ANJ identifiziert 600.000 Hochrisiko-Spieler im Online-Markt Frankreichs

Männliche Hand hält Smartphone, darauf Glücksspiel-App mit Spielautomatensymbol und farbigen Walzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die französische Glücksspielaufsicht ANJ hat ein neues Algorithmus-Tool eingeführt und damit rund 600.000 Online-Spieler mit hohem Risiko identifiziert.
  • Diese Gruppe entspricht 8,7 Prozent aller registrierten Online-Konten bei lizenzierten Anbietern.
  • Die betroffenen Spieler erzeugten 1,2 Milliarden Euro Bruttospielertrag und damit 60 Prozent des gesamten Online-GGR.
  • Etwa 300.000 der identifizierten Personen gelten als eindeutig exzessive Spieler.
  • Die ANJ erwartet von den Betreibern die Implementierung des neuen Instruments zur systematischen Risikoerkennung.

Neuer ANJ-Algorithmus identifiziert 600.000 Hochrisiko-Spieler – Aufsicht verschärft Kontrolle des Online-Marktes

Die französische Regulierungsbehörde Autorité Nationale des Jeux (ANJ) hat im zweiten Halbjahr 2025 ein neues Analyseinstrument eingesetzt, um riskantes Spielverhalten im Online-Sektor systematisch zu erfassen. Nach Angaben der Behörde wurden rund 600.000 Spieler mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für exzessives oder problematisches Spiel identifiziert.

Die erfassten Konten verteilen sich auf alle lizenzierten Online-Anbieter in Frankreich. Dazu gehören unter anderem FDJ United und Pari-Mutuel Urbain, zwei der größten Glücksspielunternehmen des Landes. Grundlage der Analyse sind registrierte Online-Konten, also accountbasierte Angebote.

Die ANJ bezeichnet das eingesetzte System als das erste seiner Art in Europa. Ziel ist es, riskantes Verhalten frühzeitig zu erkennen und die Überwachungspflichten der Betreiber datenbasiert zu unterstützen.

8,7 Prozent der Spielerschaft erzeugen 60 Prozent des Bruttospielertrags

Die von der ANJ identifizierten 600.000 Hochrisiko-Spieler entsprechen 8,7 Prozent der gesamten Online-Spielerschaft bei lizenzierten Anbietern. Gleichzeitig generierte diese vergleichsweise kleine Gruppe 1,2 Milliarden Euro an Bruttospielertrag.

alert-circle
Du findest uns auch auf Telegram: Klicke hier, um unserem Telegram Channel zu folgen.

Nach Angaben der Behörde entspricht dieser Betrag 60 Prozent des gesamten Online-GGR in Frankreich. Der Bruttospielertrag beschreibt die Einsätze der Spieler abzüglich der ausgezahlten Gewinne und gilt als zentrale Kennzahl für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Glücksspielanbietern.

Die ANJ bewertet diese starke Konzentration der Umsätze als besorgniserregend. Sie verweist auf eine doppelte Aufwärtstendenz: Sowohl die Zahl der problematischen Spieler als auch deren Anteil an den Betreibererlösen sei gestiegen.

Deutlicher Anstieg gegenüber früherer Identifikation

Vor Einführung des neuen Algorithmus waren laut ANJ rund 89.000 Spieler als problematisch eingestuft worden. Mit dem neuen Instrument erhöhte sich diese Zahl auf etwa 600.000 Personen.

Die Behörde hebt hervor, dass das Tool nicht nur bereits manifeste Problemfälle erfasst, sondern auch Spieler mit hoher Wahrscheinlichkeit für exzessives Verhalten identifiziert. Dadurch erweitert sich der Kreis der erkannten Risikoprofile deutlich.

Unter den 600.000 identifizierten Spielern stuft die ANJ etwa 300.000 als „manifestly excessive“ ein, also als eindeutig exzessive Spieler. Diese Gruppe sei so klar als problematisch erkennbar, dass eine Identifikation durch die Betreiber zwingend erforderlich sei.

Erhöhter Druck auf lizenzierte Anbieter in Frankreich

Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse steigt der regulatorische Druck auf die in Frankreich lizenzierten Online-Anbieter. Die ANJ macht deutlich, dass sie von den Betreibern erwartet, das neue Instrument einzusetzen.

Die Implementierung des Algorithmus ist damit Teil eines regulatorischen Vorstoßes, um die Erkennung riskanten Spielverhaltens im regulierten Online-Markt zu verbessern. Betreiber sollen ihre Kundenbasis systematisch überwachen, exzessives oder pathologisches Spielverhalten identifizieren und das Ausmaß entsprechender Aktivitäten dokumentieren.

Die Maßnahme betrifft sämtliche lizenzierten Online-Angebote mit registrierten Konten. Die Einbindung großer Marktteilnehmer wie FDJ United und Pari-Mutuel Urbain unterstreicht, dass die Aufsicht den gesamten regulierten Markt erfasst.

Marktbedeutung für Nutzer und Plattformvergleiche

Für Nutzer von Vergleichsplattformen und internationale Marktbeobachter sind die Zahlen in mehrfacher Hinsicht relevant. Erstens zeigen sie, wie stark sich Umsätze im Online-Glücksspiel auf eine relativ kleine Gruppe von Spielern konzentrieren können. Zweitens verdeutlichen sie, dass Regulierungsbehörden zunehmend datenbasierte Instrumente einsetzen, um Spielerschutzvorgaben durchzusetzen.

Da die ANJ die Implementierung des Algorithmus erwartet, müssen Betreiber ihre internen Kontrollsysteme entsprechend anpassen. Für Spieler kann dies Auswirkungen auf Überwachungsmechanismen, Risikobewertungen und gegebenenfalls auf Eingriffe bei auffälligem Spielverhalten haben.

Die Zahlen beziehen sich ausdrücklich auf das zweite Halbjahr 2025 und auf den lizenzierten Online-Markt in Frankreich. Aussagen zu nicht lizenzierten Angeboten oder zu landbasiertem Glücksspiel enthält die Mitteilung nicht.

Unsere Einschätzung

Die von der ANJ veröffentlichten Daten zeigen eine deutliche Konzentration des Online-Bruttospielertrags auf eine vergleichsweise kleine Gruppe von Spielern mit hohem Risiko. Mit 600.000 identifizierten Konten und einem Umsatzanteil von 60 Prozent rückt die Frage der Risikoerkennung in den Mittelpunkt der Marktaufsicht. Die Erwartung der Behörde, dass Betreiber den neuen Algorithmus einsetzen, deutet auf eine intensivere regulatorische Kontrolle des französischen Online-Glücksspielmarktes hin.

Wir haben uns strikte redaktionelle Richtlinien auferlegt und erklären unsere Testmethoden offen und verständlich. Außerdem kommunizieren wir transparent, wie unsere Arbeit finanziert wird. Diese Seite kann Trackings Links enthalten, was unsere objektive Sichtweise aber in keinster Weise beeinflusst.

Neueste Artikel

Über den Autor

Janina Frei

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.
🍪
Wir verwenden Cookies. Durch die Nutzung dieser Website akzeptierst du das.