Niederlande prüfen vollständiges Werbeverbot für Glücksspiel

Regierungsgebäude mit Werbetafel, Verbotssymbol und zerbrochenem Schild mit rot gestempeltem Dokument.

Niederlande prüfen vollständiges Werbeverbot für Glücksspiel – Regierung sieht Spielerschutz weiter als unzureichend an

Das Wichtigste in Kürze

  • Die niederländische Regierung erwägt ein vollständiges Verbot von Glücksspielwerbung.
  • Grund ist die Einschätzung, dass bestehende Spielerschutzmaßnahmen nicht ausreichen.
  • Das Selbstsperrsystem Cruks kann Werbekontakte mit gesperrten Personen nicht vollständig verhindern.
  • Bereits seit 2023 und 2024 gelten weitreichende Werbe- und Sponsoringverbote im regulierten Markt.

Regierung stellt Wirksamkeit bestehender Schutzmechanismen infrage

Die niederländische Regierung zieht eine weitere Verschärfung der Glücksspielwerbung in Betracht. In Antworten an das Parlament erklärte Staatssekretärin Claudia van Bruggen, dass die aktuellen Instrumente zum Schutz gefährdeter Spieler nicht ausreichen. Dazu zählt insbesondere das zentrale Selbstsperrsystem Cruks.

Nach Angaben der Staatssekretärin können lizenzierte Anbieter Cruks nicht nutzen, um vor dem Versand von Werbematerialien den Sperrstatus sämtlicher Empfänger zu überprüfen. Damit bleibt die Möglichkeit bestehen, dass selbst gesperrte Personen weiterhin Glücksspielwerbung erhalten.

Zudem gilt Cruks ausschließlich für den regulierten Markt. Das System kann weder den Zugang zu illegalen Anbietern verhindern noch sicherstellen, dass gesperrte Nutzer keine Werbung von nicht lizenzierten Plattformen sehen. Van Bruggen betonte, dass Instrumente wie Cruks zwar Teil der Schutzarchitektur seien, ihre Wirkung jedoch strukturelle Grenzen habe.

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Vor diesem Hintergrund arbeitet die Regierung nach eigenen Angaben im Einklang mit dem Koalitionsvertrag an einer weiteren Verschärfung der Werbevorschriften. Ziel ist es, insbesondere gefährdete Gruppen besser zu schützen.

Bereits umfassende Werbebeschränkungen seit 2023

Die Niederlande verfügen bereits über ein im europäischen Vergleich strenges Regelwerk für Glücksspielwerbung. Seit der Öffnung des regulierten Online-Glücksspielmarktes im Jahr 2021 wurden die Vorschriften schrittweise verschärft.

Im Juli 2023 trat ein Verbot nicht zielgerichteter Glücksspielwerbung in Kraft. Dieses umfasst Fernseh- und Radiowerbung ebenso wie Anzeigen in Zeitungen, auf Plakatflächen und in öffentlichen Räumen. Damit wurde klassische Massenwerbung für Glücksspielangebote weitgehend unterbunden.

Im Juli 2024 folgte eine Ausweitung der Beschränkungen auf Sponsoringaktivitäten im Zusammenhang mit Veranstaltungen und Programmen. Ein Jahr später wurden weitere Maßnahmen eingeführt, die Glücksspiel-Sponsoring im Sport betreffen. Dazu zählen Vereinssponsoring, Trikotwerbung, Wettbewerbe und Veranstaltungsorte.

Ziel dieser Maßnahmen war es, die Sichtbarkeit von Glücksspielangeboten im öffentlichen Raum deutlich zu reduzieren und insbesondere Minderjährige sowie gefährdete Personen weniger mit entsprechenden Botschaften zu konfrontieren.

Zielgerichtete Werbung weiterhin erlaubt, aber stark reguliert

Trotz der umfassenden Verbote ist zielgerichtete Werbung weiterhin zulässig. Anbieter dürfen bestimmte Zielgruppen ansprechen, müssen dabei jedoch strenge Vorgaben zur Zielgruppendefinition und zur Begrenzung der Werbeexposition einhalten.

Die aktuellen Aussagen der Regierung deuten jedoch darauf hin, dass selbst diese Form der Werbung auf dem Prüfstand steht. Wenn ein vollständiges Werbeverbot beschlossen würde, beträfe dies auch die bislang erlaubten personalisierten Maßnahmen lizenzierter Betreiber.

Parallel dazu betont die Regierung, dass die Bekämpfung illegaler Glücksspielanbieter weiterhin Priorität habe. Zugleich erkennen die politischen Entscheidungsträger die praktischen Schwierigkeiten an, den Zugang zu Offshore-Plattformen vollständig zu unterbinden. Diese Konstellation stellt die Regulierung vor ein Spannungsfeld: Einerseits sollen Schutzmaßnahmen verschärft werden, andererseits bleibt der Zugriff auf nicht lizenzierte Angebote technisch und rechtlich schwer kontrollierbar.

Branche warnt vor Folgen für den regulierten Markt

Vertreter der lizenzierten Anbieter haben sich bereits gegen ein vollständiges Werbeverbot ausgesprochen. Björn Fuchs, Vorsitzender des Branchenverbands VNLOK, erklärte im Februar, dass das niederländische Regulierungssystem auf einem offenen, regulierten Markt mit klaren Anforderungen an Sorgfaltspflichten, Werbung und Aufsicht basiere.

Nach seiner Darstellung funktioniert dieses Modell nur, wenn legale und sichere Angebote für Verbraucher sichtbar bleiben. Ein vollständiges Werbeverbot würde aus Sicht des Verbands dieses Grundprinzip infrage stellen.

Die Diskussion verdeutlicht den regulatorischen Zielkonflikt: Während die Politik den Schutz gefährdeter Spieler weiter stärken will, argumentiert die Branche mit der Notwendigkeit, lizenzierte Anbieter gegenüber illegalen Angeboten wettbewerbsfähig zu halten.

Unsere Einschätzung

Die niederländische Regierung prüft eine weitere Verschärfung der Glücksspielwerbung bis hin zu einem vollständigen Verbot. Hintergrund ist die Einschätzung, dass bestehende Instrumente wie das Selbstsperrsystem Cruks Werbekontakte mit gefährdeten Personen nicht zuverlässig verhindern können und nur im regulierten Markt greifen.

Für lizenzierte Anbieter würde ein Totalverbot eine grundlegende Veränderung der Marktbedingungen bedeuten, da bereits heute umfangreiche Werbe- und Sponsoringbeschränkungen gelten. Gleichzeitig bleibt der Zugang zu illegalen Offshore-Angeboten ein zentrales regulatorisches Problem. Die weitere Ausgestaltung der Werberegeln dürfte daher entscheidend für die Balance zwischen Spielerschutz und Sichtbarkeit legaler Angebote im niederländischen Markt sein.

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Über den Autor

Janina Frei

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.
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