Betfred prüft Schließung von 132 Shops nach Steuerstreit

Geschlossene Ladenfronten, Dokument mit Lupe, Regierungsgebäude mit Flagge im Hintergrund.

Betfred startet Konsultation zur Schließung von 132 Wettshops – Streit mit britischem Finanzministerium über Steuerfolgen eskaliert

Das Wichtigste in Kürze

  • Betfred hat eine Konsultation zur möglichen Schließung von 132 Wettshops im Vereinigten Königreich eingeleitet.
  • Firmengründer Fred Done macht höhere Steuern und strengere Regulierung für den Schritt verantwortlich.
  • Das britische Finanzministerium weist einen Zusammenhang mit dem jüngsten Haushalt zurück.
  • Seit April wurde die Remote Gambling Duty von 21 auf 40 Prozent erhöht, ab April 2027 folgt eine neue allgemeine Wettsteuer von 25 Prozent auf Remote-Angebote.
  • Die Zahl der Wettshops im Vereinigten Königreich ist laut Gambling Commission weiter rückläufig.

Öffentlicher Schlagabtausch über Ursachen der geplanten Schließungen

Betfred hat bestätigt, dass das Unternehmen eine Konsultation zur Schließung von 132 stationären Wettshops begonnen hat. Der Schritt löste eine öffentliche Auseinandersetzung zwischen dem Anbieter und dem britischen Finanzministerium aus.

Firmengründer Fred Done erklärte, eine Kombination aus steigender Besteuerung und zunehmender Regulierung habe das Unternehmen zu diesem Schritt gezwungen. Er sprach davon, dass jede einzelne Filialschließung schwer wiege. Betfred sei früher einer der führenden unabhängigen Buchmacher im Land gewesen, habe sich jedoch durch steuerliche und regulatorische Veränderungen in einer deutlich schwierigeren Lage wiedergefunden.

Das Finanzministerium widersprach dieser Darstellung gegenüber der Zeitung The Times. Es bezeichnete die Verknüpfung der geplanten Schließungen mit der Politik der Regierung als unzutreffend. Der stationäre Glücksspielsektor sei im Herbsthaushalt der damaligen Finanzministerin Rachel Reeves weitgehend von direkten Steuererhöhungen verschont geblieben.

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Steueränderungen betreffen vor allem das Online-Geschäft

Unstrittig ist, dass die steuerlichen Rahmenbedingungen für Remote-Glücksspielangebote deutlich verschärft wurden. Seit April wurde die Remote Gambling Duty nahezu verdoppelt, von 21 auf 40 Prozent. Zudem soll ab April 2027 eine neue allgemeine Wettsteuer in Höhe von 25 Prozent für nahezu alle Formen des Remote-Wettens eingeführt werden.

Diese Maßnahmen zielen auf das Online-Geschäft ab. Allerdings hatten Branchenvertreter bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass viele Anbieter ihre stationären und digitalen Angebote wirtschaftlich nicht isoliert voneinander betreiben. Veränderungen im Online-Segment könnten daher Auswirkungen auf das gesamte Geschäftsmodell haben.

Fred Done hatte vor der Haushaltsankündigung erklärt, dass im Extremfall das gesamte Filialnetz von mehr als 1.000 Standorten betroffen sein könnte. Aktuell stehen 132 Shops zur Disposition. Damit ist das Filialnetz von Betfred seit seinem Höchststand von 1.650 Standorten auf nunmehr 1.090 Geschäfte geschrumpft.

Weitere Anbieter reagieren ebenfalls mit Filialabbau

Betfred ist nicht der einzige Anbieter, der sein stationäres Netz überprüft. Bereits vor den Steuerankündigungen hatte Paddy Power Pläne zur Schließung von 57 Filialen im Vereinigten Königreich und in Irland bestätigt.

Im April erklärte zudem Evoke, dass 200 William Hill Shops im Zuge einer strategischen Überprüfung nach den Änderungen bei der Glücksspielbesteuerung geschlossen werden sollen.

Die Entwicklung fügt sich in einen längerfristigen Trend ein. Nach Angaben der britischen Gambling Commission waren Ende 2025 noch 5.669 Wettshops geöffnet. Zu Beginn desselben Jahres lag die Zahl bei 5.825. Zum Vergleich: Als die Statistik im März 2015 erstmals erhoben wurde, waren 9.111 Wettshops registriert.

Zusätzliche Kostenfaktoren belasten stationäre Betreiber

Neben der spezifischen Glücksspielbesteuerung verweisen Unternehmen auf weitere wirtschaftliche Belastungen. Betfred-CEO Jo Whittaker nannte höhere Arbeitgeberbeiträge zur National Insurance, steigende Löhne, höhere Glücksspielsteuern sowie eine allgemein wirtschaftlich unsichere Lage als kombinierte Faktoren.

Sie erklärte, man habe versucht, alle Standorte und Arbeitsplätze zu erhalten. Die aktuellen fiskalischen und regulatorischen Rahmenbedingungen ließen jedoch keinen wirtschaftlich tragfähigen Weiterbetrieb aller Filialen zu.

Gleichzeitig hat die Regierung nach eigenen Angaben Schritte unternommen, um den stationären Sektor teilweise zu schützen. So wurde der Einzelhandel im Glücksspielbereich von direkten Steuererhöhungen im jüngsten Haushalt ausgenommen. Zudem wurde die Pferderennwette von der neuen allgemeinen Wettsteuer ausgenommen, um die Branche zu unterstützen.

Dennoch wird die wirtschaftliche Lage vieler Innenstädte als angespannt beschrieben. Änderungen bei den Gewerbesteuern sowie die jüngsten Erhöhungen der Arbeitgeberbeiträge zur National Insurance haben die Kostenbasis für stationäre Betriebe zusätzlich erhöht.

Unsere Einschätzung

Die geplante Schließung von 132 Betfred-Filialen steht im Kontext umfassender steuerlicher und regulatorischer Veränderungen im britischen Glücksspielmarkt. Während das Finanzministerium auf den Schutz des stationären Sektors im jüngsten Haushalt verweist, haben insbesondere die deutlich erhöhten Abgaben auf Remote-Angebote sowie zusätzliche Arbeitgeberkosten Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle integrierter Anbieter. Der fortgesetzte Rückgang der Zahl stationärer Wettshops im Vereinigten Königreich zeigt, dass sich der Markt strukturell verändert und Betreiber ihre Präsenz anpassen.

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Über den Autor

Janina Frei

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.
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