FRC stellt Untersuchung gegen KPMG und Entain ein
FRC stellt Untersuchung gegen KPMG ein – Entain und Prüfer bleiben ohne Sanktionen
Das Wichtigste in Kürze
- Die britische Finanzaufsicht FRC beendet ihre Untersuchung zur Abschlussprüfung von Entain für das Geschäftsjahr 2022.
- Weder gegen KPMG noch gegen Entain werden Durchsetzungsmaßnahmen eingeleitet.
- Die Prüfung stand im Zusammenhang mit einem 2023 vereinbarten Deferred Prosecution Agreement über 615 Millionen Pfund.
- Entain hatte für 2023 eine Rückstellung von 585 Millionen Pfund im Zusammenhang mit dem Vergleich gebildet.
- KPMG bleibt gesetzlicher Abschlussprüfer von Entain, kündigte jedoch 2026 einen Stellenabbau im Prüfungsbereich an.
FRC beendet Prüfung der Entain-Abschlüsse 2022
Die britische Financial Reporting Council hat ihre Untersuchung zur Abschlussprüfung der Entain Plc für das am 31. Dezember 2022 endende Geschäftsjahr abgeschlossen. Die Behörde ist im Vereinigten Königreich für die Aufsicht über Wirtschaftsprüfung, Rechnungslegung und Corporate Governance zuständig.
Die Untersuchung war im November 2024 eingeleitet worden. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob KPMG bei der Prüfung der konsolidierten Jahresabschlüsse 2022 die rechtlichen und regulatorischen Risiken angemessen berücksichtigt hatte. Dabei ging es insbesondere um mögliche Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit dem historischen Türkei-Geschäft des Konzerns.
Nach Auswertung der erhobenen Beweise entschied die FRC, keine Durchsetzungsmaßnahmen einzuleiten. In ihrer Mitteilung erklärte die Behörde, dass nach Prüfung aller relevanten Faktoren kein Anlass für ein förmliches Vorgehen bestehe. Damit sind sowohl KPMG als auch Entain von aufsichtsrechtlichen Sanktionen im Zusammenhang mit dieser Prüfung ausgenommen.
Hintergrund ist ein Vergleich über 615 Millionen Pfund
Auslöser der Untersuchung waren Entwicklungen rund um ein Deferred Prosecution Agreement, das Entain im Jahr 2023 mit HMRC und der Crown Prosecution Service vereinbart hatte. Der Vergleich bezog sich auf Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit GVC Holdings, der früheren operativen Einheit von Entain, und deren historischem Türkei-Geschäft.
Das Gesamtvolumen des Vergleichs belief sich auf 615 Millionen Pfund. Darin enthalten waren eine finanzielle Strafe in Höhe von 585 Millionen Pfund, eine Spende von 20 Millionen Pfund an gemeinnützige Organisationen sowie 10 Millionen Pfund an Kosten, die an die Behörden zu zahlen waren.
In den Geschäftszahlen für 2023 wies Entain einen gesetzlichen Verlust von rund 890 Millionen Pfund aus. Ein wesentlicher Faktor war die gebildete Rückstellung über 585 Millionen Pfund im Zusammenhang mit dem Deferred Prosecution Agreement. Die bilanziellen Auswirkungen des Vergleichs standen damit im direkten Zusammenhang mit der Frage, wie Risiken aus dem historischen Türkei-Geschäft in früheren Abschlüssen berücksichtigt wurden.
Geschäftsjahr 2022 mit starkem operativem Ergebnis
Das von der FRC geprüfte Geschäftsjahr 2022 hatte Entain ursprünglich als Phase mit starker operativer Entwicklung dargestellt. Das Unternehmen meldete ein EBITDA von 993 Millionen Pfund sowie einen operativen Gewinn von 103 Millionen Pfund.
Getragen wurde das Ergebnis unter anderem durch Wachstum in den USA über die Marke BetMGM sowie durch anhaltende Nachfrage in Großbritannien und Europa. Diese Entwicklung wurde laut Unternehmensangaben durch Marktbedingungen im Zusammenhang mit der COVID-Pandemie unterstützt.
Vor diesem Hintergrund prüfte die FRC, ob die damalige Abschlussprüfung durch KPMG die rechtlichen Risiken im Zusammenhang mit dem historischen Türkei-Geschäft ausreichend abgebildet hatte. Mit der Entscheidung, kein Verfahren einzuleiten, ist diese Frage aus Sicht der Aufsichtsbehörde abgeschlossen.
Entain verweist auf vollständigen Ausstieg aus Altgeschäft
Seit 2024 betont Entain, alle Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Fall geregelt zu haben. Nach eigenen Angaben hat sich der Konzern vollständig von seiner Altbelastung getrennt.
Im Rahmen einer überarbeiteten Unternehmenssatzung operiert Entain nach eigenen Angaben ausschließlich in vollständig regulierten Märkten. Damit hebt das Unternehmen eine stärkere Ausrichtung auf Compliance und Governance hervor.
Gleichzeitig bleibt die finanzielle Lage angespannt. Für das Geschäftsjahr 2025 meldete Entain einen dritten Verlust in Folge in Millionenhöhe. Der ausgewiesene Fehlbetrag belief sich auf 680 Millionen Pfund. Nach Unternehmensangaben verbesserten sich jedoch zentrale Kennzahlen in den Kernmärkten Großbritannien und Irland, was auf eine Stabilisierung in wichtigen Regionen hindeutet.
KPMG bleibt Prüfer – gleichzeitig Stellenabbau angekündigt
KPMG bleibt weiterhin gesetzlicher Abschlussprüfer von Entain Plc. Mit dem Abschluss der FRC-Untersuchung entfällt eine zusätzliche regulatorische Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Prüfmandat.
Unabhängig davon kündigte KPMG Anfang 2026 eine strategische Überprüfung seines Personalbestands an. Das Unternehmen plant den Abbau von rund 440 Assistant Manager Stellen im Prüfungsbereich sowie etwa 120 Stellen im Beratungssegment.
Als Begründung nannte KPMG ungewöhnlich niedrige Fluktuationsraten. Diese hätten eine Anpassung der Personalstruktur erforderlich gemacht. Die Maßnahmen stehen laut Unternehmen im Zusammenhang mit einer operativen Neuausrichtung.
Unsere Einschätzung
Mit der Einstellung der Untersuchung beseitigt die FRC eine offene aufsichtsrechtliche Frage rund um die Abschlussprüfung von Entain für 2022. Weder für den Glücksspielkonzern noch für KPMG ergeben sich aus dem Verfahren Sanktionen. Der Fall steht im Zusammenhang mit dem bereits 2023 vereinbarten Vergleich über 615 Millionen Pfund und dessen bilanziellen Auswirkungen. Für Marktteilnehmer ist damit ein regulatorischer Prüfpunkt abgeschlossen, während Entain weiterhin mit den finanziellen Folgen vergangener Belastungen und laufenden Verlusten konfrontiert ist.
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