Ethiopien stoppt iGaming – Offshore-Anbieter gewinnen Marktanteile

Laptop mit geöffnetem Online-Glücksspiel, Karte Afrikas und äthiopischer Flagge im Hintergrund

Ethiopien verhängt landesweites iGaming-Verbot – lizenzierter Markt verliert Kontrolle an Offshore-Anbieter

Das Wichtigste in Kürze

  • Die äthiopische Glücksspielbehörde ELS hat im Dezember alle iGaming-Lizenzen widerrufen und ein landesweites Verbot verhängt.
  • Banken, Zahlungsdienstleister und Finanzintermediäre wurden angewiesen, keine Glücksspieltransaktionen mehr abzuwickeln.
  • Zuvor hatten 22 Sportwettenanbieter laut ELS Einnahmen in Höhe von bis zu 100 Milliarden Birr verschleiert.
  • Trotz des Verbots bleibt die Nachfrage bestehen und weicht offenbar auf nicht lizenzierte Offshore-Anbieter aus.
  • Die ELS betreibt weiterhin eigene Lotterie- und Glücksspielangebote über ihre Website.

ELS stoppt lizenziertes iGaming und widerruft Genehmigungen

Im Dezember hat die Ethiopian Lottery Service, kurz ELS, ein landesweites Verbot für iGaming-Produkte eingeführt. Damit kam der regulierte Online-Wettmarkt faktisch zum Stillstand. Die Behörde widerrief die Lizenzen sämtlicher zugelassener Betreiber und untersagte Banken, Zahlungs-Gateways sowie weiteren Finanzintermediären, Glücksspieltransaktionen in jeglicher Form zu verarbeiten.

Auslöser waren nach Angaben der ELS schwerwiegende Verstöße. Nur wenige Wochen vor dem Komplettverbot erhielten 22 Sportwettenanbieter sogenannte Cease-and-Desist-Anordnungen. Laut Behörde hatten diese gemeinsam Einnahmen von bis zu 100 Milliarden Birr, umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro, verschleiert. Die ELS wertete dies als gravierendes Versagen der regulatorischen Aufsicht und begründete damit die vollständige Schließung des Marktes.

Mit dem Schritt entfiel über Nacht der legale Rahmen für Online-Sportwetten und andere iGaming-Angebote im Land.

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Nachfrage bleibt bestehen und verlagert sich ins Ausland

Sechs Monate nach Inkrafttreten des Verbots beschreiben Branchenbeobachter in Addis Abeba die Situation als komplexer, als es die formale Rechtslage vermuten lässt. Zwar sind lizenzierte Angebote untersagt, die Nachfrage nach Sportwetten ist jedoch nicht verschwunden.

Abenezer Zewedu, CEO von RVT Technologies PLC, erklärte gegenüber iGaming Expert, dass viele Äthiopier, die zuvor regulierte Plattformen nutzten, ihre Aktivitäten nicht eingestellt hätten. Stattdessen sei ein Teil der Spielaktivitäten zu nicht lizenzierten und Offshore-Anbietern abgewandert, die weiterhin äthiopische Nutzer bedienen.

Nach seinen Angaben bieten viele dieser illegalen Betreiber ein ähnliches Nutzererlebnis wie zuvor lizenzierte Plattformen. Registrierung, Einzahlung, Wettabgabe und Auszahlung seien weiterhin möglich. Der Unterschied liege vor allem in der Abwicklung der Zahlungen. Diese erfolge häufig außerhalb formeller Zahlungs-Gateways und ohne regulatorische Aufsicht. Dadurch würden Durchsetzung, Besteuerung und Spielerschutz erheblich erschwert.

Für Nutzer bedeutet das, dass sie zwar weiterhin Zugang zu Wettangeboten haben, jedoch außerhalb eines national regulierten Rahmens agieren.

Regierung nennt Steuer- und Geldwäschebedenken als zentrale Gründe

Die äthiopische Regierung begründete das harte Vorgehen nicht ausschließlich mit ordnungspolitischen Erwägungen zum Glücksspiel selbst. Laut Zewedu verwiesen die Behörden auf mutmaßliche Steuerhinterziehung, illegale Finanzströme, Geldwäsche-Risiken sowie Gefahren für die finanzielle Integrität und nationale Sicherheit.

Diese Aspekte stehen im Zusammenhang mit den zuvor festgestellten Einnahmeverschleierungen. Aus Sicht der Behörden stellte dies ein erhebliches Risiko für staatliche Einnahmen und die Kontrolle von Finanztransaktionen dar.

Gleichzeitig wirft die aktuelle Situation eine regulatorische Kernfrage auf: Reduziert die Eliminierung lizenzierter Anbieter tatsächlich das Glücksspielvolumen, wenn unlizenzierte Alternativen weiterhin erreichbar sind? Oder verlagert sich die Aktivität lediglich in weniger transparente Kanäle?

Diese Frage ist insbesondere deshalb relevant, weil das Verbot nicht zu einem vollständigen Verschwinden von Wettangeboten geführt hat, sondern offenbar zu einer Marktverschiebung.

ELS betreibt weiterhin eigene Lotterieangebote

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält das Verbot durch einen weiteren Umstand. Während private iGaming-Anbieter vom Markt ausgeschlossen wurden, betreibt die ELS weiterhin eigene Lotterie- und Glücksspielangebote über ihre Website.

Whistleblower weisen darauf hin, dass die Behörde zwar Lizenzen entzogen und Plattformen blockiert habe, selbst jedoch Glücksspielprodukte anbiete. Damit bleibt Glücksspiel im Land nicht vollständig untersagt, sondern ist faktisch auf staatliche Angebote beschränkt.

Dies verändert die Marktstruktur grundlegend. Anstelle eines regulierten Mehranbieter-Modells mit privaten Lizenznehmern existiert derzeit eine Konstellation, in der staatliche Angebote fortgeführt werden, während private Anbieter ausgeschlossen sind und sich ein nicht lizenzierter Offshore-Markt entwickelt.

Wachsender Schwarzmarkt als Folge des Verbots

Vor dem Verbot galt Äthiopien als einer der am schnellsten wachsenden Glücksspielmärkte auf dem afrikanischen Kontinent. Das Land zählt rund 139 Millionen Einwohner und verfügt damit über eine große potenzielle Nutzerbasis.

Mit dem Wegfall des regulierten Rahmens entstand laut Branchenbeobachtern eine Marktlücke, die zunehmend von nicht lizenzierten Anbietern gefüllt wird. Da die Nachfrage nach Sportwetten laut den vorliegenden Aussagen unverändert blieb, öffnete das Verbot Raum für informelle und grenzüberschreitende Angebote.

Für den Staat bedeutet dies, dass potenzielle Steuereinnahmen aus dem regulierten Sektor entfallen. Gleichzeitig gestaltet sich die Durchsetzung von Verboten gegenüber Offshore-Plattformen schwieriger, insbesondere wenn Zahlungsströme außerhalb nationaler Kontrollmechanismen abgewickelt werden.

Sollte die ELS künftig einen neuen lizenzierten Rahmen einführen, könnten sich zusätzliche Herausforderungen ergeben. Anbieter, die in den vergangenen Monaten Marktanteile verloren haben, müssten dann mit Offshore-Marken konkurrieren, die zwischenzeitlich Nutzer gewonnen haben.

Unsere Einschätzung

Das landesweite iGaming-Verbot in Äthiopien hat den regulierten Markt vollständig gestoppt und private Lizenznehmer ausgeschlossen. Gleichzeitig besteht die Nachfrage nach Sportwetten fort und verlagert sich nach Angaben von Branchenvertretern teilweise zu nicht lizenzierten Offshore-Anbietern. Während die ELS eigene Lotterieangebote weiterführt, fehlen derzeit private, staatlich regulierte Alternativen. Für Nutzer und Marktteilnehmer entsteht damit eine Situation, in der formale Regulierung und tatsächliches Marktgeschehen auseinanderfallen.

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Über den Autor

Janina Frei

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.
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