BIS startet Test für tokenisierte Großbetragszahlungen
BIS startet Praxistest für tokenisierte Großbetragszahlungen – Zentralbanken treiben Effizienz im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr voran
Das Wichtigste in Kürze
- Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) unterstützt Tokenisierung für grenzüberschreitende Großbetragszahlungen.
- Projekt Agora hat laut BIS gezeigt, dass tokenisierte Zentralbankreserven und Bankeinlagen Prozesse effizienter machen können.
- Ein sechsmonatiger Praxistest mit echtem Geld soll nun folgen.
- Beteiligt sind unter anderem die US-Notenbank, die Bank of England, die Bank of Japan sowie mehr als 40 private Banken.
- Der globale Markt für tokenisierte Vermögenswerte liegt derzeit bei 34 Milliarden US-Dollar.
BIS sieht Effizienzgewinne durch Tokenisierung im Großbetragsverkehr
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS), häufig als Bank der Zentralbanken bezeichnet, stellt sich offiziell hinter den Einsatz von Tokenisierung im grenzüberschreitenden Großbetragszahlungsverkehr. In einer aktuellen Mitteilung erklärte die Institution, dass ihr Projekt Agora gezeigt habe, dass sich bestehende Ineffizienzen im internationalen Zahlungsverkehr durch tokenisierte Strukturen adressieren lassen.
Konkret geht es um sogenannte Wholesale-Zahlungen, also Transaktionen mit hohem Volumen zwischen Regierungen, Zentralbanken, Geschäftsbanken und anderen großen Finanzakteuren. Solche Überweisungen dauern bislang häufig ein bis fünf Tage oder länger. Verzögerungen entstehen unter anderem durch regulatorische Prüfungen und Compliance-Anforderungen in verschiedenen Rechtsräumen sowie durch die Einbindung mehrerer Banken entlang der Zahlungsstrecke.
Laut BIS kann die Tokenisierung helfen, diese Prozesse sicherer und effizienter zu gestalten. Im Rahmen von Projekt Agora wurde ein Modell getestet, das auf der Abwicklung mehrerer Währungen mittels tokenisierter Zentralbankreserven und tokenisierter Einlagen von Geschäftsbanken basiert.
Projekt Agora: Zusammenarbeit von Zentralbanken und Privatbanken
Projekt Agora wurde 2024 von der BIS ins Leben gerufen. Neben der US-Notenbank sind unter anderem die Bank of England, die Bank of Japan sowie weitere Zentralbanken beteiligt. Darüber hinaus wirken mehr als 40 private Banken an dem Projekt mit.
Nach Abschluss der bisherigen Testphase soll nun ein sechsmonatiger operativer Praxistest mit echtem Geld folgen. Damit tritt das Projekt in eine neue Phase ein, in der die technische und regulatorische Umsetzbarkeit unter realen Bedingungen geprüft wird.
Die zugrunde liegende private Ledger-Infrastruktur soll schrittweise um zusätzliche Funktionen erweitert werden. Dazu gehören unter anderem Mechanismen zur Geldwäscheprävention und weitere Kontrollinstrumente, die im institutionellen Zahlungsverkehr erforderlich sind.
Stablecoins als Referenz für schnellere Abwicklung im Retail-Bereich
Im Endkundensegment haben Stablecoins bereits gezeigt, dass internationale Zahlungen innerhalb von Sekunden abgewickelt werden können. Sie gelten als tokenisierte Form staatlicher Währungen, insbesondere des US-Dollars.
Der Markt für Stablecoins hat sich laut den vorliegenden Angaben auf mehr als 320 Milliarden US-Dollar entwickelt. Damit stellen sie einen etablierten Anwendungsfall für Tokenisierung im Finanzsektor dar.
Projekt Agora verfolgt das Ziel, ähnliche Effizienzgewinne für den institutionellen Zahlungsverkehr zu erreichen. Während Stablecoins vor allem im Retail-Umfeld eingesetzt werden, konzentriert sich das BIS-Projekt auf den Interbanken- und Zentralbankbereich.
Markt für tokenisierte Vermögenswerte bleibt im Vergleich zu traditionellen Märkten klein
Über Stablecoins hinaus umfasst Tokenisierung die digitale Abbildung traditioneller Vermögenswerte auf einer Blockchain oder vergleichbaren Infrastruktur. Dazu zählen unter anderem Bankeinlagen, Aktien oder börsengehandelte Fonds.
Der globale Markt für tokenisierte Vermögenswerte wird derzeit mit 34 Milliarden US-Dollar beziffert. Das entspricht weniger als einem Prozent der traditionellen Finanzmärkte. Gleichzeitig wird auf deutlich größere Wachstumspotenziale verwiesen. Grayscale geht in einer Projektion davon aus, dass der Markt langfristig ein Volumen von 300 Billionen US-Dollar erreichen könnte.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass sich der Sektor trotz zunehmender Pilotprojekte noch in einer frühen Phase befindet. Institutionelle Initiativen wie Projekt Agora markieren jedoch einen weiteren Schritt hin zu einer möglichen breiteren Integration tokenisierter Strukturen im Finanzsystem.
Bank of Canada sieht Vorteile für grenzüberschreitende Zahlungen
Auch die Bank of Canada beteiligt sich an Projekt Agora. Laut der Senior Deputy Governor Carolyn Rogers könnte die kanadische Wirtschaft von Innovationen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr profitieren.
Tokenisierung habe das Potenzial, solche Zahlungen schneller, kostengünstiger, effizienter und sicherer zu machen. Diese Einschätzung steht im Einklang mit den Ergebnissen, die die BIS im Rahmen des Projekts kommuniziert hat.
Damit signalisiert nicht nur die BIS selbst, sondern auch eine beteiligte Zentralbank konkrete Erwartungen an die praktischen Effekte der getesteten Technologie.
Unsere Einschätzung
Mit dem Übergang von Projekt Agora in einen Praxistest mit echtem Geld erreicht die Initiative der BIS eine neue Entwicklungsstufe. Mehrere große Zentralbanken und über 40 private Banken prüfen gemeinsam, ob tokenisierte Zentralbankreserven und Einlagen den grenzüberschreitenden Großbetragszahlungsverkehr effizienter gestalten können. Angesichts eines aktuellen Marktvolumens von 34 Milliarden US-Dollar im Bereich tokenisierter Vermögenswerte zeigt das Projekt, dass die Technologie zunehmend im institutionellen Kontext erprobt wird.
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