CFTC warnt vor Abwanderung von Prognosemärkten
CFTC-Chef warnt vor Abwanderung von Prognosemärkten – politische Klagen und fehlende Harmonisierung erhöhen Regulierungsdruck
Das Wichtigste in Kürze
- CFTC-Vorsitzender Michael Selig warnt vor einer möglichen „Implosion“ von Prognosemärkten bei fehlender regulatorischer Harmonisierung.
- Er kritisiert politisch motivierte Klagen von US-Bundesstaaten gegen registrierte Anbieter.
- Ein parteiübergreifender Gesetzentwurf im US-Senat zielt auf ein Verbot von Sportevent-Kontrakten und casinoähnlichen Spielen auf Prognoseplattformen.
- Mehrere Länder untersagen Plattformen wie Kalshi und Polymarket den Betrieb, während Gibraltar eine Lizenz erteilt hat.
CFTC sieht Parallelen zu früheren Krypto-Zusammenbrüchen
Michael Selig, Vorsitzender der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission CFTC, hat vor den Risiken gewarnt, die Prognosemärkte bei fehlender regulatorischer Abstimmung treffen könnten. In einem Podcast-Interview erklärte er, dass eine Verlagerung des Sektors in unregulierte Offshore-Bereiche zu ähnlichen Entwicklungen führen könne wie bei früheren Zusammenbrüchen von Kryptounternehmen.
Selig verwies dabei ausdrücklich auf FTX und andere implodierte Kryptofirmen. Seine Sorge: Wenn Prognosemärkte verstärkt in unregulierte Jurisdiktionen abwandern, könnten vergleichbare Marktverwerfungen auftreten. Aus seiner Sicht sei es daher entscheidend, dass entsprechende Handelsplätze sich in den Vereinigten Staaten registrieren und klaren regulatorischen Leitplanken unterliegen.
Er betonte die Notwendigkeit von Regeln, die faire Märkte, Anleger- und Kundenschutz sowie verbindliche Vorgaben sicherstellen. Ohne diese Rahmenbedingungen drohe dem Sektor eine instabile Entwicklung.
Konflikt zwischen Bundesaufsicht und US-Bundesstaaten
Plattformen wie Kalshi und Polymarket werden auf Bundesebene von der CFTC reguliert. In den USA haben sie zuletzt deutlich an Bedeutung gewonnen, da sie unter anderem Märkte anbieten, die als Alternative zu klassischen Online-Sportwetten wahrgenommen werden, insbesondere in Bundesstaaten, in denen Sportwetten nicht zugelassen sind.
Mehrere große Glücksspielunternehmen, darunter FanDuel und DraftKings, haben ebenfalls eigene Prognosemarkt-Angebote eingeführt. Damit erschließen sie Bundesstaaten, in denen ihnen der Zugang über traditionelle Sportwetten bislang verwehrt war.
Gleichzeitig gehen verschiedene US-Bundesstaaten juristisch gegen solche Angebote vor. Sie argumentieren, dass bestimmte Märkte faktisch Sportwetten oder glücksspielähnliche Produkte darstellen und damit gegen einzelstaatliche Glücksspielgesetze verstoßen.
Selig kritisierte dieses Vorgehen deutlich. Er sprach von politisch motivierten Klagen gegen registrierte Marktteilnehmer und wandte sich gegen eine Regulierung durch Gerichtsverfahren und Durchsetzungsmaßnahmen. Stattdessen plädierte er für eine Zusammenarbeit zwischen Bundesstaaten und der CFTC, um eine einheitliche und klar definierte Regulierung zu entwickeln.
Nach seinen Angaben sei die Behörde bereit, mit staatlichen Kommissionen und weiteren Beteiligten zusammenzuarbeiten, um eine abgestimmte Politik zu erarbeiten. Ziel sei es, Zuständigkeitskonflikte zu vermeiden und regulatorische Klarheit zu schaffen.
Gesetzentwurf im US-Senat zielt auf Einschränkungen
Zusätzlichen regulatorischen Druck erzeugt ein neuer Gesetzentwurf im US-Senat. Die Senatoren Adam Schiff und John Curtis haben eine parteiübergreifende Initiative eingebracht, die sogenannte casinoähnliche Spiele sowie Sportevent-Kontrakte auf Prognoseplattformen verbieten soll.
In einer Stellungnahme erklärte Schiff, es sei an der Zeit, diese „Hintertür“ zu schließen. Er argumentierte, dass entsprechende Angebote staatliche Verbraucherschutzregeln unterliefen, in die Souveränität indigener Stämme eingriffen und keine öffentlichen Einnahmen generierten.
Der Vorstoß verdeutlicht, dass Prognosemärkte nicht nur auf Ebene einzelner Bundesstaaten, sondern auch auf Bundesebene politisch umstritten sind. Für Anbieter bedeutet dies eine erhöhte regulatorische Unsicherheit, solange keine abschließende gesetzliche Klärung erfolgt.
Internationale Entwicklungen: Verbote und neue Lizenzen
Auch außerhalb der USA stehen Prognosemärkte unter regulatorischer Beobachtung. Mehrere Staaten haben Plattformen wie Kalshi und Polymarket untersagt.
In Rumänien entschied ein Gericht gegen Polymarket, nachdem die Plattform die Entscheidung des Nationalen Glücksspielamts angefochten hatte. Die Behörde hatte Polymarket auf eine Sperrliste gesetzt und das Angebot als Glücksspielprodukt eingestuft.
Während einige Länder restriktiv vorgehen, zeigt Gibraltar eine andere Haltung. Das britische Überseegebiet, das als bedeutender iGaming-Standort in Europa gilt, hat kürzlich einem Prognosemarkt-Betreiber eine Lizenz erteilt.
Nigel Feetham, Minister für Justiz, Handel und Industrie in Gibraltar, bezeichnete den Sektor im Parlament als Bereich mit erheblichem Wachstumspotenzial. Damit positioniert sich Gibraltar als möglicher Standort für regulierte Prognosemärkte innerhalb Europas.
Unsere Einschätzung
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass Prognosemärkte sowohl in den USA als auch international mit unterschiedlichen regulatorischen Ansätzen konfrontiert sind. Während die CFTC auf Registrierung und bundesweite Leitplanken setzt, verfolgen einzelne US-Bundesstaaten und ausländische Behörden teils restriktive Strategien bis hin zu Verboten. Gleichzeitig entstehen neue Lizenzmodelle wie in Gibraltar. Für Anbieter und Nutzer bedeutet dies eine fragmentierte Rechtslage, die stark von der jeweiligen Jurisdiktion abhängt.
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