bet365 verpflichtet sich zu AML-Reformen in Australien
bet365 schließt verbindliche AML-Vereinbarung mit AUSTRAC – Auflagen nach festgestellten Compliance-Mängeln in Australien
Das Wichtigste in Kürze
- Die australische bet365-Einheit hat eine rechtlich bindende Vereinbarung mit der Finanzaufsicht AUSTRAC geschlossen.
- Eine Untersuchung ergab erhebliche Defizite im Bereich Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsprävention.
- bet365 muss sein AML- und CTF-Rahmenwerk umfassend überarbeiten, inklusive Risikoanalysen und Kundenprüfungen.
- Bis Dezember 2026 ist ein Zwischenbericht, bis Juli 2027 ein abschließender Prüfbericht vorzulegen.
Verbindliche Zusage nach mehrjähriger Prüfung durch AUSTRAC
Die australische Tochtergesellschaft von bet365, Hillside Australia New Media Pty Ltd, hat mit dem Australian Transaction Reports and Analysis Centre eine sogenannte enforceable undertaking abgeschlossen. Dabei handelt es sich um eine rechtlich durchsetzbare Verpflichtung, mit der das Unternehmen konkrete Maßnahmen zur Behebung regulatorischer Mängel umsetzen muss.
Vorausgegangen war eine Untersuchung der Finanzaufsicht, die durch ein unabhängiges Audit der bet365-Aktivitäten in Australien angestoßen wurde. Bereits im August 2022 hatte AUSTRAC erstmals Bedenken hinsichtlich der internen Prozesse zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung geäußert. Später im selben Jahr ordnete die Behörde eine externe Prüfung an.
Untersucht wurden die AML- und CTF-Praktiken des Unternehmens für den Zeitraum vom 1. Juli 2016 bis zum 2. November 2022. Prüfberichte aus dem September 2023 sowie eine unabhängige Überprüfung, die im Februar 2025 abgeschlossen wurde, identifizierten nach Angaben der Behörde erhebliche Defizite im Compliance-Rahmenwerk.
Festgestellte Verstöße gegen das australische AML-CTF-Gesetz
Laut AUSTRAC habe bet365 es versäumt, ein angemessenes AML- und CTF-Programm aufrechtzuerhalten. Damit habe das Unternehmen gegen Abschnitt 81 des australischen AML-CTF-Gesetzes verstoßen. Zudem sei bei bestimmten Kunden keine fortlaufende Sorgfaltspflichtprüfung durchgeführt worden.
Die fortlaufende Kundenüberwachung ist ein zentrales Element der Geldwäscheprävention. Sie soll sicherstellen, dass Transaktionen mit dem bekannten Risikoprofil eines Kunden übereinstimmen und auffällige Aktivitäten frühzeitig erkannt werden. Nach Einschätzung der Aufsicht wiesen die internen Prozesse von bet365 in diesem Bereich Schwächen auf.
Die nun geschlossene Vereinbarung legt verbindliche Mindeststandards fest. Verstöße gegen diese Verpflichtungen können zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen, sowohl auf Grundlage der Vereinbarung selbst als auch nach dem AML-CTF-Gesetz.
Konkrete Auflagen: Risikobewertung, Monitoring und Dokumentation
Im Rahmen der enforceable undertaking verpflichtet sich bet365 zu einer umfassenden Überarbeitung seines Compliance-Systems. Dazu gehört der Aufbau eines robusteren und kontinuierlichen Risikobewertungsrahmens. Dieser soll Risiken in Bezug auf Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Proliferationsfinanzierung systematisch erfassen und bewerten.
Darüber hinaus muss das Unternehmen seine Systeme zur Erkennung und Meldung verdächtiger Transaktionen stärken. Auch die Modelle zur Risikobewertung von Kunden sollen überarbeitet werden. Ziel ist es, risikoreiche Kundenbeziehungen frühzeitig zu identifizieren und angemessen zu überwachen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Kontrolldokumentation und der internen Testverfahren. Damit soll sichergestellt werden, dass die implementierten Maßnahmen nicht nur formal bestehen, sondern auch wirksam angewendet werden.
Der Zeitplan ist klar definiert: Bis zum 31. Dezember 2026 muss bet365 einen Zwischenbericht über den Fortschritt vorlegen. Bis zum 30. Juli 2027 ist ein abschließender Bericht eines unabhängigen Prüfers einzureichen, der bestätigt, dass alle vereinbarten Maßnahmen vollständig umgesetzt wurden.
Regulatorischer Fokus auf den Online-Glücksspielsektor
AUSTRAC-CEO Brendan Thomas betonte in diesem Zusammenhang die besondere Risikolage im Glücksspielsektor. Glücksspielunternehmen verarbeiteten große Geldvolumina mit hoher Geschwindigkeit, häufig über anonyme digitale Kanäle. Diese Struktur schaffe Möglichkeiten für kriminelle Akteure, Finanzströme zu verschleiern.
Nach Angaben der Behörde richtet sich der regulatorische Fokus verstärkt auf Risiken für die australische Wirtschaft, die aus Geldwäsche über den Glücksspielsektor resultieren können. Unternehmen seien daher verpflichtet, ihre Systeme kontinuierlich anzupassen und zu verbessern. Wenn Kontrollmechanismen hinter den tatsächlichen Risiken zurückbleiben, könnten die Auswirkungen über das einzelne Unternehmen hinausgehen.
Die Maßnahme gegen bet365 ist Teil einer breiteren Aufsichtstätigkeit. AUSTRAC führt derzeit ein zivilrechtliches Verfahren vor dem Bundesgericht gegen die Entain Group wegen mutmaßlicher AML- und CTF-Verstöße. Zuvor hatte die Behörde bereits Durchsetzungsmaßnahmen gegen Sportsbet ergriffen. Diese Fälle verdeutlichen eine intensivere regulatorische Prüfung des australischen Online-Wettmarktes.
Bedeutung für Anbieter und Nutzer im australischen Markt
Für international tätige Anbieter zeigt der Fall, dass regulatorische Anforderungen im Bereich Geldwäscheprävention fortlaufend überwacht und durchgesetzt werden. Die Verpflichtung zur regelmäßigen Risikoanalyse, zur detaillierten Kundenprüfung und zur Meldung verdächtiger Sachverhalte steht im Zentrum der Aufsicht.
Für Nutzer von Online-Wettplattformen können verschärfte Compliance-Vorgaben unter anderem zu strengeren Identifizierungs- und Überprüfungsprozessen führen. Anbieter müssen ihre internen Kontrollsysteme so ausgestalten, dass sie den gesetzlichen Mindeststandards entsprechen und behördlichen Prüfungen standhalten.
Unsere Einschätzung
Die verbindliche Vereinbarung zwischen bet365 und AUSTRAC folgt auf eine mehrjährige Untersuchung mit festgestellten Verstößen gegen das australische AML-CTF-Gesetz. Das Unternehmen ist verpflichtet, sein Risikomanagement, seine Kundenprüfungen und seine Meldesysteme umfassend zu überarbeiten und die Umsetzung durch unabhängige Prüfberichte nachzuweisen. Gleichzeitig unterstreichen parallele Verfahren gegen andere Anbieter den verstärkten regulatorischen Druck auf den australischen Online-Glücksspielsektor.
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