Amnesty-Bericht zu Kambodscha-Casinos erhöht Druck auf Regulierung

Blick auf beleuchtete Casinos in Phnom Penh bei Nacht, Menschenstrom vor Eingängen, Neonlichter spiegeln Straße

Amnesty-Bericht sieht Verbindung zwischen lizenzierten Casinos in Kambodscha und Scam-Zentren – Regulierungsdruck auf Glücksspielsektor bleibt hoch

Das Wichtigste in Kürze

  • Amnesty International sieht direkte Verbindungen zwischen mindestens 12 lizenzierten Casinos in Kambodscha und sogenannten Scam-Compounds.
  • In diesen Einrichtungen dokumentierten Ermittler laut Bericht Zwangsarbeit, Menschenhandel, Folter und Kinderarbeit.
  • Drei der genannten Casinos gehören dem Geschäftsmann und Politiker Kok An.
  • Kambodschanische Behörden melden seit 2025 tausende Festnahmen und die Schließung von 190 Scam-Zentren, darunter 44 Casinos.
  • Trotz verschärfter Maßnahmen bleibt laut Amnesty die strukturelle Verbindung zwischen Glücksspiel-Lizenzen und Betrugsstrukturen bestehen.

Amnesty-Bericht nennt lizenzierte Casino-Standorte als Teil von Scam-Strukturen

Amnesty International kommt in einem neuen Bericht zu dem Ergebnis, dass mindestens zwölf lizenzierte Casinos in Kambodscha direkt mit sogenannten Scam-Compounds verbunden sind. Grundlage der Analyse sind unter anderem Lizenzunterlagen der Commercial Gambling Management Commission.

Nach Angaben der Organisation kontrollieren Casino-Eigentümer mindestens zwölf separate Immobilien, in denen Überlebende und Ermittler Missbrauch dokumentiert haben. Dazu zählen laut Bericht Zwangsarbeit, Menschenhandel, Folter sowie Kinderarbeit.

Die genannten Standorte befinden sich unter anderem in Sihanoukville sowie in Grenzstädten wie Poipet. Diese Regionen gelten als Schwerpunkte des landbasierten Glücksspiels und sind seit Jahren mit grenzüberschreitendem Spielverkehr verbunden.

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Politisch verknüpfte Eigentümer im Fokus

Im Bericht wird auch der sino-kambodschanische Geschäftsmann und Politiker Kok An genannt. Drei der aufgeführten Casinos gehören ihm. Kok An ist mit dem Unternehmen Anco Brothers Co Ltd verbunden.

Die Nennung eines politisch vernetzten Unternehmers erhöht die Brisanz des Berichts. Amnesty sieht darin ein Indiz für strukturelle Verflechtungen zwischen Teilen der regulierten Glücksspielbranche und kriminellen Netzwerken.

Regierung verweist auf Razzien, Schließungen und Lizenzentzüge

Die kambodschanische Regierung betont seit Monaten, dass sie verstärkt gegen Cyberkriminalität und illegale Online-Betrugszentren vorgeht. Seit 2025 meldeten die Behörden tausende Festnahmen im Zusammenhang mit Cybercrime.

Im Januar und Februar erklärten die Behörden, 190 Scam-Zentren geschlossen zu haben. Darunter befanden sich laut offiziellen Angaben 44 Casinos, denen Betrug über technologische Systeme vorgeworfen wurde.

Zudem wurden Lizenzen im Zusammenhang mit Prince Group Holdings widerrufen. Chen Zhi wurde festgenommen und nach China abgeschoben. Dort sieht er sich unter anderem mit Vorwürfen des Betrugs, der Geldwäsche, des Menschenhandels und der Folter konfrontiert.

Die Regulierungsbehörde erklärte, man wolle die Aufsicht über den kommerziellen Glücksspielsektor stärken und sicherstellen, dass der Betrieb gesetzeskonform erfolgt.

Pig-Butchering-Betrug als Teil eines milliardenschweren Cybercrime-Marktes

Ein zentraler Bestandteil der Ermittlungen sind sogenannte Pig-Butchering-Scams. Dabei bauen Täter über längere Zeit Vertrauen zu ihren Opfern auf, häufig über angebliche Liebes- oder Investmentkontakte. Anschließend werden Betroffene dazu gebracht, Geld in gefälschte Plattformen oder vermeintlich renditestarke Anlagen zu investieren.

Nach Angaben der UNODC handelt es sich bei Cyberbetrug um einen kriminellen Markt mit einem geschätzten Volumen von rund 40 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die Organisation würdigte zuletzt, dass Kambodscha seine Maßnahmen gegen Cyberbetrug verstärkt habe.

Amnesty argumentiert jedoch, dass reine Strafverfolgungsmaßnahmen die strukturellen Verbindungen zwischen lizenzierten Casino-Standorten und Scam-Compounds bislang nicht aufgelöst hätten.

Regulatorisches Risiko für den kambodschanischen Glücksspielsektor

Für den regulierten Glücksspielmarkt in Kambodscha bedeutet der Bericht eine anhaltende Belastung. Die Vorwürfe betreffen ausdrücklich lizenzierte Immobilien und damit Teile des formellen Sektors.

Die Diskrepanz zwischen offiziellen Erfolgsbilanzen bei Razzien und den von Amnesty dokumentierten Verbindungen wirft Fragen zur Wirksamkeit der bestehenden Aufsichtsmechanismen auf. Besonders relevant ist dies für internationale Marktteilnehmer, die Standorte, Betreiber oder regulatorische Rahmenbedingungen vergleichen.

Solange Berichte über direkte Verbindungen zwischen Casino-Lizenzen und schweren Menschenrechtsverletzungen im Raum stehen, bleibt das regulatorische und reputative Umfeld angespannt.

Unsere Einschätzung

Der Bericht von Amnesty International stellt die offizielle Darstellung der kambodschanischen Behörden in Frage, wonach entschlossene Maßnahmen gegen Scam-Zentren ergriffen wurden. Trotz gemeldeter Schließungen, Festnahmen und Lizenzentzüge sieht die Organisation weiterhin direkte Verbindungen zwischen lizenzierten Casinos und dokumentierten Missbrauchsfällen.

Für den Glücksspielsektor in Kambodscha ergeben sich daraus fortbestehende regulatorische Risiken und erhöhte internationale Aufmerksamkeit. Die Entwicklung ist insbesondere für Marktteilnehmer relevant, die regulatorische Stabilität, Lizenzstrukturen und Durchsetzungsmechanismen in verschiedenen Jurisdiktionen vergleichen.

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Über den Autor

Janina Frei

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.
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