Chile führt MwSt-Register für Online-Anbieter ein
Chilenische Steuerbehörde führt Mehrwertsteuer-Register für ausländische Online-Anbieter ein – politische Blockade bei iGaming-Regulierung verschärft sich
Das Wichtigste in Kürze
- Chiles Steuerbehörde SII hat mit Resolution Nr. 69/2026 ein Registrierungsverfahren für ausländische Online-Glücksspielanbieter eingeführt.
- Betreiber ohne Sitz in Chile müssen sich registrieren, Mehrwertsteuer auf Umsätze mit chilenischen Kunden erheben und rückständige Beträge begleichen.
- Die Maßnahme gilt laut SII ausschließlich der Steuererhebung und stellt keine rechtliche Genehmigung für Online-Glücksspiel dar.
- Landbasierte Betreiber und politische Vertreter kritisieren die Entscheidung als faktische Legitimation einer nicht regulierten Branche.
- Seit 2022 scheitern gesetzliche Initiativen zur umfassenden Regulierung des Online-Glücksspiels an politischen und juristischen Auseinandersetzungen.
Resolution 69/2026 verpflichtet Offshore-Anbieter zur Mehrwertsteuerregistrierung
Die chilenische Steuerbehörde Servicio de Impuestos Internos (SII) hat in der vergangenen Woche mit Resolution Nr. 69/2026 ein neues Verfahren zur steuerlichen Erfassung ausländischer Online-Casino- und Wettplattformen eingeführt. Die Regelung betrifft Anbieter ohne Wohnsitz oder Niederlassung in Chile, die ihre Dienstleistungen an chilenische Verbraucher richten.
Nach Angaben der Behörde müssen sich diese Plattformen im Rahmen des bestehenden Steuersystems für ausländische digitale Dienstleistungen registrieren. Sie sind verpflichtet, auf ihre in Chile erzielten Umsätze Mehrwertsteuer zu erheben und abzuführen. Zudem sollen ausstehende Steuerverpflichtungen aus früheren Zeiträumen beglichen werden.
Die SII betonte, dass es sich bei der Maßnahme ausschließlich um eine steuerliche Verpflichtung handle. Die Registrierung stelle keine regulatorische Genehmigung für Online-Glücksspielaktivitäten dar. In einer Stellungnahme erklärte die Behörde, dass die betreffenden Plattformen trotz fehlender Zulassung weiterhin tätig seien und offen für ihre Dienste werben würden. Daher müsse sichergestellt werden, dass geschuldete Steuern entrichtet werden.
Kritik von landbasierten Betreibern und Branchenvertretern
Die Entscheidung der Steuerbehörde hat eine erneute politische Debatte ausgelöst. Kritiker argumentieren, dass die steuerliche Einbindung faktisch den Eindruck einer staatlichen Anerkennung des Online-Glücksspiels erwecken könne, obwohl eine ausdrückliche gesetzliche Grundlage weiterhin fehlt.
Cecilia Valdés, Präsidentin des chilenischen Verbands der Spielbanken, erklärte, dass Online-Wettplattformen seit Jahren im Fernsehen, in sozialen Medien und in der Presse werben. Dies habe in der Öffentlichkeit bereits die Wahrnehmung gefestigt, dass ihre Tätigkeit legal sei. Die neue Resolution könne diese Verwirrung weiter verstärken.
Valdés warf der Regierung vor, steuerliche Einnahmen über Fragen des Spielerschutzes zu stellen. Die Ausweitung eines nicht regulierten Online-Marktes berge Risiken für Spieler und für lizenzierte landbasierte Anbieter.
Auch die Nationale Föderation der Casino-Gewerkschaften Fenasicajh forderte eine gesetzliche Lösung. Administrative Maßnahmen allein reichten nicht aus, um die Zukunft der Branche zu klären. Chile benötige eine moderne und endgültige Regulierung.
Gerichtliche Auseinandersetzungen blockieren Regulierung seit 2022
Der aktuelle Konflikt steht im Zusammenhang mit einer seit mehreren Jahren andauernden politischen Blockade. Bereits 2022 hatte die Regierung unter Präsident Gabriel Boric einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der Online-Glücksspiel lizenzieren, steuerlich erfassen und mit Schutzmechanismen für verantwortungsvolles Spielen versehen sollte.
Das Vorhaben geriet jedoch ins Stocken. Etablierte Marktteilnehmer wie Polla Chilena de Beneficencia und Teletrak strengten zahlreiche Klagen an, um bestehende Privilegien zu sichern. Diese juristischen Schritte belasteten das Justizsystem und verzögerten den Gesetzgebungsprozess erheblich.
Parallel dazu stellte die chilenische Aufsichtsbehörde für Spielbanken Superintendencia de Casinos de Juego klar, dass Online-Glücksspiel im geltenden Recht keine ausdrückliche Anerkennung finde. Spätere Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs bestätigten diese Auslegung. Das Gericht ordnete Maßnahmen gegen Offshore-Anbieter an und wies die Behörden an, gegen illegale Glücksspielangebote vorzugehen.
Trotz dieser Rückschläge blieb das Thema auf der politischen Agenda. Präsident José Antonio Kast hat seine Unterstützung für die Schaffung eines regulierten Rahmens signalisiert. Gerichte, Regulierungsbehörden und Branchenvertreter fordern zunehmend eine gesetzgeberische Entscheidung, um den Status von Online-Wetten abschließend zu klären.
Unterschiedliche Reaktionen aus Politik und Online-Branche
Finanzminister Jorge Quiroz verteidigte die Entscheidung der Steuerbehörde. Der Dienst erfülle lediglich seine gesetzliche Pflicht und äußere sich nicht zur Frage der Legalität des Online-Glücksspiels.
Die chilenische Vereinigung der Online-Wettplattformen APAL begrüßte die Resolution. Nach ihrer Darstellung eröffnet die Maßnahme Betreibern einen klaren Weg, Steuern in Chile zu deklarieren und zu zahlen. Gleichzeitig unterstrich der Verband die Notwendigkeit, den Gesetzgebungsprozess zur Regulierung des Online-Wettmarktes voranzutreiben.
Damit stehen sich zwei Sichtweisen gegenüber: Während landbasierte Anbieter vor einer faktischen Legitimierung warnen, sehen Online-Vertreter in der steuerlichen Registrierung einen Schritt hin zu größerer Rechtssicherheit.
Offene Fragen zu Legalität und Verbraucherschutz bleiben bestehen
Resolution 69/2026 verändert nicht den rechtlichen Status des Online-Glücksspiels in Chile. Die Maßnahme regelt ausschließlich die steuerliche Behandlung von digitalen Dienstleistungen, die von ausländischen Anbietern erbracht werden.
Gleichzeitig verdeutlicht der Schritt, dass Online-Glücksspielangebote trotz fehlender ausdrücklicher gesetzlicher Grundlage weiterhin für chilenische Nutzer verfügbar sind. Solange kein umfassendes Gesetz verabschiedet wird, bleiben zentrale Fragen zu Lizenzierung, Aufsicht und Verbraucherschutz ungeklärt.
Unsere Einschätzung
Die Einführung des Mehrwertsteuer-Registers durch die SII schafft eine steuerliche Erfassung ausländischer Online-Anbieter, ohne deren Tätigkeit regulatorisch zu legitimieren. Damit verschiebt sich der Fokus vorerst auf fiskalische Aspekte, während die grundlegende gesetzliche Regelung des Online-Glücksspiels weiterhin aussteht. Für Anbieter und Nutzer bleibt die rechtliche Einordnung des Marktes bis zu einer parlamentarischen Entscheidung offen.
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