruppen wie Flutter oder DraftKings verfolgt Entain nach eigenen Angaben keine Pläne, in den Markt für Prognosemärkte einzutreten. Das Unternehmen betont, man wolle keine Geschäftsmodelle entwickeln, die in nicht regulierten Bundesstaaten Marktanteile gewinnen könnten und dadurch die Beziehungen zu staatlichen Regulierungsbehörden belasten.
Die Haltung ist strategisch relevant, da Entain in den USA über BetMGM aktiv ist. Das Joint Venture gilt als zentraler Wachstumstreiber des Konzerns. Für 2026 wird ein Umsatz von mehr als 3 Mrd. US-Dollar erwartet. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll zwischen 300 Mio. und 350 Mio. US-Dollar liegen. Langfristig bleibt das Ziel eines EBITDA von 500 Mio. US-Dollar bis 2027 bestehen.
Begrenzte internationale Relevanz von Prognosemärkten
Außerhalb der USA sieht Entain derzeit keine strukturellen Gründe für eine vergleichbare Dynamik bei Sport-Prognosemärkten. David verwies darauf, dass in vielen Ländern traditionelle Sportwettenangebote stark etabliert sind.
Als Beispiel nannte sie das Vereinigte Königreich. Dort hätten Wettbörsen wie Betfair bislang keinen signifikanten Marktanteil erreicht. Zudem hätten einzelne Länder Prognosemärkte bereits ausdrücklich als illegal eingestuft.
Nach Einschätzung des Managements handelt es sich daher nicht um ein Geschäftsmodell, das sich automatisch auf andere regulierte Märkte übertragen lässt.
Finanzlage: Operative Ziele erreicht, erneuter Jahresverlust
Operativ erreichte Entain im Geschäftsjahr 2025 die eigenen Markterwartungen. Dennoch wies das Unternehmen zum dritten Mal in Folge einen gesetzlichen Verlust aus. Nach Steuern belief sich das Minus auf 680 Mio. Pfund.
Ein wesentlicher Faktor war eine vorweggenommene Wertminderung in Höhe von 488 Mio. Pfund. Diese steht im Zusammenhang mit bevorstehenden Änderungen des britischen Steuerrahmens.
Trotz des bilanziellen Verlusts sprach das Management von einem erfolgreichen Jahr und verwies auf strategische sowie operative Fortschritte. Für Investoren und Marktbeobachter bleibt jedoch die Entwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen ein zentraler Faktor.
Unsere Einschätzung
Die Aussagen von Entain verdeutlichen den regulatorischen Konflikt zwischen bundesstaatlichem Glücksspielrecht und bundesrechtlich regulierten Prognosemärkten in den USA. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sportbezogene Vorhersagekontrakte faktisch als Sportwetten einzustufen sind und damit strengeren Alters- und Verbraucherschutzregeln unterliegen sollten.
Für internationale Marktteilnehmer ist vor allem relevant, dass große Anbieter wie Entain bewusst auf eine Beteiligung an diesem Segment verzichten, um regulatorische Risiken zu vermeiden. Gleichzeitig bleibt das US-Geschäft über BetMGM ein wesentlicher Wachstumstreiber, während das Unternehmen bilanziell weiterhin mit den Folgen regulatorischer und steuerlicher Veränderungen konfrontiert ist.
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