Premier League setzt Trikotwerbeverbot für Glücksspiel um
Premier League setzt Trikotwerbeverbot für Glücksspiel um – Debatte über Ausweichsponsoring und Wettbewerbsverzerrung
Das Wichtigste in Kürze
– Die Premier League führt ab der Saison 2026-27 ein freiwilliges Verbot von Glücksspielwerbung auf der Vorderseite von Trikots ein.
– Das Verbot gilt nicht für Ärmelsponsoring oder Trainingskleidung.
– Ex-Manager Christian Purslow kritisiert die Regelung als inkonsistent und mit unbeabsichtigten Folgen.
– Mehrere Topklubs haben neue Partnerschaften mit Wettanbietern für Trainingskits oder Ärmel abgeschlossen.
– In der English Football League bleibt Glücksspielwerbung auf der Trikotfront erlaubt.
Premier League verbannt Glücksspiel von der Trikotfront
Im April 2023 einigten sich die Klubs der Premier League nach politischem und öffentlichem Druck auf ein freiwilliges Verbot von Glücksspielwerbung auf der Vorderseite ihrer Spieltrikots. Mit Beginn der Saison 2026-27 tritt diese Regelung in Kraft.
Die Maßnahme betrifft ausschließlich die prominenteste Werbefläche auf dem Trikot. Andere Sponsoringbereiche wie Ärmel oder Trainingskleidung sind von der Einschränkung nicht erfasst. Damit bleibt Glücksspielunternehmen weiterhin die Möglichkeit, über alternative Platzierungen auf dem Trikot präsent zu sein.
Die Umsetzung der Regel verändert aktuell den kommerziellen Markt im englischen Profifußball. Mehrere Klubs haben bestehende Partnerschaften angepasst oder neue Verträge abgeschlossen, die sich auf die erlaubten Werbeflächen konzentrieren.
Kritik von Ex-Manager Christian Purslow
Christian Purslow, früher in leitenden Funktionen bei Chelsea, Liverpool und Aston Villa tätig, bezeichnete die neue Regelung in einem Podcast als fehlgeleitet und inkonsistent. Er argumentiert, dass Wettanbieter nun höhere Summen für andere Trikotflächen zahlen könnten, weil ihnen die Vorderseite nicht mehr zur Verfügung steht.
Als Beispiel verwies er auf die Vereinbarung zwischen Manchester United und Betway. Das Unternehmen wird künftig auf der Trainingskleidung des Klubs erscheinen. Berichten zufolge zahlt der Eigentümer von Betway, die Super Group, dafür rund 20 Millionen Pfund.
Purslow sieht darin ein Zeichen dafür, dass sich die wirtschaftliche Bedeutung alternativer Werbeflächen erhöht hat. Er führt aus, dass die Sichtbarkeit von Trainingskleidung im modernen Fußball erheblich sei und durch die neue Regulierung weiter an Wert gewinne.
Bewertung der Vertragswerte und Marktmechanik
Die genannte Summe von rund 20 Millionen Pfund entspricht dem Umfang eines früheren Trainingskit-Deals von Manchester United mit dem Blockchain-Unternehmen Tezos. Damit deutet die verfügbare Information darauf hin, dass sich die Bewertung solcher Verträge eher an der globalen Reichweite und dem Markenwert des jeweiligen Klubs orientiert als an der Branche des Sponsors.
Gleichzeitig fällt auf, dass die sogenannten Big Six der Premier League Glücksspielanbieter bislang nur selten als direkte Trikotsponsoren einsetzten. Umso mehr Aufmerksamkeit erhielt die Partnerschaft zwischen Manchester United und Betway.
Tottenham Hotspur hatte in den vergangenen zwei Jahren BetMGM als Sponsor auf der Trainingskleidung, bevor Betano diese Rolle übernahm. Zudem ist Betway laut Angaben des Unternehmens exklusiver globaler Wettpartner von Manchester United, Arsenal und Manchester City, den drei bestplatzierten Teams der vergangenen Saison. Darüber hinaus fungiert Betway als europäischer Wettpartner von Chelsea. Liverpool schloss 2024 eine mehrjährige Partnerschaft mit Ladbrokes für den britischen und irischen Markt.
Diese Konstellationen zeigen, dass große Premier-League-Klubs weiterhin umfassende Geschäftsbeziehungen zur Glücksspielbranche unterhalten, auch wenn die prominenteste Werbefläche künftig entfällt.
Unterschiedliche Regeln zwischen Premier League und EFL
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die fehlende Ausdehnung des Verbots auf die English Football League. Die 72 Klubs der zweiten, dritten und vierten englischen Spielklasse dürfen weiterhin Glücksspielwerbung auf der Vorderseite ihrer Trikots platzieren.
Mehrere Premier-League-Klubs, darunter Aston Villa und Everton, haben ihre bisherigen Hauptsponsoren aus dem Glücksspielbereich nach Einführung des Verbots auf die Ärmel verschoben.
In der Championship, der zweithöchsten Spielklasse, werden zum Saisonstart sieben von 24 Klubs einen Glücksspielanbieter auf der Trikotfront tragen. Zu den genannten Partnerschaften gehören Coral mit Birmingham City und die langfristige Unterstützung von Stoke City durch bet365. Der britische Anbieter Midnite tritt als Sponsor von Middlesbrough, Sheffield United und Wolverhampton Wanderers auf. Queens Park Rangers arbeitet mit MrQ zusammen, und West Ham United behielt nach dem Abstieg seine Partnerschaft mit BoyleSports bei.
Laut Purslow sei das unterschiedliche Vorgehen ein Ergebnis eines Kompromisses, um die finanziell angespannte Lage vieler EFL-Klubs zu berücksichtigen. Dies führe jedoch zu einer komplexen Situation mit unterschiedlichen Werberegeln innerhalb des englischen Profifußballs.
Internationale Wettbewerbe und zusätzliche Sichtbarkeit
Ein weiterer Aspekt betrifft internationale Wettbewerbe. Englische Teams nehmen regelmäßig an europäischen Turnieren teil, die ihrerseits von Wettunternehmen gesponsert werden können. Zudem treffen sie dort auf Vereine, die Glücksspielanbieter als Hauptsponsor auf dem Trikot tragen.
Damit bleibt die Sichtbarkeit der Branche auch bei Spielen mit internationaler Reichweite bestehen, unabhängig von der nationalen Regelung in der Premier League.
Unsere Einschätzung
Das Verbot von Glücksspielwerbung auf der Trikotfront der Premier League verändert die Verteilung von Sponsoringflächen, ohne die Branche vollständig aus dem Umfeld der Klubs zu verdrängen. Wettanbieter bleiben über Trainingskleidung, Ärmel und umfassende Partnerschaften präsent. Gleichzeitig bestehen zwischen Premier League und English Football League unterschiedliche Werberegeln. Für Nutzer und Marktbeobachter zeigt sich damit ein regulatorischer Rahmen, der einzelne Werbeflächen einschränkt, die grundsätzliche wirtschaftliche Verbindung zwischen Profifußball und Glücksspielunternehmen jedoch nicht beendet.
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