Russland prüft Legalisierung von Online-Casinos – mögliche neue Einnahmen für den Staat
Das Wichtigste in Kürze
- Das russische Finanzministerium prüft eine landesweite Legalisierung von Online-Casinos.
- Geplant ist ein staatlich autorisierter Betreiber, der mindestens 30 Prozent der Erlöse nach Gewinnen an den Staat abführt.
- Die jährlichen Einnahmen für den Staatshaushalt werden auf rund 100 Milliarden Rubel geschätzt.
- Online-Glücksspiel ist in Russland derzeit verboten, während illegale Angebote laut Medienberichten stark verbreitet sind.
- Die Debatte findet vor dem Hintergrund hoher staatlicher Ausgaben durch den Ukraine-Krieg statt.
Kreml prüft grundlegende Änderung beim Online-Glücksspiel
Russische Regierungsstellen befassen sich mit einem Vorschlag, der das bisherige Verbot von Online-Casinos im gesamten Land aufheben könnte. Nach Angaben aus Regierungskreisen geht die Initiative vom Finanzministerium aus. Finanzminister Anton Siluanov soll Präsident Wladimir Putin um eine landesweite Legalisierung gebeten haben. Ziel ist es, Online-Glücksspiel in einen staatlich kontrollierten Rahmen zu überführen und neue Einnahmen für den Bundeshaushalt zu erschließen.
Der Vorschlag stellt einen deutlichen Bruch mit der bisherigen Regulierung dar. Während stationäre Casinos in Russland nur in speziell ausgewiesenen Zonen erlaubt sind, gilt für Online-Angebote bislang ein vollständiges Verbot. Die nun diskutierte Regelung würde erstmals einen legalen digitalen Glücksspielmarkt ermöglichen.
Geplantes Modell mit zentralem staatlichen Betreiber
Im Zentrum des Konzepts steht die Einrichtung eines einzigen autorisierten Online-Betreibers. Dieser soll verpflichtet werden, mindestens 30 Prozent der Umsätze nach Auszahlung der Gewinne monatlich an den Staat abzuführen. Laut Schätzungen des Finanzministeriums könnten so jährlich etwa 100 Milliarden Rubel in den föderalen Haushalt fließen, was umgerechnet rund 1,3 Milliarden US-Dollar entspricht.
Die Regierung verbindet mit dem Modell mehrere Ziele. Neben zusätzlichen Haushaltseinnahmen soll insbesondere der bislang unregulierte Markt erfasst werden. Befürworter innerhalb der Verwaltung argumentieren, dass eine staatlich kontrollierte Plattform mehr Transparenz schaffen und bestehende illegale Strukturen zurückdrängen könnte.
Illegales Online-Glücksspiel trotz Verbots weit verbreitet
Obwohl Online-Glücksspiel in Russland offiziell untersagt ist, berichten Medien von einem umfangreichen Schwarzmarkt. Nach Angaben der Moscow Times liegt der jährliche Umsatz des illegalen Online-Glücksspiels bei rund 3 Billionen Rubel. Demnach sind etwa 100 nicht lizenzierte Plattformen aktiv.
Demgegenüber steht der legale landbasierte Glücksspielsektor, der laut Finanzministerium ein Volumen von etwa 1,7 Billionen Rubel pro Jahr erreicht. Er ist auf wenige geografisch begrenzte Zonen beschränkt, darunter Primorje nahe Wladiwostok. Dort betreiben internationale und lokale Anbieter Casinos wie Tigre de Cristal und Shambala.
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Argumente für Regulierung und Spielerschutz
Unterstützer der Legalisierung verweisen auf mögliche Kontrollmechanismen, die im illegalen Markt fehlen. Genannt werden unter anderem Identitätsprüfungen sowie Instrumente zur Begrenzung problematischen Spielverhaltens. Nach dieser Sichtweise könnte eine staatliche Regulierung die Aufsicht verbessern und Risiken für Spieler reduzieren.
Gleichzeitig wird betont, dass die derzeitige Situation kaum Möglichkeiten bietet, Spieler zu schützen oder Geldflüsse zu überwachen. Die Verlagerung des Angebots in einen legalen Rahmen gilt aus Sicht der Befürworter als Voraussetzung für wirksame Kontrolle.
Kritik an sozialen Folgen und fiskalischem Hintergrund
Gegner des Vorhabens äußern Zweifel an den erhofften Effekten. Sie warnen vor möglichen negativen Auswirkungen auf einkommensschwache Bevölkerungsgruppen und ältere Menschen, die finanzielle Verluste schwerer verkraften könnten. Vasily Riy, Geschäftsführer der Vereinigung zum Schutz der Rechte von Glücksspiel- und Lotterieteilnehmern, betont, dass Legalisierung nur eines von mehreren Instrumenten im Kampf gegen illegale Angebote sei. Ohne konsequente staatliche Kontrolle könne sich der Effekt sogar umkehren.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den zeitlichen Kontext der Initiative. Beobachter stellen einen Zusammenhang zu den hohen Kosten des Ukraine-Krieges her, der im Februar in sein viertes Jahr geht. Laut RBC Ukraine haben sich die staatlichen Ausgaben bislang auf mehr als 42 Billionen Rubel summiert. Die Belastung entspricht demnach ein Vielfaches der jährlichen Budgets für Bildung und Gesundheitswesen.
Vorwürfe zu möglichen Plänen in besetzten Gebieten
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält der Vorschlag durch Berichte über mögliche Aktivitäten in von Russland besetzten Gebieten der Ukraine. Das Nationale Widerstandszentrum, das den ukrainischen Spezialkräften zugeordnet ist, behauptet, Russland könne dort Online-Casinos als Finanzierungsinstrument einsetzen. Die Teilnahme der lokalen Bevölkerung werde demnach erzwungen.
Das Zentrum bezeichnet ein solches Vorgehen als Ausbeutung der besetzten Gebiete und sieht darin den Versuch, zivile Bewohner unter staatlicher Kontrolle finanziell einzubinden. Russische Stellen haben sich zu diesen Vorwürfen nicht öffentlich geäußert.
Unsere Einschätzung
Die Prüfung einer landesweiten Legalisierung von Online-Casinos markiert eine mögliche Neuausrichtung der russischen Glücksspielpolitik. Der Vorschlag verbindet fiskalische Interessen mit dem Anspruch, einen großen illegalen Markt zu regulieren. Gleichzeitig zeigen die Debatte und die Kritikpunkte, dass soziale Folgen, staatliche Kontrolle und der politische Kontext eine zentrale Rolle bei der weiteren Entscheidungsfindung spielen werden.
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