Everton setzt Stake-Partnerschaft trotz Werbebann fort
Everton setzt Partnerschaft mit Stake als Ärmelsponsor fort – Premier-League-Werbebann wirft neue Regulierungsfragen auf
Das Wichtigste in Kürze
- Everton führt die Zusammenarbeit mit dem Glücksspielanbieter Stake fort, künftig als Ärmelsponsor statt als Trikothauptsponsor.
- Die Premier League hat einen freiwilligen Bann für Glücksspielwerbung auf der Vorderseite von Trikots beschlossen.
- Stake verfügt über keine britische Glücksspiellizenz und hatte sich im vergangenen Jahr aus dem UK-Markt zurückgezogen.
- Das britische Kulturministerium prüft ein Verbot von Partnerschaften mit nicht lizenzierten Glücksspielunternehmen.
- Entain fordert, unlizenzierte Anbieter in die Aufsicht des Independent Football Regulator einzubeziehen.
Everton und Stake passen Sponsoring an neue Ligaregeln an
Everton bleibt auch in der kommenden Saison mit dem Glücksspielanbieter Stake verbunden. Nachdem die Premier League einen freiwilligen Verzicht auf Glücksspielwerbung als Trikothauptsponsor beschlossen hat, tritt Stake nun als Ärmelsponsor des Clubs auf. Damit reagiert Everton auf die neuen Branchenregeln, beendet die Geschäftsbeziehung jedoch nicht.
Nach Angaben des Clubs erfolgt die Fortführung der Partnerschaft in voller Übereinstimmung mit den geltenden regulatorischen Vorgaben, Branchenstandards und Marketinganforderungen. Nach den aktuellen Regeln der Premier League und der britischen Glücksspielaufsicht ist es Fußballvereinen weiterhin erlaubt, mit nicht in Großbritannien lizenzierten Anbietern zusammenzuarbeiten. Voraussetzung ist, dass sichergestellt wird, dass britische Verbraucher keinen Zugang zu den entsprechenden Angeboten erhalten.
Neben der Platzierung auf dem Trikotärmel wird die Marke Stake künftig auch im Hill Dickinson Stadium, im Goodison Park, der inzwischen die Frauenmannschaft des Clubs beherbergt, sowie am Trainingsgelände Finch Farm präsent sein.
Freiwilliger Werbebann der Premier League lässt Spielraum
Der freiwillige Bann der Premier League bezieht sich ausschließlich auf Glücksspielunternehmen als Hauptsponsoren auf der Vorderseite der Spieltrikots. Andere Werbeformen wie Ärmelsponsoring, Trainingsbekleidung oder Stadionbranding bleiben zulässig.
Die Fortführung der Partnerschaft zwischen Everton und Stake verdeutlicht diese Regelung. Obwohl der Club dem freiwilligen Bann im Jahr 2023 zugestimmt hatte, nutzt er weiterhin die Möglichkeit, alternative Werbeflächen an einen Glücksspielanbieter zu vergeben.
Gleichzeitig hat Everton einen neuen Hauptpartner vorgestellt: Das Finanzdienstleistungsunternehmen CMC Markets ersetzt Stake als Principal Partner. CMC Markets ist von der britischen Finanzaufsicht Financial Conduct Authority reguliert und im Vereinigten Königreich lizenziert. Das Unternehmen bietet unter anderem Online Trading, Investitionen und Spread Betting an.
Die parallelen Ankündigungen zeigen, dass sich das Sponsoringmodell des Clubs formal an die neuen Vorgaben anpasst, während Glücksspiel- und handelsnahe Dienstleistungen weiterhin im kommerziellen Umfeld des Vereins präsent bleiben.
Politische Debatte über Partnerschaften mit nicht lizenzierten Anbietern
Die Entscheidung Evertons fällt in eine Phase zunehmender politischer und regulatorischer Diskussionen über die Rolle nicht lizenzierter Glücksspielunternehmen im englischen Fußball.
Das britische Department for Culture, Media and Sport hat Anfang des Jahres eine Konsultation angekündigt. Geprüft wird ein mögliches Verbot für britische Sportteams, Partnerschaften mit Glücksspielunternehmen einzugehen, die keine britische Lizenz besitzen. Kulturministerin Lisa Nandy erklärte in diesem Zusammenhang, es sei nicht angemessen, dass nicht lizenzierte Anbieter durch die Verbindung mit Premier-League-Clubs ihre Bekanntheit steigern und potenziell britische Fans auf Angebote lenken, die nicht den nationalen Regulierungsstandards entsprechen.
Stake hatte sich im vergangenen Jahr aus dem britischen Markt zurückgezogen. Hintergrund war eine Werbekampagne mit der umstrittenen Erwachsenenfilm-Darstellerin Bonnie Blue. Trotz dieses Rückzugs blieb die Partnerschaft mit Everton bestehen, da die bestehenden Regeln eine Zusammenarbeit unter den genannten Bedingungen zulassen.
Kritik aus der Branche und Forderungen an den Football-Regulator
Auch aus der Glücksspielbranche selbst kommt Kritik. Der britische Konzern Entain verwies darauf, dass mehr als 30 unregulierte Glücksspielwebsites britische Spieler über Kanäle wie Fußball, Gaming, Kurzvideos und sogenannte Manosphere-Inhalte ansprechen. Stake wurde dabei namentlich genannt.
Entain-CEO Stella David forderte den Independent Football Regulator auf, Einnahmen aus Sponsoring durch nicht lizenzierte Glücksspielunternehmen als Einnahmen mit Bezug zu schwerwiegendem kriminellem Verhalten einzuordnen. Ihrer Aussage nach begehen Anbieter, die Wetten britischer Kunden ohne entsprechende Lizenz annehmen, eine Straftat. Der Regulator benötige keine neuen Befugnisse, sondern müsse bestehende Regeln anwenden.
Stake unterhält neben der Partnerschaft mit Everton weitere Verbindungen zum Fußball. Dazu zählen Kooperationen mit ehemaligen Profispielern wie Sergio Aguero, Patrice Evra, Iker Casillas und Eden Hazard.
Regulatorische Unsicherheit vor neuer Saison
Die Entwicklungen werfen die Frage auf, ob der freiwillige Werbebann der Premier League langfristig Bestand haben wird oder ob staatliche Eingriffe folgen. Die Liga hatte sich für den freiwilligen Schritt entschieden, bevor eine staatliche Regulierung eingeführt wurde.
Sollte die laufende Konsultation des Kulturministeriums zu strengeren Vorgaben führen, könnten bestehende und künftige Sponsoringverträge neu bewertet werden. Für Clubs, Sponsoren und Marktteilnehmer bedeutet dies eine Phase regulatorischer Unsicherheit, insbesondere im Hinblick auf internationale Anbieter ohne britische Lizenz.
Unsere Einschätzung
Die Fortsetzung der Partnerschaft zwischen Everton und Stake zeigt, dass der freiwillige Bann der Premier League Glücksspielwerbung nicht vollständig aus dem Stadionumfeld verdrängt, sondern lediglich bestimmte Werbeformen einschränkt. Gleichzeitig läuft auf politischer Ebene eine Prüfung möglicher weitergehender Verbote für Kooperationen mit nicht lizenzierten Anbietern. Für internationale Glücksspielunternehmen und Fußballclubs entsteht damit ein Umfeld, in dem bestehende Geschäftsmodelle formal zulässig sein können, jedoch unter wachsender regulatorischer Beobachtung stehen.
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