Befürworter fordert Stopp bei UK-Affordability-Checks

Regierungsgebäude mit UK-Flagge, Klemmbrett mit Checkliste und Lupe, Schild auf Münzstapel.

Befürworter von Glücksspiel-Finanzchecks fordert Umsetzungsstopp – Kritik an Pilotphase und fehlender Auswertung

Das Wichtigste in Kürze

  • Dr. James Noyes fordert in einem offenen Brief an Kulturministerin Lisa Nandy eine Pause bei der Einführung von Finanzrisiko-Prüfungen für Wettkunden.
  • Die geplanten Prüfungen gehen auf Empfehlungen des Glücksspiel-Whitepapers von 2023 zurück.
  • Die britische Glücksspielaufsicht UK Gambling Commission testet seit September 2024 ein zweistufiges System im Rahmen eines Pilotprojekts.
  • Seit Mai 2025 gab es keine öffentliche Aktualisierung zum Stand des Pilotprogramms.
  • Auch die British Horseracing Association verlangt einen Aufschub wegen möglicher Auswirkungen auf den Pferderennsport.

Offener Brief stellt zentrale Annahmen der Reform infrage

Dr. James Noyes, Senior Fellow bei der Social Market Foundation, hat die britische Regierung aufgefordert, die Einführung sogenannter Affordability Checks vorerst auszusetzen. In einem offenen Brief an die britische Kulturministerin Lisa Nandy verlangt er, die Umsetzung der geplanten Finanzrisiko-Prüfungen für Wettkunden zu pausieren, bis eine vollständige Auswertung des laufenden Pilotprojekts veröffentlicht wurde.

Noyes hatte sich in den Jahren 2020 und 2021 im Rahmen seiner Tätigkeit bei der Social Market Foundation für entsprechende Reformen ausgesprochen. Seine damalige Unterstützung basierte nach eigenen Angaben auf der Annahme, dass die Prüfungen „reibungslos“ ablaufen und von einer unabhängigen Ombudsstelle für Glücksspiel begleitet würden, um eine ordnungsgemäße Behandlung von Beschwerden und Kundenrechten sicherzustellen.

In seinem Schreiben betont er, dass diese Voraussetzungen aus seiner Sicht bislang nicht erfüllt seien. Er verweist auf zunehmende Berichte über inkonsistente Datengrundlagen, unklare Ergebnisse und unnötige Reibungspunkte im Rahmen des Pilotprojekts.

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Hintergrund: Finanzielle Risikoprüfungen im Glücksspiel-Whitepaper 2023

Die geplanten Affordability Checks sind Teil der Reformvorschläge des britischen Glücksspiel-Whitepapers aus dem Jahr 2023. Ziel ist es, mögliche glücksspielbezogene Schäden frühzeitig zu erkennen. Die UK Gambling Commission startete im September 2024 ein Pilotprogramm für sogenannte Financial Risk Assessments.

Getestet wird ein zweistufiges System, das prüfen soll, ob und wie finanzielle Risiken bei Spielern identifiziert werden können. Nach der letzten veröffentlichten Aktualisierung der Aufsichtsbehörde im Mai 2025 ergab die zweite Phase des Pilotprojekts, dass etwa 1 von 1.000 Kunden bei einer Überprüfung mit zusätzlicher Reibung rechnen müsse.

Seit dieser Mitteilung hat die Behörde keine weiteren öffentlichen Updates zum Stand oder zu den Ergebnissen des Tests veröffentlicht.

Kritik an Datengrundlagen und Schwellenwerten

Ein zentraler Kritikpunkt von Noyes betrifft die Qualität und Konsistenz der verwendeten Daten. Er verweist auf Aussagen einzelner Anbieter, wonach unterschiedliche Kreditauskunfteien bei ein und demselben Kunden zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen seien. Zudem sei das Datenvolumen teilweise nicht ausreichend, um Risiken angemessen zu profilieren.

Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Festlegung der Schwellenwerte. In der ersten Phase des Pilotprojekts lag der Grenzwert bei 500 Pfund Nettoeinzahlungen innerhalb von 30 Tagen. Im Februar 2025 wurde dieser Wert auf 150 Pfund gesenkt, entsprechend den Vorgaben des Whitepapers.

Derzeit orientieren sich die Schwellenwerte an den Gesamteinsätzen. Noyes argumentiert, dass stattdessen Nettoverluste als Maßstab dienen sollten. Eine solche Anpassung würde nach seiner Darstellung die Zahl der betroffenen Spieler reduzieren.

Umfragen und Reaktionen aus der Branche

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Thema durch eine YouGov-Umfrage im Auftrag des Betting and Gaming Council. Demnach gaben 65 Prozent der befragten Wettkunden an, sie wären nicht bereit, persönliche Dokumente wie Kontoauszüge im Rahmen finanzieller Überprüfungen vorzulegen.

Allerdings ist laut den vorliegenden Informationen nicht klar, wie viele der Befragten tatsächlich die im Pilotprojekt definierten Schwellenwerte erreichen würden. Die Aussagekraft der Umfrage in Bezug auf die konkret betroffene Spielergruppe bleibt damit begrenzt.

Neben Noyes hat auch die British Horseracing Association einen Brief an die Kulturministerin gerichtet. Darin fordert sie ebenfalls eine Pause bei der Einführung der Affordability Checks und verweist auf spezifische Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die britische Pferderennbranche.

Rolle der Social Market Foundation

Obwohl Noyes betont, in persönlicher Eigenschaft zu schreiben, kommt seiner Position Gewicht zu. Die Social Market Foundation hat sich in der Vergangenheit wiederholt für Veränderungen im britischen Glücksspielmarkt eingesetzt. Dazu gehörte auch die Unterstützung einer signifikanten Steuererhöhung auf Remote Gaming, die im vergangenen Haushaltsplan unter Finanzministerin Rachel Reeves umgesetzt wurde.

Seine aktuelle Forderung stellt damit keine grundsätzliche Abkehr von Regulierungsmaßnahmen dar, sondern bezieht sich konkret auf Ablauf, Datengrundlage und Transparenz der laufenden Implementierung.

Unsere Einschätzung

Die Debatte um Affordability Checks in Großbritannien erreicht mit dem offenen Brief eines bisherigen Befürworters eine neue Stufe. Im Mittelpunkt stehen Fragen zur Datenqualität, zur Transparenz der Pilotphase und zur praktischen Ausgestaltung der Schwellenwerte. Da seit Mai 2025 keine aktualisierten Ergebnisse des Pilotprojekts veröffentlicht wurden, gewinnt die Forderung nach einer umfassenden Evaluation vor einer endgültigen Einführung an politischer Bedeutung. Für Anbieter und Nutzer im regulierten Markt bleibt entscheidend, wie die Regierung und die Glücksspielaufsicht auf die wachsende Kritik reagieren.

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Über den Autor

Janina Frei

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.
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