Dänemark verschärft Werberegeln im Glücksspielmarkt

Sportstadion mit durchgestrichenem Werbebanner, Kalenderblatt und Balkendiagramm mit hervorgehobenem hohen Balken.

Dänemark verschärft Glücksspiel-Werberegeln – hohe Kanalisierungsrate steht vor neuer Belastungsprobe

Das Wichtigste in Kürze

– Dänemark öffnete 2012 seinen Online-Glücksspielmarkt für lizenzierte Anbieter und reduzierte den Offshore-Anteil von 28 Prozent auf 8 Prozent bis 2019.
– Die Kanalisierungsrate liegt seither bei über 90 Prozent und zählt zu den höchsten in Europa.
– Der regulierte Markt erzielt laut Aufsichtsbehörde rund 10,3 Milliarden DKK Bruttospielertrag.
– Ab 1. Januar 2027 gilt ein Whistle-to-Whistle-Werbeverbot rund um Live-Sport sowie weitere Einschränkungen.
– Rund 500.000 Menschen in Dänemark erleben nach Regierungsangaben ein gewisses Maß an Glücksspielschäden.

Vom Monopol zur regulierten Konkurrenz – Grundlage der hohen Kanalisierung

Als Dänemark 2012 sein Online-Glücksspielmonopol beendete und ein Lizenzsystem einführte, lief ein erheblicher Teil des Online-Spiels über nicht lizenzierte Anbieter. Nach Angaben der European Gaming and Betting Association lag der Offshore-Anteil damals bei rund 28 Prozent. Bis 2019 sank dieser Wert auf 8 Prozent.

Damit erreichte Dänemark eine Kanalisierungsrate im niedrigen 90-Prozent-Bereich. Dieser Wert gilt im europäischen Vergleich als hoch und wird von Regulierungsbehörden in anderen Ländern regelmäßig als Referenz herangezogen.

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Die Entwicklung war das Ergebnis einer strukturellen Neuausrichtung. Mit der Marktöffnung entstand Wettbewerb zwischen lizenzierten Anbietern. Für viele Spieler wurde das regulierte Angebot damit zur praktikableren Alternative gegenüber internationalen Seiten ohne dänische Lizenz.

Marktvolumen und Struktur des regulierten Angebots

Die dänische Glücksspielbehörde Spillemyndigheden beziffert den Markt auf rund 10,3 Milliarden DKK Bruttospielertrag. Online-Casino macht etwa 30 Prozent dieses Gesamtvolumens aus. Innerhalb des Online-Casino-Segments entfallen rund drei Viertel der Einnahmen auf Online-Spielautomaten.

Die Behörde veröffentlicht monatliche Marktdaten, die laut Branchenbeobachtung ein kontinuierliches Wachstum der Online-Segmente zeigen. Die Zahlen verdeutlichen, dass sich das lizenzierte Angebot in Breite und Nutzung etabliert hat.

Der Rückgang des Offshore-Anteils wird nicht allein auf Durchsetzung zurückgeführt. Entscheidend war nach Branchenanalyse, dass das lizenzierte Angebot für die Mehrheit der Spieler zugänglich, vertrauenswürdig und funktional konkurrenzfähig wurde.

Verbraucherschutz als Bestandteil der Marktstruktur

Ein zentrales Element des dänischen Modells ist die steuerliche Behandlung. Gewinne bei lizenzierten dänischen Anbietern sind für Spieler steuerfrei. Dadurch entfällt ein potenzieller Anreiz, auf nicht regulierte Angebote auszuweichen, sofern dort steuerliche Unsicherheit besteht.

Hinzu kommt das landesweite Selbstsperrsystem ROFUS. Spieler können sich dort zentral für alle lizenzierten Seiten sperren lassen. Mehr als 60.000 Personen haben sich bislang registriert. Ergänzend existiert die Beratungsstelle StopSpillet.

Diese Instrumente sind integraler Bestandteil des regulierten Marktes. Sie schaffen einheitliche Standards, die für alle Lizenznehmer gelten, und bilden eine gemeinsame Infrastruktur für Spielerschutz.

Neue Werbebeschränkungen ab 2027

Vor diesem Hintergrund plant Dänemark eine weitere Verschärfung der Werberegeln. Kernstück ist ein Whistle-to-Whistle-Verbot für Glücksspielwerbung rund um Live-Sportübertragungen. Die vollständige Umsetzung ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen.

Darüber hinaus sollen breitere Einschränkungen greifen. Dazu zählen Begrenzungen bei der Darstellung von Personen unter 25 Jahren, Werbeverbote in der Nähe von Schulen sowie Restriktionen beim Einsatz von Prominenten und Influencern.

Die Regierung begründet die Maßnahmen mit dem Ausmaß problematischen Spielverhaltens. Nach ihren Schätzungen erleben rund 500.000 Dänen ein gewisses Maß an Glücksspielschäden. Die öffentliche Debatte über die Präsenz von Glücksspielwerbung im Sportumfeld läuft seit mehreren Jahren.

Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Kanalisierung

Die geplanten Einschränkungen betreffen vor allem die Sichtbarkeit lizenzierter Anbieter. Eine hohe Kanalisierungsrate setzt voraus, dass regulierte Angebote für Spieler erkennbar und erreichbar bleiben.

Dänemark startet dabei aus einer vergleichsweise stabilen Position. Die Kombination aus etabliertem Lizenzsystem, steuerlicher Klarheit und zentralem Spielerschutz hat bislang dazu geführt, dass der überwiegende Teil der Online-Umsätze innerhalb des regulierten Rahmens bleibt.

Gleichzeitig zeigt der europäische Vergleich, dass Kanalisierungsraten stark variieren können. In den Niederlanden wird die Kanalisierung auf rund 45 bis 50 Prozent geschätzt. Dort wird in der Branche diskutiert, wie sich Werbebeschränkungen und Durchsetzung auf die Nutzung lizenzierter Angebote auswirken.

Für Anbieter bedeutet die dänische Reform, dass Marketingstrategien angepasst werden müssen. Für Nutzer kann sich die Wahrnehmung regulierter Marken im Sportumfeld verändern. Die strukturellen Elemente des dänischen Modells bleiben jedoch bestehen.

Unsere Einschätzung

Dänemark weist seit der Marktöffnung 2012 eine der höchsten Kanalisierungsraten Europas auf. Grundlage sind ein offenes Lizenzsystem, steuerliche Klarheit und zentrale Spielerschutzinstrumente. Mit den ab 2027 geltenden Werbebeschränkungen greift der Gesetzgeber in die Sichtbarkeit lizenzierter Anbieter ein. Für Marktteilnehmer und Nutzer ist entscheidend, wie sich diese regulatorische Anpassung auf die Nutzung regulierter Angebote im Vergleich zu nicht lizenzierten Seiten auswirkt.

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Über den Autor

Janina Frei

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.
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