Rumänische Glücksspielaufsicht: Vizechefin wegen Bestechung verhaftet

Regierungsgebäude mit rumänischer Flagge, Justizwaage auf Schild und Handschellen auf Geldscheinen stapelnd

Vizechefin der rumänischen Glücksspielbehörde wegen Bestechung verhaftet – Ermittlungen belasten Aufsichtsstruktur

Das Wichtigste in Kürze

– Die stellvertretende Generaldirektorin der rumänischen Glücksspielbehörde ONJN wurde am 29. Juli wegen Bestechungsverdachts festgenommen.
– Laut Antikorruptionsbehörde soll sie 2.500 US-Dollar angenommen haben, um Genehmigungen für neue Glücksspiele zu beschleunigen.
– Zwei ONJN-Inspektoren, ihr Ehemann und ein Unternehmensdirektor stehen ebenfalls unter Ermittlungen und richterlicher Aufsicht.
– Die mutmaßlichen Taten sollen zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 stattgefunden haben.
– Die ONJN stand bereits im Vorjahr wegen fehlender Lizenz- und Steuerprüfungen im Fokus.

Festnahme der stellvertretenden ONJN-Generaldirektorin wegen Bestechungsvorwürfen

Die rumänische Glücksspielaufsicht ONJN ist erneut in eine Kontroverse geraten. Wie das Nachrichtenportal News.ro berichtet, wurde Ana-Maria Badea, stellvertretende Generaldirektorin der Behörde, am 29. Juli festgenommen. Ein Gericht ordnete eine Untersuchungshaft von 30 Tagen an, während die Ermittlungen fortgesetzt werden.

Nach Angaben der Nationalen Antikorruptionsdirektion wird Badea vorgeworfen, 2.500 US-Dollar angenommen zu haben, um die Zulassung neuer Glücksspiele zu beschleunigen. Die mutmaßlichen Vorfälle sollen sich zwischen dem 23. Dezember 2025 und dem 21. Mai 2026 ereignet haben. In diesem Zeitraum habe sie von mehreren kommerziellen Unternehmen Zahlungen erhalten, um regulatorische Verfahren zugunsten dieser Unternehmen zügig und positiv zu bearbeiten.

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Die Ermittlungsbehörde erklärte, Badea habe im Gegenzug für die erhaltenen Vorteile dafür gesorgt, dass Anträge auf Genehmigung neuer Glücksspiele, deren Wiederzulassung oder andere administrative Verfahren innerhalb der Zuständigkeit der ONJN bevorzugt behandelt wurden.

Weitere ONJN-Mitarbeiter und Unternehmensvertreter unter richterlicher Aufsicht

Neben Badea stehen weitere Personen im Fokus der Ermittlungen. Ihr Ehemann, ein Unternehmensdirektor mit den Initialen BIA sowie die ONJN-Inspektoren Blaga Radu-Andrei und Brătan Radu-Constantin werden ebenfalls verdächtigt, Bestechungsgelder angenommen zu haben.

Den Berichten zufolge sollen Zahlungen in einer Höhe zwischen 1.000 und 5.000 Lei geflossen sein, was umgerechnet etwa 163 bis 815 Pfund entspricht. Die beiden Inspektoren sollen unter anderem Zahlungen akzeptiert haben, um festgestellte Unregelmäßigkeiten bei Prüfungen zu ignorieren.

Während Badea in Untersuchungshaft sitzt, wurden ihr Ehemann, der Unternehmensdirektor sowie die beiden Inspektoren für 60 Tage unter sogenannte gerichtliche Aufsicht gestellt. Alle vier dürfen das Land nicht verlassen. Nach Angaben der Ermittler kann diese Maßnahme bei Bedarf in Hausarrest oder Untersuchungshaft umgewandelt werden.

Vorwürfe betreffen zentrale Genehmigungsprozesse im Glücksspielmarkt

Im Zentrum der Ermittlungen stehen Prozesse, die für den rumänischen Glücksspielmarkt von zentraler Bedeutung sind. Die Genehmigung neuer Spiele sowie die Verlängerung bestehender Zulassungen sind Voraussetzung dafür, dass Anbieter ihre Produkte legal am Markt betreiben können.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, betreffen sie damit direkt die Integrität regulatorischer Entscheidungen innerhalb der Behörde. Die ONJN ist für die Aufsicht über Glücksspiele in Rumänien zuständig und entscheidet unter anderem über Lizenzvergaben, Spielzulassungen und administrative Verfahren im Zusammenhang mit dem regulierten Markt.

Für Anbieter bedeutet jede Verzögerung oder Beschleunigung solcher Verfahren unmittelbare Auswirkungen auf Markteintritt, Produktportfolio und Umsatzmöglichkeiten. Entsprechend sensibel sind diese Abläufe aus Sicht von Unternehmen und Marktteilnehmern.

ONJN bereits im Vorjahr wegen fehlender Prüfungen in der Kritik

Die aktuellen Ermittlungen treffen die Behörde in einer Phase, in der sie bereits zuvor unter öffentlicher Beobachtung stand. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass die ONJN zwischen 2019 und 2023 keine vorgeschriebenen Prüfungen von Lizenzen und Steuerabgaben durchgeführt hatte.

Berichten zufolge führte diese unterlassene Kontrolle dazu, dass dem Staat Steuereinnahmen in Höhe von 630 bis 900 Millionen Euro entgangen sein könnten. In der Folge wurden die ONJN sowie ihr Präsident Gheorghe-Gabriel Gheorghe ins Parlament geladen, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Gheorghe wies damals mehrere Anschuldigungen zurück. Er erklärte, die Schlussfolgerungen beruhten teilweise auf unterschiedlichen Interpretationen der gesetzlichen Pflichten der Behörde. Zudem seien viele der festgestellten Mängel unter einer vorherigen Verwaltung entstanden. Die ONJN teilte mit, sie habe die im Bericht formulierten Empfehlungen umgesetzt, um vergleichbare Situationen künftig zu vermeiden.

Ermittlungen laufen – mögliche weitere Maßnahmen vorbehalten

Nach Angaben der Nationalen Antikorruptionsdirektion dauern die Untersuchungen an. Die gegen Badea verhängte 30-tägige Untersuchungshaft soll sicherstellen, dass die Ermittlungen ohne Beeinflussung durchgeführt werden können.

Für die übrigen Beschuldigten gilt derzeit die gerichtliche Aufsicht. Diese verpflichtet sie unter anderem, sich regelmäßig bei den Behörden zu melden und das Land nicht zu verlassen. Sollten die Ermittler zusätzliche Risiken feststellen, können strengere Maßnahmen angeordnet werden.

Die Vorwürfe beziehen sich laut den bisherigen Angaben auf eine begrenzte Zahl von Personen innerhalb der Behörde. Dennoch steht die ONJN erneut im Zentrum einer Debatte über Aufsicht, Transparenz und interne Kontrollmechanismen.

Unsere Einschätzung

Die Festnahme einer stellvertretenden Behördenleiterin und die Ermittlungen gegen weitere ONJN-Mitarbeiter betreffen zentrale Genehmigungsprozesse des rumänischen Glücksspielmarktes. Bereits im Vorjahr war die Behörde wegen unterlassener Prüfungen in die Kritik geraten. Die aktuellen Verfahren erhöhen den Druck auf die Aufsichtsstruktur und rücken die Integrität regulatorischer Entscheidungen erneut in den Fokus.

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Über den Autor

Janina Frei

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.
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