Steigende Regulierung verändert CFO-Rolle im iGaming

Gestapelte Steuerdokumente mit Schildsymbol, verschmelzende Bürogebäude mit Pfeilen, Serverracks mit Kabeln.

Steigende Steuer- und Regulierungslasten verändern die Rolle von CFOs im iGaming – Fokus verschiebt sich auf Effizienz, Compliance und belastbare Finanzplanung

Das Wichtigste in Kürze

  • Finanzchefs im iGaming berichten von steigenden Steuerlasten und komplexeren regulatorischen Vorgaben in Europa und Amerika.
  • Compliance-Kosten entwickeln sich laut mehreren CFOs zu einem strukturellen Bestandteil des Geschäftsmodells.
  • M&A wird als Instrument für schnelleren Markteintritt genutzt, erfordert jedoch erweiterte Due-Diligence-Prüfungen.
  • Regionale Besonderheiten wie US-Bundesstaatenmodelle oder Provinzregime in Argentinien erhöhen die finanzielle Planungsanforderung.

Höhere Steuer- und Regulierungslasten verändern die Prioritäten von Finanzchefs

In einer Gesprächsrunde von iGaming Expert schildern Marcus Arildsson, CFO von Codere Online, Vasilena Mantsiou, CFO von Evoplay, und Motti Gil, CFO von RubyPlay, wie sich die Rahmenbedingungen für Finanzverantwortliche im iGaming-Sektor verschieben.

Nach Angaben von Arildsson führen schwerere fiskalische Belastungen in etablierten europäischen Märkten wie Spanien und Italien, strengere Werbevorgaben sowie detailliertere Responsible-Gaming-Regelwerke zu steigenden strukturellen Kosten. Gleichzeitig entstehe in Teilen Lateinamerikas, insbesondere in Mexiko und Argentinien, ein komplexes Geflecht aus Lizenz-, Steuer- und Compliance-Anforderungen.

Die Folge ist laut Arildsson eine stärkere Disziplin bei Investitionsentscheidungen. Wachstum um jeden Preis werde durch einen Fokus auf nachhaltige Profitabilität auf Marktebene ersetzt. Compliance sei nicht mehr nur ein zusätzlicher Kostenfaktor, sondern integraler Bestandteil des operativen Modells.

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Auch Mantsiou beschreibt eine Neuausrichtung der Kapitalallokation. Investitionen konzentrierten sich stärker auf transparente Jurisdiktionen mit klar kalkulierbaren Nachsteuererträgen. Gleichzeitig hätten KYC-, AML- und Reporting-Vorgaben Compliance zu einem der größten operativen Kostenblöcke gemacht. Unterschiedliche Steuerregime je nach Markt erschwerten die Standardisierung.

Gil verweist zusätzlich auf die zunehmende Bedeutung indirekter Steuern wie VAT, GST oder PIS/COFINS in Brasilien. Diese erforderten teilweise Echtzeit-Reporting und technische Infrastruktur, um den Standort von Spielern und Anbietern korrekt zuzuordnen. Für international tätige B2B-Anbieter spielten zudem Quellensteuern auf IP-Lizenzen und Lizenzgebühren eine Rolle bei der Cashflow-Planung.

Transfer Pricing und globale Mindestbesteuerung erhöhen Berichtspflichten

Über die klassischen Glücksspielabgaben hinaus beschreibt Gil eine wachsende Bedeutung von Transfer-Pricing-Regeln. Bei grenzüberschreitend verteilten Teams und Vermögenswerten seien aktuelle Verrechnungspreisstudien notwendig, um die Angemessenheit konzerninterner Transaktionen zu dokumentieren.

Zudem nennt er die OECD-Initiative Pillar 2 zur globalen Mindestbesteuerung als neuen Referenzrahmen. Auch Unternehmen unterhalb der Umsatzschwellen müssten ihre Finanzdatensysteme so aufstellen, dass eine Berichterstattung auf Jurisdiktionsebene möglich ist. Dies erhöhe die Anforderungen an Datenqualität und Systemarchitektur.

Mantsiou ergänzt, dass regulatorische Unsicherheit in einzelnen Märkten die langfristige Planung erschwere. Unternehmen reagierten mit flexibleren Finanzmodellen und zusätzlichen Puffern, um kurzfristige Steuer- oder Regeländerungen abzufedern.

M&A als Beschleuniger in fragmentierten Märkten

Mit zunehmender Marktfragmentierung gewinnt nach Darstellung der Finanzchefs die Übernahme lizenzierter Anbieter an Bedeutung. Laut Mantsiou ermöglicht M&A einen schnelleren Eintritt in neue Jurisdiktionen, da bestehende Lizenzen, Kundenstämme und operative Strukturen übernommen werden können. Gleichzeitig entstünden Synergien durch gemeinsame Technologien und gebündelte Betriebskosten.

Die Kehrseite sieht sie in regulatorischen und steuerlichen Altlasten. Laufende Untersuchungen, versteckte Steuerverbindlichkeiten oder verschärfte Kapitalanforderungen könnten die Wirtschaftlichkeit einer Transaktion nachträglich verändern. Deshalb sei es notwendig, nicht nur historische Kennzahlen, sondern auch die künftigen regulatorischen Auswirkungen auf das kombinierte Unternehmen zu analysieren.

Gil betont, dass klassische Kennzahlen wie Umsatz oder EBITDA nicht mehr ausreichen. Stattdessen müsse geprüft werden, ob Lizenzen, technische Zertifizierungen und steuerliche Meldestrukturen den lokalen Anforderungen entsprechen. In stark fragmentierten Märkten könne eine saubere, belastbare Lizenzinfrastruktur wertvoller sein als kurzfristige Erlösströme.

Arildsson verweist darauf, dass organisches Wachstum in stabil regulierten Märkten langfristig berechenbarer sein könne als aggressive Expansion in Regionen mit unsicheren Steuer- und Rechtsrahmen. Auch bei Übernahmen stehe die regulatorische Beständigkeit im Mittelpunkt der Bewertung.

Regionale Entwicklungen in den USA, Argentinien und Brasilien im Fokus

Bei den beobachteten Märkten nennt Gil insbesondere die USA. Während sich Sportwetten in mehreren Bundesstaaten etabliert hätten, bleibe Online-Casino-Regulierung bislang hinterher. Zusätzliche Legalisierungen könnten neue Einnahmequellen für Bundesstaaten mit Haushaltsdefiziten schaffen. Für Anbieter bedeute dies jedoch hohe bundesstaatsspezifische Lizenzgebühren und unterschiedliche Steuersätze.

In Argentinien verweist Gil auf ein provinzielles Regulierungsmodell. Anders als bei einer landesweiten Regelung würden einzelne Provinzen eigene Rahmenbedingungen schaffen, wie etwa in Buenos Aires. Neben regulatorischen Anforderungen spielten dort auch Währungs- und Inflationsfaktoren eine Rolle für die Finanzplanung.

Brasilien bezeichnet Gil als Fokusmarkt, in dem verschiedene Steuerarten, darunter Glücksspielabgaben, indirekte und direkte Steuern sowie Quellensteuern, kombiniert auftreten. Unternehmen müssten ihre operative Struktur entsprechend ausrichten und laufend regulatorische Anpassungen beobachten.

Unsere Einschätzung

Die Aussagen der drei Finanzchefs zeigen übereinstimmend, dass steigende Steuer- und Compliance-Anforderungen die Rolle des CFO im iGaming grundlegend erweitern. Finanzplanung umfasst nicht mehr nur Margen und Wachstum, sondern detaillierte Steuerstrukturierung, regulatorische Absicherung und technische Berichtssysteme. Für international tätige Anbieter gewinnen Jurisdiktionsanalyse, Lizenzqualität und belastbare Compliance-Infrastruktur an strategischer Bedeutung.

Hinweis: Diese Webseite dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar. Gewinne im Glücksspiel sind nicht garantiert. Glücksspiel kann süchtig machen. Spiele nur, wenn es in deiner Region legal ist, und informiere dich über die geltenden Gesetze. Beratung: BZgA +49 (0) 800 1 37 27 00 | 18+

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Über den Autor

Janina Frei

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.
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