WM 2026: Schwarzmarkt unter Druck für regulierte Wettanbieter

Soccerstadion bei Nacht mit Flutlicht, gestreifter Marktstand, Steuerdokument mit Pfeil nach oben und Münzen im Vordergrund

Schwarzmarkt gilt als größte Bedrohung für regulierte Wettanbieter zur Fußball-WM – steigende Steuern und Werbebeschränkungen verschärfen den Wettbewerbsdruck

Das Wichtigste in Kürze

  • Branchenvertreter sehen den Schwarzmarkt als zentrale Herausforderung für regulierte Anbieter während der Fußball-WM.
  • Kunden unterscheiden laut mehreren Managern häufig nicht zwischen regulierten und unregulierten Angeboten.
  • Steigende Steuersätze, Werbebeschränkungen und Compliance-Kosten erhöhen den Druck auf lizenzierte Betreiber.
  • In Deutschland und Brasilien wird der Schwarzmarkt laut Branchenangaben als besonders relevant beschrieben.
  • Trotz regulatorischer Hürden halten große Anbieter an ihren Wachstums- und Akquisitionszielen zur WM fest.

Branchenvertreter warnen vor wachsendem Einfluss unregulierter Anbieter

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft sehen mehrere Führungskräfte internationaler Wettunternehmen den Schwarzmarkt als größte Herausforderung für den regulierten Sektor. Auf dem SBC World Digital Day betonten Vertreter verschiedener Unternehmen, dass es entscheidend sei, bei der Kundengewinnung gegenüber nicht lizenzierten Anbietern wettbewerbsfähig zu bleiben.

Myke Foster, Group Head of Gaming and Commercial Strategy bei FEG, erklärte, dass der Begriff Schwarzmarkt vor allem innerhalb der Branche existiere. Aus Sicht vieler Kunden spiele diese Unterscheidung kaum eine Rolle. Wenn sich eine App problemlos im App Store herunterladen lasse, die Registrierung schnell erfolge und Ein- sowie Auszahlungen reibungslos funktionierten, nähmen Nutzer das Angebot als legitim wahr. Sichtbare Markenpräsenz, etwa durch Trikotwerbung, verstärke diesen Eindruck zusätzlich.

Damit rückt die Kundenwahrnehmung in den Mittelpunkt. Laut Foster besteht die Herausforderung weniger in der technischen Abgrenzung, sondern in der Aufklärung. Gerade bei einem globalen Großereignis wie der WM, bei dem Marketingaktivitäten intensiviert werden, müsse der regulierte Markt erklären, worin die Unterschiede zu unregulierten Angeboten liegen.

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Regulierung trifft lizenzierte Betreiber, Schwarzmarkt bleibt oft unbehelligt

Aviv Sher, Chief Executive Officer von Codere Online, verwies darauf, dass Regulierungsbehörden in vielen Märkten strenge Vorgaben für lizenzierte Anbieter durchsetzen. Dazu zählen Steuerpflichten, Werbebeschränkungen und Maßnahmen zum Spielerschutz. Gleichzeitig werde gegen nicht autorisierte Betreiber häufig weniger konsequent vorgegangen.

Sher führte als Beispiel das Vereinigte Königreich an. Bei Suchanfragen wie der Umgehung von Einsatzlimits oder der Teilnahme trotz Selbstsperre tauchten regelmäßig nicht autorisierte Webseiten auf, die genau solche Möglichkeiten anböten. Diese Angebote richteten sich gezielt an Spieler, die bei regulierten Anbietern eingeschränkt seien.

Die Folge sei ein struktureller Wettbewerbsnachteil für lizenzierte Unternehmen. Während sie strenge Auflagen erfüllen müssten, könnten unregulierte Anbieter mit weniger Einschränkungen operieren und Großereignisse wie die WM gezielt zur Neukundengewinnung nutzen.

Steigende Steuerbelastung erhöht den Margendruck in Europa

Mehrere Panelteilnehmer verwiesen zudem auf steigende Steuersätze in Europa. Diese Entwicklung zwinge Betreiber dazu, ihre Marketingausgaben und Kostenstrukturen anzupassen, um profitabel zu bleiben.

Damir Bohm, CEO von Tipwin, beschrieb die Lage in Deutschland. Dort entfalle laut seiner Einschätzung mehr als 50 Prozent des gesamten Marktes, sowohl online als auch im stationären Bereich, auf den Schwarzmarkt. Als wesentlichen Faktor nannte er die Umsatzsteuer von 5,3 Prozent sowie umfangreiche Werbebeschränkungen und hohe Compliance-Kosten. Diese Rahmenbedingungen reduzierten die Margen und machten aggressive Kundenakquisition wirtschaftlich schwieriger.

Bohm erklärte weiter, dass der Steuerdruck in Kombination mit der Schwarzmarktproblematik dazu führen könne, dass schwächere Anbieter ihre regionalen Aktivitäten zurückfahren. Im Ergebnis würden vor allem kapitalstarke und effizient arbeitende Marken im Wettbewerb verbleiben.

Brasilien: Steuerdebatte und physische Wettangebote außerhalb des regulierten Marktes

Auch in Brasilien spielt der Schwarzmarkt nach Angaben der Panelteilnehmer eine bedeutende Rolle. Marco Marchioro, Sportsbook Manager bei Superbet, verwies auf eine aktuelle Debatte über mögliche Steuererhöhungen, darunter auch potenzielle Einzahlungssteuern.

Das Responsible Gaming Institute habe im vergangenen Jahr geschätzt, dass der Schwarzmarkt in Brasilien ein höheres Wettvolumen aufweise als der legale Markt. Zudem existierten weiterhin physische Orte, an denen Wetten außerhalb des regulierten Rahmens angeboten würden.

Marchioro betonte, dass Brasilien noch kein ausgereifter Markt wie viele europäische Länder sei. Vor der Regulierung seien zahlreiche Anbieter über .com-Strukturen aktiv gewesen. Der Markt befinde sich weiterhin in einer Phase der Anpassung, in der einige Betreiber regulatorische Grenzen austesteten.

Gleichzeitig hätten neue Regeln und höhere Steuern zu stärkeren Spielereinschränkungen geführt. Dies erhöhe den Wettbewerbsdruck durch nicht regulierte Angebote zusätzlich.

WM bleibt trotz Risiken zentrale Wachstumschance

Trotz der beschriebenen Herausforderungen sehen große Anbieter die Weltmeisterschaft weiterhin als strategisch wichtige Gelegenheit zur Marktanteilsgewinnung. Dainis Niedra, Chief Operating Officer von Entain, bezeichnete den Schwarzmarkt zwar ebenfalls als größte Bedrohung im aktuellen Umfeld. Zugleich stellte er klar, dass sich die Ambitionen seines Unternehmens nicht geändert hätten.

Nach seinen Angaben werden Betreiber mit entsprechenden Budgets und klaren Akquisitionszielen in das Turnier gehen. Die Chance, in kurzer Zeit neue Kunden zu gewinnen und bestehende Nutzer zu reaktivieren, sei für den regulierten Markt zu bedeutend, um sich zurückzuhalten.

Neben strukturellen Fragen spielt auch die Organisation des Turniers eine Rolle. Marchioro verwies auf mögliche Auswirkungen von Zeitzonen auf die Nutzeraktivität, da Spielzeiten je nach Region unterschiedlich gut in den Tagesablauf integrierbar seien.

Unsere Einschätzung

Die Aussagen der Branchenvertreter zeigen, dass der Wettbewerb zwischen regulierten und unregulierten Anbietern im Umfeld der Fußball-WM an Intensität gewinnt. Steigende Steuern, Werbebeschränkungen und regulatorische Auflagen erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf lizenzierte Betreiber, während nicht autorisierte Angebote nach Angaben mehrerer Manager gezielt auf eingeschränkte Spieler abzielen. Gleichzeitig bleibt das Turnier für große Unternehmen ein zentraler Wachstumsmoment, bei dem Marktanteile neu verteilt werden können. Für dich als Nutzer bedeutet dies ein zunehmend fragmentiertes Marktumfeld, in dem sich regulatorischer Status und Angebotsbedingungen je nach Anbieter deutlich unterscheiden können.

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Über den Autor

Janina Frei

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.
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