Belgischer Glücksspielmarkt 2024 mit erstem Umsatzrückgang seit 2020
Belgiens regulierter Glücksspielmarkt schrumpft 2024 auf 1,61 Milliarden Euro – strengere Regeln und schwächeres Retail-Geschäft belasten den Markt
Das Wichtigste in Kürze
- Der regulierte Glücksspielumsatz in Belgien sank 2024 auf 1,61 Milliarden Euro nach 1,69 Milliarden Euro im Vorjahr.
- Online-Glücksspiel blieb mit 919,10 Millionen Euro und 57,1 Prozent Marktanteil größtes Segment, verzeichnete aber ein Minus von 2,7 Prozent.
- Stationäres Glücksspiel fiel um 7,59 Prozent auf 690,41 Millionen Euro.
- Seit 2023 eingeführte Regulierungsmaßnahmen wie Bonusverbote und höhere Altersgrenzen wirkten sich laut Aufsicht auf die Marktentwicklung aus.
Gesamtmarkt verzeichnet erste vollständige Kontraktion seit 2020
Der regulierte Glücksspielmarkt in Belgien ist 2024 erstmals seit 2020 wieder geschrumpft. Nach Angaben der zuständigen Regulierungsbehörde belief sich der Bruttospielertrag aller lizenzierten Anbieter auf 1,61 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor hatte der Markt noch 1,69 Milliarden Euro erreicht.
Damit endete eine mehrjährige Wachstumsphase, die nach der Covid-Periode eingesetzt hatte. Besonders deutlich fällt die Entwicklung vor dem Hintergrund der vergangenen Jahre auf: Zwischen 2020 und 2023 stieg der Online-Bruttospielertrag um rund 60 Prozent. Allein 2023 lag das Wachstum im Online-Segment bei 18 Prozent. Vor diesem Hintergrund markiert 2024 eine Trendwende.
Die Aufsichtsbehörde verweist darauf, dass das Jahr 2024 das erste vollständige Jahr mit rückläufigem reguliertem Gesamtumsatz seit 2020 darstellt.
Online bleibt größtes Segment, verliert jedoch leicht
Das Online-Glücksspiel blieb auch 2024 das umsatzstärkste Segment des belgischen Marktes. Lizenzierte Online-Anbieter erzielten 919,10 Millionen Euro und damit 57,1 Prozent des gesamten Bruttospielertrags.
Trotz der dominierenden Marktstellung ging der Online-Umsatz im Jahresvergleich um 2,7 Prozent zurück. Damit verzeichnete auch dieser Bereich erstmals seit mehreren Jahren einen Rückgang.
Das stationäre Glücksspiel kam auf 690,41 Millionen Euro, was 42,9 Prozent des Marktes entspricht. Hier fiel das Minus mit 7,59 Prozent deutlich stärker aus als im Online-Bereich. Der Rückgang im landbasierten Segment trug damit wesentlich zur negativen Gesamtentwicklung bei.
Casino-Segment wächst, andere Bereiche verlieren deutlich
Innerhalb des Gesamtmarktes zeigte sich ein differenziertes Bild. Das Casino-Segment hob sich von der allgemeinen Abschwächung ab. Der Bruttospielertrag der Casinos stieg um 7,32 Prozent auf 638,45 Millionen Euro.
Rund drei Viertel dieses Umsatzes entfielen auf Online-Casinos. Online-Casino-Erlöse legten um 8,7 Prozent zu, während landbasierte Casinos ein Wachstum von 3,7 Prozent verzeichneten.
Andere Segmente entwickelten sich hingegen rückläufig. Arcade-Lizenzen erzielten 384,75 Millionen Euro, ein Minus von 11,95 Prozent. Besonders stark fiel der Rückgang im Online-Arcade-Bereich mit minus 23,8 Prozent aus, während stationäre Arcade-Angebote um 4,24 Prozent zulegten.
Low-Stakes-Gaming sank um 21,71 Prozent auf 222 Millionen Euro. Auch Bingo in Cafes verzeichnete einen deutlichen Rückgang von 24,7 Prozent.
Der Sportwettenmarkt kam auf 364,3 Millionen Euro und lag damit 6,59 Prozent unter dem Vorjahreswert. Online-Wetten gingen um 2,11 Prozent zurück, während stationäre Sportwetten um 13,58 Prozent fielen. Wettshops und Annahmestellen verzeichneten sogar einen Rückgang von 17,9 Prozent.
Gleichzeitig stieg das Produktsegment Sportwetten insgesamt um 4 Prozent, während Pferdewetten und andere Wettarten um 32,8 Prozent beziehungsweise 44,7 Prozent zurückgingen.
Weniger Lizenzen und strukturelle Änderungen beeinflussen Umsätze
Ein Teil des Rückgangs im stationären Wettbereich hängt mit der Anzahl der Lizenzen zusammen. Die Zahl der Wettshop-Lizenzen sank innerhalb von zwei Jahren von 535 auf 408. Dies reduzierte die Zahl der Verkaufsstellen und wirkte sich auf die Umsätze aus.
Zusätzlich führte die Regulierungsbehörde seit 2023 mehrere neue Vorgaben ein. Eine zentrale Änderung war das Verbot sogenannter kumulativer Websites. Betreiber dürfen seither keine Produkte unterschiedlicher Lizenztypen mehr auf einer gemeinsamen Plattform anbieten. Besonders betroffen waren Inhaber von Arcade-Lizenzen.
In einigen Fällen verschoben Betreiber ihre Produkte auf Casino- oder Wettseiten. Dadurch änderte sich die Zuordnung von Umsätzen zwischen den Lizenzklassen, ohne dass sich zwingend das tatsächliche Spielverhalten im gleichen Umfang veränderte.
Strengere Spielerschutzregeln erhöhen regulatorischen Druck
Weitere Maßnahmen erhöhten den regulatorischen Druck auf Anbieter. Das Mindestalter für Glücksspiel wurde von 18 auf 21 Jahre angehoben. Zudem wurden Boni verboten, Werberegeln verschärft und Identitäts- sowie EPIS-Kontrollen strenger durchgesetzt.
Werbebeschränkungen spielen in Belgien seit Jahren eine wichtige Rolle in der Glücksspielpolitik. Nach Angaben der Aufsicht ist bislang jedoch unklar, ob die jüngsten Änderungen den Spielerschutz messbar verbessert haben.
Gleichzeitig weist die Behörde darauf hin, dass untersucht werden müsse, ob Spieler verstärkt auf unregulierte Angebote ausweichen. Konkrete Zahlen hierzu liegen nicht vor, es bestehe jedoch Forschungsbedarf.
Die Veröffentlichung der Zahlen für 2024 erfolgte später als üblich und in stärker zusammengefasster Form. Als Gründe nennt die Behörde Änderungen in den Finanzberichtsprozessen sowie Personalmangel in der zuständigen Kontrolleinheit. Die Zahlen für 2025 sollen wieder planmäßig erscheinen.
Unsere Einschätzung
Die aktuellen Daten zeigen, dass der belgische Glücksspielmarkt 2024 nach mehreren Wachstumsjahren erstmals wieder schrumpfte. Während das Online-Segment seine führende Rolle behält und das Casino-Geschäft zulegt, belasten Rückgänge im stationären Bereich und in mehreren Lizenzkategorien den Gesamtmarkt. Gleichzeitig verändern regulatorische Eingriffe seit 2023 die Marktstruktur und die Verteilung der Umsätze zwischen einzelnen Segmenten. Für Marktteilnehmer und Nutzer sind damit sowohl regulatorische Rahmenbedingungen als auch strukturelle Verschiebungen innerhalb des Angebotsumfelds von zentraler Bedeutung.
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