Hilfe für Angehörige: Was tun, wenn jemand spielsüchtig ist?
Spielsucht beeinflusst nicht nur das Leben der betroffenen Person. Oft betrifft es das gesamte soziale Umfeld: Partner, Eltern, Kinder und Freunde. Angehörige können sich hilflos, wütend oder betrogen fühlen. Das ist völlig normal. Angehörige leiden oft genauso stark unter der Sucht wie der Spieler selbst. Dieser Ratgeber zeigt, wie man Warnsignale richtig deutet, konstruktiv Hilfen angeboten werden können, ohne die Sucht zu unterstützen, und wie du dich selbst schützt.
Spielsucht erkennen: Das sind die Warnsignale
Spielsucht wird oft als „versteckte Sucht“ bezeichnet, weil man als Außenstehender keine Fahne riecht oder keine Einstichstellen sieht. Doch es gibt Verhaltensmuster, die sich fast immer wiederholen. Achte bei der Person, um die du dir Sorgen machst auf diese Veränderungen:
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Finanz-Nebel
Geld verschwindet ohne logische Erklärung. Haushaltsgeld fehlt, Sparbücher werden geplündert oder Wertsachen wie Schmuck oder Elektronik verschwinden. Oft werden unglaubwürdige Ausreden erfunden wie „Ich wurde bestohlen“ oder „Ich habe es verliehen“.
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Stimmungsschwankungen
Die Person wirkt extrem gereizt, unruhig oder depressiv, besonders wenn gerade kein zugang zur Spielquelle besteht oder ein Verlust verzeichnet wurde. Kritik am Spielverhalten führt zu emotionalem Verhalten.
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Zeitliche Löcher
Er oder sie taucht stundenlang ab, angeblich bei der Arbeit oder Freunden, aber nicht erreichbar.
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Rückzug
Hobbys und Freundschaften werden vernachlässigt. Der Fokus liegt nur noch auf dem Smartphone oder PC.
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Lügengebäude
Du ertappst die Person bei Lügen über ihren Aufenthaltsort oder Ausgaben.
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Fragen nach Geld
Du wirst um Geld gebeten, oft unter hohem emotionalen Druck durch Aussagen wie „Sonst verliere ich die Wohnung“ oder „Es ist ein Notfall“.
Realitäts-Check: Wenn dein Bauchgefühl sagt, dass etwas nicht stimmt, hast du wahrscheinlich recht. Vertraue deiner Wahrnehmung.
Was du tun kannst: Do's und Don'ts
Der erste und natürliche Impuls ist, dem geliebten Menschen zu helfen. Das geht oft scheintbar nur, indem man Schulden bezahlt oder Lügen deckt. Doch in der Suchtlogik ist genau das oft falsch und führt zum Gegenteil: Experten nennen das Co-Abhängigkeit oder Enabling, also das Ermöglichen der Sucht und dem ungesunden Verhalten.
- Suche das Gespräch und sprich das Thema in einer ruhigen Minute an (nicht während eines Streits).
- Nutze „Ich-Botschaften“, damit es sich nicht nach einem Vorwurf anfühlt. Zum Beispiel: „Ich mache mir Sorgen, weil Geld fehlt“ anstelle von „Du verspielst unser Geld“.
- Informiere dich und verstehe, dass Spielsucht eine Krankheit ist. Das hilft dabei, das Verhalten nicht als persönlichen Angriff zu werten.
- Grenze dich ab und mache der Person klar, dass du sie liebst, aber die Probleme nicht weiterhin für ihn/sie lösen wirst.
- Biete an, gemeinsam zu einer Beratungsstelle zu gehen oder Infos herauszusuchen (z.B. Adressen von Fachkliniken).
- Gib der Person kein Geld. Das ist die goldene Regel. Bezahle niemals Spielschulden. Solange jemand die finanziellen Löcher stopfst, spürt der Süchtige keinen Leidensdruck und hat keinen Grund zum Aufhören.
- Lüge nicht für diese Person! Melde sie nicht beim Arbeitgeber krank. Lüge nicht für ihn bei Gläubigern. Die Konsequenzen des Spielens müssen die Person selbst treffen – auch wenn das schwer ist anzusehen.
- Mach keine Vorwürfe. Moralpredigten führen nur zu Schuldgefühlen und lösen den Fluchtreflex in die Sucht aus.
- Stelle kein Ultimatum oder äußere keine Drohung, die du nicht durchziehen wirst. Das macht dich unglaubwürdig.
Selbstschutz ist wichtig
Du kannst niemanden dazu zwingen, mit dem Spielen aufzuhören. Spielerschutz ist leider optional. Dir sind die Hände gebunden, wenn die betroffene Person keine Einsicht zeigt. ABER: Du kannst und musst dich selbst schützen. Gehe dabei so vor:
- Baue eine finanzielle Firewall. Trenne alle Konten, wenn möglich. Nimm dem Spielsüchtigen die Vollmacht über gemeinsame Konten. Sichere deine eigene Existenz ab (Miete, Essen, Kinder). Verstecke Wertsachen und Kreditkarten, wenn nötig.
- Hol dir soziale Unterstützung und vertraue dich jemandem an. Schweigen isoliert. Sprich mit vertrauten Freunden oder Familie über das Problem. Du musst diese Last nicht alleine tragen.
- Setze klare Grenzen. Es ist okay zu sagen: „Ich möchte nicht mit dir zusammenleben, solange du spielst.“ Deine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die des Süchtigen.
Die Fremdsperre als Notbremse
In Deutschland hat der Gesetzgeber (GlüStV 2021) ein mächtiges Werkzeug erschaffen: Angehörige können eine Sperre für den Betroffenen beantragen. Das nennt man Fremdsperre. Sie wird in der OASIS Sperrdatei verzeichnet und gilt deutschlandweit für Glücksspiel Online und Offline.
Wie funktioniert das?
Wenn du weißt, dass jemand spielsuchtgefährdet oder überschuldet ist, kannst du mit dem Regierungspräsidium Darmstadt Kontakt aufnehmen.
- Antrag: Du füllst ein Formular zur Fremdsperre aus (findest du auf oasis-spielersperre.de).
- Belege: Du musst deine Vermutung begründen (zum Beispiel durch Mahnbescheide, Kontoauszüge, Pfändungen).
- Rechtliches Gehör: Der Betroffene wird von der Behörde angeschrieben und darf sich dazu äußern. Er kann der Sperre nicht einfach widersprechen, aber er wird angehört.
- Wirkung: Wird die Sperre eingerichtet, gilt sie für mindestens 1 Jahr für alle deutschen Online Casinos, Spielhallen und Sportwetten.
Wichtig: OASIS Sperre betrifft nur deutsche Casinos
Der Vermerk in der OASIS Sperrdatei gilt nur für Casinos mit deutscher Lizenz. Spielt die Person in internationalen Casinos, bringt OASIS leider nichts. Hier hilft oft nur das Sperren des Internetzugangs oder die Installation von Blocker-Software (wie Gamban) auf den Geräten, sofern du Zugriff darauf hast. Beachte außerdem, dass eine Sperre in Deutschen Casinos oft dazu führt, dass Spieler sich bei internationalen Anbietern registrieren, wo noch weniger Sicherheitsmechanismen greifen.
Anlaufstellen für Angehörige
Es gibt nicht nur für Spieler Hilfe. Die meisten Hilfsorganisationen bieten auch Angebote für Angehörige, Partner oder Eltern. Das soll dabei helfen, die Betroffene Person aus der Sucht zu begleiten und effektiv zu helfen, ohne sich selbst dabei zu verlieren.
| Organisation | Angebot | Kontakt |
|---|---|---|
| BZgA | Kostenlose Telefonberatung, auch für Angehörige. | 0800 1 37 27 00 |
| Caritas / Diakonie | Familienberatung & Suchtberatung vor Ort. | Websuche nach lokaler Stelle |
| Angehörigengruppen (GA) | Selbsthilfegruppen für Partner und Eltern von Spielern („Gam-Anon“). | gam-anon.de |
| Elternkreise | Speziell für Eltern suchtkranker Kinder. | bvek.org |
| Schuldnerberatung | Wenn die Spielsucht die Familienfinanzen bedroht. | Lokale Schuldnerberatung |
Du darfst dir auch Hilfe holen!
Angehörige von Spielsüchtigen entwickeln oft Depressionen oder Angstzustände. Warte nicht, bis du zusammenbrichst. Es ist kein Verrat am Partner, wenn du dir Hilfe suchst, ganz im Gegenteil: Nur wenn du selbst stabil und belastbar bist, kannst du eine Stütze sein oder die nötigen Konsequenzen ziehen.
Dein erster Schritt: Rufe heute bei einer Beratungsstelle an und vereinbare einen Termin für dich selbst.
FAQ: Häufige Fragen zur Hilfe für Angehörige von Glücksspielsüchtigen
Achte auf den Finanznebel: Geld verschwindet unerklärlich, Wertsachen fehlen oder es tauchen Mahnungen auf. Dazu kommen massive Stimmungsschwankungen, Lügen über den Aufenthaltsort und ein schleichender Rückzug aus dem sozialen Leben. Spätestens wenn du um Geld gebeten wirst, sollten alle Alarmglocken schrillen.
Wähle einen ruhigen Moment, niemals direkt nach einem Streit oder Verlust. Nutze Ich-Botschaften und nutze eher Sätze wie „Ich mache mir große Sorgen um unsere Zukunft/Miete“, anstatt vorwurfsvolls mit der Tür ins Haus zu fallen. Biete Hilfe an, aber bleibe sachlich.
Nein, auf keinen Fall. Das ist die wichtigste Regel. Wenn du Schulden übernimmst, steigt der Leidensdruck nicht und es gibt keinen Grund, mit dem Spielen aufzuhören. Die betroffene Person spürt die Konsequenzen nicht und wird weiterspielen. Das nennt man Co-Abhängigkeit. Hilf der Person stattdessen, zur Schuldnerberatung zu gehen.
Angehörige entwickeln oft selbst Depressionen oder Angststörungen. Organisationen wie die Caritas oder Anonyme Spieler (Gam-Anon) bieten spezielle Gruppen nur für Partner und Eltern an. Du musst da nicht alleine durch.
Du kannst niemanden zur Einsicht zwingen. In Deutschland kannst du allerdings eine Fremdsperre beantragen: Wenn Beweise für eine Suchtgefährdung vorliegen, kannst du beim Regierungspräsidium Darmstadt eine Fremdsperre in der Sperrdatei OASIS beantragen. Das verbaut dem Betroffenen den Zugang zu legalen Glücksspielangeboten, auch gegen den eigenen Willen. Achtung: Gesperrte Personen spielen häufiger in internationalen Casinos. Dort greift das Sperrsystem nicht.
Hinweis: Diese Webseite dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar. Gewinne im Glücksspiel sind nicht garantiert. Glücksspiel kann süchtig machen. Spiele nur, wenn es in deiner Region legal ist, und informiere dich über die geltenden Gesetze. Beratung: BZgA +49 (0) 800 1 37 27 00 | 18+
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