Südafrikanischer Buchmacherverband fordert Verbot von Prognosemärkten
Südafrikanischer Buchmacherverband fordert Verbot von Prognosemärkten – Debatte über Regulierung und Geldwäscheprävention verschärft sich
Das Wichtigste in Kürze
- Die South African Bookmakers Association (SABA) fordert ein Verbot von Prognosemärkten in Südafrika.
- Als Gründe nennt der Verband Risiken für Sportintegrität, unzureichende Aufsicht und erhöhte Geldwäschegefahren.
- Laut einem Medienbericht wurden über 700.000 Rand auf die Wahl des nächsten Bürgermeisters von Johannesburg auf Polymarket gesetzt.
- SABA sieht eine regulatorische Lücke, da bestehende Glücksspielgesetze Prognosemärkte nicht ausdrücklich erfassen.
- Bis zu einer gesetzlichen Klärung sollen Prognosemarkt-Betreiber als Teil des illegalen Offshore-Marktes behandelt werden.
Verband warnt vor unregulierten Prognosemärkten
Die South African Bookmakers Association hat sich öffentlich für ein Verbot von Prognosemärkten in Südafrika ausgesprochen. In einer Stellungnahme verweist der Verband auf das „Aufkommen und Wachstum“ unregulierter Plattformen im Land. Nach Ansicht der SABA entstehen dadurch Risiken für die Integrität von Sportveranstaltungen, für die Wirksamkeit regulatorischer Aufsicht sowie im Bereich der Geldwäscheprävention.
Konkret bezieht sich der Verband auf einen Medienbericht vom 19. Juli, dem zufolge auf der Plattform Polymarket mehr als 700.000 Rand, umgerechnet rund 41.750 US-Dollar, auf die Frage gewettet wurden, wer nächster Bürgermeister von Johannesburg wird. Für die SABA zeigt dieses Beispiel, dass Prognosemärkte nicht nur sportliche Ereignisse, sondern auch politische Entwicklungen abbilden.
Internationale Integritätsbedenken im Sportbereich
Zur Untermauerung ihrer Argumentation verweist die SABA auf einen Bericht der International Federation of Horseracing Authorities vom April. Darin werden Prognosemärkte als „signifikante und aufkommende Herausforderung für die Sportintegrität“ bezeichnet. Laut dem Bericht ermöglichen solche Märkte Wetten auf das Unterperformen von Akteuren oder Teams. Dies könne Integritätsrisiken erhöhen, da wirtschaftliche Anreize für negative Leistungen entstehen.
Nach Einschätzung des südafrikanischen Verbandes verschärfen sich diese Bedenken, wenn Prognosemärkte Ereignisse wie politische Wahlen, Gesetzesvorhaben, öffentliche Ernennungen, regulatorische Entscheidungen oder Finanzereignisse abdecken. In diesen Bereichen bestehe ein besonderes Manipulationspotenzial, während gleichzeitig spezifische Überwachungsmechanismen fehlten.
Regulatorische Lücke bei Exchange-ähnlichen Modellen
Ein zentraler Punkt der Kritik betrifft die rechtliche Einordnung von Prognosemärkten. Die SABA argumentiert, dass diese funktional mit Wettbörsen vergleichbar seien. Beide Modelle vermittelten Transaktionen zwischen Teilnehmern, ohne selbst das Wett- oder Marktrisiko zu tragen.
Der Verband verweist in diesem Zusammenhang erneut auf frühere Bedenken bezüglich einer vom North West Gambling Board angebotenen Lizenz für eine Wettbörse. Nach Auffassung der SABA autorisiert die bestehende Gesetzgebung solche Lizenzen nicht ausdrücklich. Entsprechend stelle sich auch bei Prognosemärkten die Frage, ob sie überhaupt vom geltenden Glücksspielrecht gedeckt seien.
Da Prognosemarkt-Betreiber Transaktionen zwischen Teilnehmern ermöglichen, statt selbst als Buchmacher aufzutreten, entstehe aus Sicht des Verbandes eine rechtliche Grauzone. Südafrika verfüge derzeit nicht über ausreichende Überwachungsinstrumente, um Manipulationen effektiv zu erkennen. Die SABA spricht von einer „erheblichen regulatorischen Blindstelle“.
Hinweise auf erhöhte Geldwäscherisiken
Neben Integritäts- und Rechtsfragen nennt der Verband konkrete Risiken im Bereich der Geldwäscheprävention. Prognosemärkte ermöglichten hohe Volumina an Peer-to-Peer-Transaktionen, schnelle Mittelbewegungen und das Eingehen gegenläufiger Positionen. Hinzu kämen grenzüberschreitende Aktivitäten, Kryptowährungstransaktionen und fragmentierte Transaktionsaufzeichnungen.
Nach Darstellung der SABA erhöhen diese Faktoren die Komplexität der Nachverfolgung von Geldströmen. Offshore-Betreiber unterlägen zudem nicht den südafrikanischen Vorgaben zu verantwortungsvollem Spielen, Selbstsperrsystemen, Werbebeschränkungen, Erschwinglichkeitsprüfungen oder Streitbeilegungsmechanismen. Auch lokale Steuerpflichten und Beiträge zum National Responsible Gambling Programme würden nicht erfüllt.
Darüber hinaus sieht der Verband steuerliche Unklarheiten im Zusammenhang mit Provisionen, Bruttospielerträgen, Offshore-Abrechnungen, Kryptotransaktionen und grenzüberschreitender Gewinnabführung.
Forderung nach gesetzlicher Überprüfung und Gleichbehandlung mit Wettbörsen
Vor diesem Hintergrund empfiehlt die SABA, Prognosemärkte ausdrücklich als Exchange-ähnliche Wettprodukte anzuerkennen und denselben regulatorischen Standards wie Wettbörsen zu unterwerfen. Zudem fordert der Verband eine umfassende gesetzliche Überprüfung. Diese solle Glücksspielrecht, Finanzmarktvorschriften, Wahlrecht, Verbraucherschutz, Geldwäschepflichten und Integritätsüberwachung einschließen.
Bis ein solcher Rechtsrahmen geschaffen sei, sollten Prognosemarkt-Betreiber nach Auffassung der SABA als Teil des illegalen Offshore-Marktes eingestuft und nicht zum Betrieb in Südafrika zugelassen werden.
Unsere Einschätzung
Die Stellungnahme der South African Bookmakers Association macht deutlich, dass Prognosemärkte in Südafrika derzeit nicht ausdrücklich reguliert sind und nach Ansicht des Verbandes erhebliche Integritäts-, Aufsichts- und Geldwäscherisiken bergen. Zugleich verweist die Debatte auf offene Fragen zur rechtlichen Einordnung von Exchange-ähnlichen Modellen und zur Zuständigkeit bestehender Glücksspielgesetze. Für Marktteilnehmer bedeutet dies, dass die regulatorische Behandlung von Prognosemärkten in Südafrika derzeit politisch und rechtlich überprüft wird und sich der Status solcher Angebote ändern kann.
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