Schweiz warnt vor wachsendem illegalem Online-Glücksspiel

Schweizer Regierungsgebäude mit Schutzschild, roten Warnmonitoren und fallendem Balkendiagramm mit goldenen Münzen.

Illegales Online-Glücksspiel nimmt in der Schweiz deutlich zu – Regulierer warnt vor Risiken für lizenzierten Casinomarkt

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) warnt vor stark wachsendem illegalem Online-Glücksspiel in der Schweiz.
  • 2025 sank der Bruttospielertrag der landbasierten Casinos um 3,9 Prozent auf 564,9 Mio. CHF, während Online-Casinos um 1,2 Prozent auf 313,6 Mio. CHF zulegten.
  • Insgesamt erzielten die Schweizer Casinos 878,4 Mio. CHF Bruttospielertrag, ein Rückgang von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Die ESBK leitete 105 Strafverfahren ein und veranlasste die Sperrung von 580 illegalen Domains.

Neuer Konzessionszyklus verändert Schweizer Casinomarkt

2025 markierte den Beginn eines neuen 20-jährigen Konzessionszyklus für Schweizer Spielbanken. Grundlage ist das Geldspielgesetz, das den rechtlichen Rahmen für landbasierte und Online-Angebote vorgibt. Die Schweiz verfolgt weiterhin ein im europäischen Vergleich restriktives Modell: Nur lizenzierte landbasierte Casinos dürfen Online-Casinospiele anbieten.

Zum Jahresende 2025 verfügte der Markt über 20 landbasierte Casinos. Neun dieser Häuser betrieben ein eigenes Online-Casino. Mit der Vergabe einer Konzession an das Casino Locarno wurde eine zehnte Online-Lizenz erteilt. Damit wurde das digitale Angebot innerhalb des streng regulierten Systems moderat erweitert.

Der neue Konzessionszeitraum brachte auch strukturelle Veränderungen. Das Casino Winterthur nahm nach der Schließung des Casino Schaffhausen den Betrieb auf. Das Casino St Moritz stellte seinen Betrieb aufgrund finanzieller Schwierigkeiten dauerhaft ein. Zudem zogen sich das Casino Basel und das Casino Montreux aus dem Online-Segment zurück, während das Casino Mendrisio nach regulatorischer Genehmigung ein eigenes Online-Casino startete.

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Rückläufige Umsätze im stationären Geschäft, leichtes Online-Wachstum

Die wirtschaftlichen Kennzahlen des Jahres 2025 zeigen eine Verschiebung innerhalb des Marktes. Der Bruttospielertrag der landbasierten Casinos sank um 3,9 Prozent auf 564,9 Mio. CHF. Online-Casinos konnten dagegen ein Wachstum von 1,2 Prozent erzielen und erreichten 313,6 Mio. CHF.

Insgesamt belief sich der kombinierte Bruttospielertrag aller Schweizer Casinos auf 878,4 Mio. CHF. Das entspricht einem Rückgang von 2,1 Prozent im Jahresvergleich. Die Zahlen verdeutlichen, dass das Online-Segment zwar weiter an Bedeutung gewinnt, die Zuwächse jedoch nicht ausreichten, um die Einbußen im stationären Geschäft vollständig zu kompensieren.

Trotz des leichten Gesamtrückgangs blieb die fiskalische Bedeutung des Sektors hoch. Die Casinos führten im Jahr 2025 nahezu 396 Mio. CHF an Spielbankenabgaben ab. Rund 353 Mio. CHF flossen in die Alters- und Hinterlassenenversicherung sowie in die Invalidenversicherung. Weitere 43 Mio. CHF gingen an jene Kantone, in denen B-Konzessionen bestehen.

Regulierer sieht wachsende Bedrohung durch illegale Anbieter

Parallel zu den wirtschaftlichen Entwicklungen registrierte die ESBK einen deutlichen Anstieg illegaler Online-Angebote. Laut Jahresbericht 2025 habe das Angebot illegaler Online-Spiele erheblich zugenommen und betreffe inzwischen ganz Europa.

Nach Einschätzung der Kommission stellen nicht lizenzierte Plattformen nicht nur eine wirtschaftliche Konkurrenz für konzessionierte Anbieter dar. Sie seien weder sicher noch transparent und setzten insbesondere jüngere Spieler erhöhten Risiken aus. Damit untergraben sie nach Ansicht der Behörde die zentralen Ziele des Schweizer Konzessionsmodells, das auf Spielerschutz und Kontrolle ausgerichtet ist.

Im Jahr 2025 intensivierte die ESBK ihre Durchsetzungsmaßnahmen deutlich. Die Behörde führte 28 Hausdurchsuchungen durch, eröffnete 105 Strafuntersuchungen und schloss 98 Verfahren ab. Zudem ordnete sie die Sperrung von 580 Domains an, die sich an Schweizer Spieler richteten.

Rechtlicher Rahmen und Ermittlungsbefugnisse im Fokus

Angesichts der zunehmenden Professionalisierung illegaler Anbieter stellt die ESBK auch die bestehenden rechtlichen Instrumente zur Diskussion. Ein Teil der Ermittlungsbefugnisse basiert weiterhin auf verwaltungsstrafrechtlichen Regelungen aus dem Jahr 1974. Nach Einschätzung der Kommission könnte dieser Rahmen angesichts moderner, grenzüberschreitend agierender Strukturen an Grenzen stoßen.

Die Behörde weist darauf hin, dass organisierte kriminelle Gruppen illegales Glücksspiel als lukrative Einnahmequelle identifiziert haben, insbesondere in wirtschaftsstarken europäischen Märkten. Vor diesem Hintergrund fordert sie geeignete Mittel für Ermittlungsbehörden, um wirksam gegen diese Entwicklung vorzugehen.

Überprüfung des Spielerschutzsystems und Sperrregisters

Neben der Bekämpfung illegaler Angebote überprüft die ESBK auch Elemente des nationalen Spielerschutzsystems. Im Fokus steht das landesweite Sperrregister. Die Behörde analysiert unter anderem Fälle, in denen Spieler ausgeschlossen wurden, weil sie keine finanziellen Informationen vorlegten, ohne dass eindeutige Anzeichen für problematisches Spielverhalten vorlagen.

Dabei betont die Kommission, dass das hohe Schutzniveau beibehalten werden soll. Gleichzeitig müsse sichergestellt werden, dass regulatorische Vorgaben nicht unbeabsichtigt dazu führen, dass Spieler auf illegale Websites ausweichen.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung sieht die ESBK eine stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit europäischer Aufsichtsbehörden als wichtigen Faktor. Eine engere Kooperation sowie effektivere Präventionsmaßnahmen könnten dazu beitragen, lizenzierte Märkte gegenüber illegalen Angeboten zu schützen.

Unsere Einschätzung

Die aktuellen Zahlen zeigen einen strukturellen Wandel im Schweizer Casinomarkt mit rückläufigem stationären Geschäft und moderatem Online-Wachstum. Gleichzeitig dokumentieren die umfangreichen Ermittlungs- und Sperrmaßnahmen der ESBK eine deutliche Ausweitung illegaler Angebote. Für Marktteilnehmer und Nutzer wird damit die Durchsetzung des regulatorischen Rahmens zu einem zentralen Faktor für Stabilität, Spielerschutz und die künftige Entwicklung des lizenzierten Marktes in der Schweiz.

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Über den Autor

Janina Frei

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.
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