Wintermute-CEO zweifelt an strukturellem Vorteil von Ethereum und Solana
Wintermute-CEO stellt Ethereum und Solana infrage – kein Blockchain-Netzwerk mit dauerhaftem Wettbewerbsvorteil
Das Wichtigste in Kürze
- Wintermute-CEO Evgeny Gaevoy sieht weder bei Ethereum noch bei Solana einen dauerhaft verteidigbaren Wettbewerbsvorteil.
- Ethereum hält laut DeFiLlama 56 von 95,3 Milliarden US-Dollar Total Value Locked, Solana 6,8 Milliarden US-Dollar.
- Hyperliquid erzielt 45 Prozent der generierten Blockchain-Gebühren und liegt damit vor TRON, Solana, BNB Chain und Ethereum.
- Neue private Blockchains wie Tempo, Arc und Google Cloud Universal Ledger zielen auf Stablecoins und tokenisierte Kapitalmärkte.
Ethereum und Solana dominieren DeFi – aber laut Wintermute ohne strukturellen Schutz
Ethereum und Solana gelten als die beiden führenden öffentlichen Blockchains im dezentralen Finanzsektor. Ein Blick auf die gebundene Liquidität unterstreicht diese Stellung: Von insgesamt 95,3 Milliarden US-Dollar Total Value Locked im DeFi-Sektor entfallen 56 Milliarden US-Dollar auf Ethereum. Solana folgt mit 6,8 Milliarden US-Dollar und erreicht damit rund zehn Prozent des Ethereum-Niveaus.
Trotz dieser Verteilung sieht Evgeny Gaevoy, CEO des Krypto-Market-Makers Wintermute, keinen sogenannten „moat“, also keinen nachhaltig verteidigbaren Wettbewerbsvorteil, bei einer der beiden Chains. Aus seiner Sicht wird insbesondere die wirtschaftliche Bedeutung der auf Ethereum laufenden Aktivitäten überschätzt. Er verweist darauf, dass ein Großteil des dort gebundenen Kapitals aus Unternehmenspiloten und Experimenten bestehe, etwa zur Abbildung von Geldmarktprodukten oder Anleihen auf Blockchain-Infrastruktur. Diese Aktivitäten stellten nach seiner Einschätzung nur einen kleinen Teil der traditionellen Finanzwirtschaft dar.
Solana profitiert von Memecoin-Handel – neue Anwendungen bleiben aus
Solana habe in Phasen intensiver Memecoin-Aktivität gezeigt, dass die technische Infrastruktur hohe Transaktionsvolumina mit schnellen Transfers bewältigen kann. Die starke Nutzung in diesem Segment belege die Leistungsfähigkeit des Netzwerks.
Gleichzeitig sieht Gaevoy hier eine strukturelle Einschränkung. Solana sei weiterhin stark mit dem Memecoin-Sektor verbunden. Neue große dezentrale Anwendungen oder Handelsplattformen, die als zusätzlicher Wachstumstreiber fungieren könnten, seien bislang nicht erkennbar. Damit bleibe offen, ob sich die Nutzung langfristig breiter diversifizieren lässt.
Aus Sicht des Wintermute-CEOs ist deshalb kein klarer Gewinner im Wettbewerb der großen öffentlichen Blockchains auszumachen. Er hält es für möglich, dass eine neue Blockchain eine eigene Nutzergruppe anzieht und Marktanteile gewinnt, da aktuell kein Netzwerk über einen eindeutig abgesicherten Vorsprung verfüge.
Hyperliquid erzielt 45 Prozent der Blockchain-Gebühren
Als Beispiel für die Verschiebung von Marktanteilen verweist Gaevoy auf Hyperliquid. Die Blockchain und die dazugehörige dezentrale Börse wurden speziell für hochfrequenten Kryptohandel und DeFi-Anwendungen entwickelt und sind seit rund drei Jahren operativ.
Inzwischen hat sich Hyperliquid auch als Handelsplatz für Öl und andere Rohstoffe etabliert, insbesondere vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen. Die hohe Aktivität über verschiedene Anlageklassen hinweg führte zu steigenden Gebühreneinnahmen.
Mit einem Anteil von 45 Prozent am gesamten generierten Gebührenaufkommen liegt Hyperliquid laut Daten von The Block und DeFiLlama deutlich vor anderen Netzwerken. TRON erreicht 20 Prozent, Solana 13 Prozent. Die BNB Chain kommt auf 10 Prozent, während Ethereum mit 7 Prozent auf Rang fünf liegt.
Diese Verteilung zeigt, dass die Marktführerschaft bei gebundener Liquidität nicht automatisch mit der Dominanz bei realisierten Einnahmen einhergeht. Hyperliquid konnte sich trotz kürzerer Historie im Gebührenvergleich an die Spitze setzen.
Private Blockchains nehmen Stablecoins und Tokenisierung ins Visier
Neben dem Wettbewerb unter öffentlichen Chains entsteht zusätzlicher Druck durch neue private Netzwerke. Mit Unterstützung von Stripe ist die auf Stablecoin-Zahlungen ausgerichtete Tempo-Chain gestartet. Auch Circle hat mit Arc eine eigene Blockchain eingeführt.
Für dieses Jahr wird zudem der vollständige Rollout des Google Cloud Universal Ledger erwartet. Alle genannten Projekte richten ihren Fokus auf Zahlungsabwicklung und tokenisierte Kapitalmärkte.
Ein zentrales Ziel dieser privaten Chains ist es, volatile und schwer kalkulierbare Transaktionsgebühren öffentlicher Blockchains zu vermeiden und Betrugsrisiken zu reduzieren. Damit adressieren sie direkt Anwendungsbereiche, die bislang als mögliche strukturelle Stärke von Ethereum und Solana galten, insbesondere im Bereich Stablecoins und Tokenisierung.
Sollten sich diese Angebote im Markt etablieren, könnten sie Marktanteile von öffentlichen Netzwerken abziehen und deren bisherige Position in diesen Segmenten schwächen.
Unsere Einschätzung
Die Aussagen des Wintermute-CEOs stützen sich auf konkrete Kennzahlen zu Total Value Locked und generierten Gebühren. Während Ethereum und Solana im DeFi-Sektor bei der gebundenen Liquidität führen, zeigt die Gebührenverteilung mit Hyperliquid an der Spitze eine andere Dynamik. Gleichzeitig treten mit Tempo, Arc und Google Cloud Universal Ledger neue private Blockchains in zentrale Anwendungsfelder wie Stablecoins und tokenisierte Märkte ein. Für Nutzer und Marktteilnehmer bedeutet das, dass Marktanteile und Einnahmeströme innerhalb der Blockchain-Ökonomie weiterhin in Bewegung sind und sich nicht allein aus bestehenden Größenverhältnissen ableiten lassen.
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