White-House-Bericht relativiert Nutzen eines Stablecoin-Zinsverbots

Bankgebäude mit aufsteigendem Pfeil, offizieller Bericht mit Balkendiagramm, zerbrochene Sparbüchse und verstreute Münzen.

White-House-Bericht stellt Nutzen eines Stablecoin-Zinsverbots infrage – geringe Effekte auf Bankkredite im Fokus der CLARITY-Act-Debatte

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Bericht des Council of Economic Advisers vom 8. April kommt zu dem Ergebnis, dass ein Verbot von Stablecoin-Zinsen die Kreditvergabe von Banken nur um rund 2,1 Milliarden US-Dollar erhöhen würde.
  • Das entspricht etwa 0,02 Prozent des gesamten Kreditvolumens im US-Finanzsystem.
  • Gleichzeitig beziffert der Bericht den jährlichen Wohlfahrtsverlust für Verbraucher auf rund 800 Millionen US-Dollar.
  • Die Analyse stellt zentrale Argumente infrage, die in der Debatte um den CLARITY Act für ein Zinsverbot angeführt werden.

White House analysiert Auswirkungen eines Stablecoin-Zinsverbots

Ein neuer Bericht des Council of Economic Advisers des Weißen Hauses rückt einen zentralen Streitpunkt der US-Kryptopolitik in den Mittelpunkt: die Frage, ob Stablecoins Zinsen an ihre Nutzer weitergeben dürfen. Konkret geht es darum, ob Emittenten Erträge aus Reserveanlagen – in der Regel kurzfristige US-Staatsanleihen – an Halter von Stablecoins ausschütten dürfen.

Bankenverbände argumentieren seit Längerem, dass verzinste Stablecoins Einlagen aus dem traditionellen Bankensystem abziehen könnten. Weniger Einlagen würden demnach die Fähigkeit der Banken zur Kreditvergabe einschränken. Der nun veröffentlichte Bericht vom 8. April widerspricht dieser Annahme in zentralen Punkten.

Nach den Berechnungen der Berater würde ein vollständiges Verbot von Stablecoin-Zinsen die Kreditvergabe der Banken lediglich um rund 2,1 Milliarden US-Dollar erhöhen. Gemessen am gesamten Kreditvolumen entspricht das etwa 0,02 Prozent. Selbst unter der Annahme einer deutlich stärkeren Verbreitung von Stablecoins bleibt der Effekt laut Analyse im Verhältnis zur Größe des US-Finanzsystems gering.

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Begrenzter Effekt auf die Kreditvergabe der Banken

Der Bericht quantifiziert nicht nur den möglichen Nutzen für Banken, sondern auch die Kosten für Verbraucher und das Finanzsystem. Demnach würde ein Zinsverbot zu einem geschätzten jährlichen Wohlfahrtsverlust von rund 800 Millionen US-Dollar führen. Dieser ergibt sich vor allem aus entgangenen Renditen für Nutzer von Stablecoins.

Damit stellt die Analyse ein zentrales Argument der Befürworter eines Verbots infrage. Diese sehen in verzinsten Stablecoins ein Risiko für die Stabilität des Bankensektors. Die Zahlen des Berichts deuten jedoch darauf hin, dass der tatsächliche Einfluss auf die Kreditvergabe vergleichsweise gering ausfällt.

Auch bei aggressiveren Annahmen – etwa einer deutlich höheren Nutzung von Stablecoins – bleibt der zusätzliche Kreditspielraum für Banken laut Bericht überschaubar. Die wirtschaftlichen Vorteile eines Verbots erscheinen damit begrenzt, während die Kosten für Nutzer klar beziffert werden.

Warum die These vom Einlagenabfluss laut Bericht zu kurz greift

Ein zentraler Punkt der Analyse betrifft die Struktur der Stablecoin-Reserven. Diese bestehen überwiegend aus Treasury Bills und ähnlichen Instrumenten. Das bedeutet, dass die zugrunde liegenden Mittel nicht vollständig aus dem Finanzsystem verschwinden, wenn sie von Bankeinlagen in Stablecoins umgeschichtet werden.

Stattdessen werden die Mittel häufig in Form von Staatsanleihen gehalten und damit weiterhin in das Finanzsystem zurückgeführt. In vielen Fällen verschieben sich Einlagen lediglich zwischen Institutionen, anstatt vollständig entzogen zu werden.

Der Bericht schätzt, dass nur ein kleiner Teil der Reserven – etwa 12 Prozent, die als bargeldähnliche Einlagen gehalten werden – einen spürbaren Einfluss auf die Kreditvergabekapazität von Banken hat. Selbst größere Rückflüsse von Stablecoin-Mitteln in Bankeinlagen würden daher nur begrenzte zusätzliche Kreditvergabe ermöglichen.

Diese quantitative Einordnung relativiert die Befürchtung, Stablecoins könnten dem Bankensystem in erheblichem Umfang Liquidität entziehen.

Bedeutung für die Verhandlungen zum CLARITY Act

Die Veröffentlichung erfolgt in einer Phase intensiver Verhandlungen über den sogenannten CLARITY Act. Ein zentraler Streitpunkt ist, ob verzinste Stablecoin-Produkte vollständig untersagt werden sollen. Dazu zählen auch indirekte Vergütungen, die etwa über Kryptobörsen an Nutzer weitergegeben werden.

Befürworter eines Verbots argumentieren mit dem Schutz des Bankensektors und der Wahrung der Finanzstabilität. Kritiker sehen in einem solchen Schritt hingegen eine Einschränkung des Wettbewerbs und möglicher Innovationen im Bereich digitaler Zahlungen.

Indem der Bericht den wirtschaftlichen Nutzen eines Zinsverbots konkret beziffert und als gering einordnet, verändert er die Grundlage der politischen Diskussion. Er zeigt einen klaren Zielkonflikt auf: Ein mögliches leichtes Plus bei der Kreditvergabe der Banken steht messbaren Einbußen für Verbraucher gegenüber.

Stablecoins im Kontext eines enger abgesicherten Finanzmodells

Über die unmittelbare Gesetzesdebatte hinaus ordnet der Bericht Stablecoins in einen größeren strukturellen Zusammenhang ein. Er beschreibt sie als Teil eines Modells, das Ökonomen als Narrow Banking bezeichnen. In einem solchen System sind ausgegebene Einheiten vollständig durch sichere Reserven gedeckt, anstatt im Rahmen eines Fraktionalreserve-Systems weiterverliehen zu werden.

In diesem Modell können Stablecoins laut Bericht schnellere Abwicklungen, globale Zugänglichkeit und ein geringeres Kreditrisiko bieten. Besonders für Nutzer außerhalb des traditionellen Bankensystems kann das relevant sein.

Die regulatorische Kernfrage verschiebt sich damit: Es geht nicht nur darum, ob Stablecoins mit Banken konkurrieren, sondern auch darum, wie diese Konkurrenz im bestehenden Finanzsystem bewertet wird.

Unsere Einschätzung

Der Bericht des Council of Economic Advisers liefert konkrete Zahlen zur Wirkung eines Stablecoin-Zinsverbots auf die Kreditvergabe von Banken und auf die Wohlfahrt von Nutzern. Demnach wäre der zusätzliche Kreditspielraum für Banken gering, während Verbraucher auf messbare Erträge verzichten müssten. Damit erhält die Debatte um den CLARITY Act eine quantitative Grundlage, die die bisherigen Annahmen über Einlagenabflüsse und Finanzstabilität relativiert.

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Über den Autor

Janina Frei

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.
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