Spanien testet anbieterübergreifende Einzahlungslimits ab September
Spanien startet Test für anbieterübergreifende Einzahlungslimits – Offshore-Markt wächst gleichzeitig deutlich
Das Wichtigste in Kürze
- Spanien beginnt am 25. September eine sechsmonatige Testphase für anbieterübergreifende Einzahlungslimits.
- Die vollständige Einführung ist für den 25. März 2027 geplant.
- Der Offshore-Glücksspielmarkt wuchs im vergangenen Jahr um 102 Prozent.
- Für 2026 wird ein regulierter Online-GGR von 1,91 Milliarden Euro bei einer Kanalisierungsrate von 78 Prozent erwartet.
- Bis 2028 könnte die Kanalisierungsrate laut Prognosen auf 71 Prozent sinken.
Testphase für zentrales Einzahlungslimit startet im September
Spanien führt ein anbieterübergreifendes System für Einzahlungslimits im Online-Glücksspiel ein. Die Generaldirektion für die Regulierung des Glücksspiels (DGOJ) hat die Maßnahme angekündigt und vergangene Woche per königlichem Dekret formell verabschiedet. Ab dem 25. September beginnt eine sechsmonatige Testphase. Die vollständige Umsetzung ist für den 25. März 2027 vorgesehen.
Das System sieht vor, dass für alle Spieler standardmäßig gemeinsame Höchstgrenzen gelten, unabhängig davon, bei wie vielen lizenzierten Anbietern sie registriert sind. Die Limits betragen 700 Euro pro Tag, 1.750 Euro pro Woche und 3.300 Euro innerhalb von vier Wochen. Spieler können diese Grenzen freiwillig anpassen oder aufheben, müssen dafür jedoch ein spezielles Verfahren mit zusätzlichen Schutzmechanismen durchlaufen.
Ziel der Maßnahme ist es laut DGOJ, den Spielerschutz zu stärken, insbesondere bei Nutzern, die parallel mehrere Plattformen verwenden.
Technische und rechtliche Anpassungen für Betreiber erforderlich
Mit Beginn der Testphase sind lizenzierte Betreiber verpflichtet, ihre Systeme anzupassen. Nach Angaben von Xavi Munoz, Managing Partner bei ECIJA Barcelona, müssen Unternehmen technische, operative und rechtliche Vorbereitungen treffen.
Konkret bedeutet das, dass Daten zu Einzahlungen an die DGOJ übermittelt, dort geprüft und an die Betreiber zurückgespielt werden. Entsprechend müssen interne Prozesse und Datenschutzhinweise angepasst werden. Zudem ist eine Datenschutz-Folgenabschätzung für diese spezielle Datenverarbeitung erforderlich.
Munoz betonte, dass die Testphase bereits verbindlich ist und nicht mit der endgültigen Einführung im März 2027 verwechselt werden darf. Betreiber müssen die neuen Anforderungen somit bereits im September vollständig unterstützen und ihre Kunden über die Änderungen informieren.
Regulierter Markt wächst weiter, Offshore-Segment legt deutlich zu
Parallel zur Einführung der Limits verzeichnet Spanien ein starkes Wachstum im Online-Glücksspielmarkt. Laut Josh Hodgson, Chief Operating Officer bei H2 Gambling Capital, ist Spanien gemessen am Bruttospielertrag der fünftgrößte Markt in Europa. Im vergangenen Jahr wurden im Online-Bereich für Sportwetten und Gaming 1,74 Milliarden Euro erzielt. Das entspricht einem Wachstum von 51 Prozent in den vergangenen drei Jahren.
Für 2026 prognostiziert H2 Gambling Capital einen regulierten Bruttospielertrag von 1,91 Milliarden Euro bei einer Kanalisierungsrate von 78 Prozent. Die Kanalisierungsrate beschreibt den Anteil der Umsätze, der bei lizenzierten Anbietern erzielt wird.
Gleichzeitig weist Hodgson auf eine starke Dynamik im nicht regulierten Bereich hin. Der Offshore-Markt sei im vergangenen Jahr um 102 Prozent gewachsen. Als einen wesentlichen Treiber nennt er die zunehmende Popularität von Krypto-Casinos in verschiedenen europäischen Märkten.
Prognosen sehen Dämpfung des Wachstums ab 2027
Vor der Entscheidung zur Einführung anbieterübergreifender Einzahlungslimits war H2 Gambling Capital davon ausgegangen, dass der spanische Online-Markt 2027 einen Bruttospielertrag von 2,1 Milliarden Euro erreichen könnte.
Nach der Anpassung der Prognosen rechnet das Analysehaus nun mit einem Rückgang der Spielerausgaben im regulierten Markt um rund 300 Millionen Euro. Davon sollen etwa 80 Millionen Euro direkt an Offshore-Anbieter abwandern. Unter dem Strich ergäbe sich damit eine Nettoverringerung der Spielerausgaben um etwa 220 Millionen Euro. Dies entspräche einem Gegenwind von rund 7 Prozent in den Jahren 2027 und 2028.
Trotz dieses Effekts erwartet H2 Gambling Capital keinen absoluten Marktrückgang. Stattdessen dürfte sich das Wachstum verlangsamen. Für 2028 wird ein regulierter Bruttospielertrag von rund 2,05 Milliarden Euro prognostiziert, verglichen mit 1,9 Milliarden Euro im Jahr 2026.
Im Offshore-Segment wird dagegen ein Anstieg auf rund 820 Millionen Euro erwartet, ausgehend von 590 Millionen Euro im laufenden Jahr. Infolge dieser Entwicklung könnte die Kanalisierungsrate von derzeit 76 Prozent im Jahr 2026 auf 74 Prozent im Jahr 2027 und auf etwa 71 Prozent ab 2028 sinken.
Diskussion um Regulierung und Vorhersagemärkte
Im Rahmen eines Webinars zur Entwicklung des spanischen iGaming-Marktes wurden neben den Einzahlungslimits auch weitere regulatorische Themen behandelt. Dazu zählten ein allgemeines Update zum Rechtsrahmen, Marktentwicklungen und Wachstumsprognosen sowie die Rolle sogenannter Prediction Markets.
Camille Gonzalvez, TMT- und iGaming-Anwältin bei ECIJA, erläuterte die historische Entwicklung von Vorhersagemärkten in Spanien und Europa. Zudem ging sie auf bestehende Vorsichtsmaßnahmen gegenüber nicht lizenzierten Anbietern ein und auf die Frage, ob Vorhersagewetten künftig Teil des spanischen Regulierungsrahmens werden könnten.
Unsere Einschätzung
Mit der Einführung anbieterübergreifender Einzahlungslimits setzt Spanien auf eine stärkere Zentralisierung des Spielerschutzes im regulierten Online-Markt. Gleichzeitig zeigen die vorliegenden Prognosen, dass das Wachstum nicht lizenzierter Angebote deutlich zunimmt. Für Betreiber und Nutzer bedeutet dies eine Phase technischer Umstellungen, regulatorischer Anpassungen und möglicher Verschiebungen zwischen regulierten und nicht regulierten Angeboten in den kommenden Jahren.
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