Malta hebt Winzon-Lizenz auf und verschärft Aufsicht
Malta hebt B2C-Lizenz von Winzon Group mit sofortiger Wirkung auf – Betreiber muss Betrieb einstellen und offene Beträge begleichen
Das Wichtigste in Kürze
- Die Malta Gaming Authority hebt die B2C-Gaming-Lizenz der Winzon Group rückwirkend zum 11. März 2026 auf.
- Die Behörde beruft sich auf eine Sonderregelung, die eine sofortige Maßnahme ohne 20-tägige Anhörungsfrist erlaubt.
- Winzon muss den Betrieb einstellen, Spieler informieren und legitime Guthaben erstatten.
- Offene MGA-Gebühren in Höhe von 46.693,23 Euro sowie Verwaltungssanktionen von 147.080 Euro sind zu zahlen.
- Parallel kündigen MGA und Steuerbehörde Änderungen im maltesischen Gaming-Steuer- und Mehrwertsteuersystem ab 1. Oktober 2026 an.
Sofortige Lizenzaufhebung nach spezieller Rechtsgrundlage
Die Malta Gaming Authority hat die B2C-Gaming-Service-Lizenz der Winzon Group mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Die Maßnahme gilt rückwirkend zum 11. März 2026. Grundlage ist eine Bestimmung der Gaming Compliance and Enforcement Regulations, konkret Reg. 10 (2) (b), die es der Behörde erlaubt, von der üblichen 20-tägigen Frist zur Stellungnahme abzusehen.
Mit diesem Schritt wird das reguläre Verfahren verkürzt. Statt einer vorherigen Aufforderung zur Rechtfertigung greift die Behörde unmittelbar durch. Die MGA begründet die Entscheidung mit „zahlreichen Mängeln im Widerspruch zum Gesetz und zu den darauf basierenden regulatorischen Instrumenten“. Konkrete Einzelverstöße werden in der Mitteilung nicht aufgeführt.
Die Lizenzaufhebung betrifft das B2C-Geschäft des Unternehmens. Winzon verfügte nach Angaben der Behörde über mehr als 40 von der MGA genehmigte Webseiten. Auf diesen Plattformen waren unter anderem Inhalte von Softwareanbietern wie Tom Horn Gaming, Oryx Gaming, Booming Games, EveryMatrix und Relax Gaming integriert.
Konkrete Auflagen: Betriebsschließung, Rückzahlungen und Transparenzpflichten
Mit der Aufhebung der Lizenz ordnet die MGA mehrere sofortige Maßnahmen an. Winzon muss den operativen Betrieb einstellen und alle Spieler über die Lizenzstreichung informieren. Die Information hat sowohl per E-Mail als auch über die betroffenen Webseiten zu erfolgen und muss dort für einen Zeitraum von 30 Tagen sichtbar bleiben.
Zudem ist das Unternehmen verpflichtet, alle legitimen Spieler zu erstatten. Die Rückzahlungen sind gegenüber der Behörde zu dokumentieren. Gefordert wird ein Transaktionsbericht inklusive unterstützender Banknachweise als Beleg.
Auch datenschutzrechtliche Vorgaben bleiben bestehen. Winzon muss personenbezogene Daten im Einklang mit der eigenen Datenschutzrichtlinie sowie mit anwendbaren Datenschutzgesetzen verarbeiten. Spieler sind entsprechend zu informieren.
Darüber hinaus hat das Unternehmen sämtliche Verweise auf die MGA und bestehende Autorisierungen von seinen Webseiten zu entfernen.
Offene Gebühren und Verwaltungssanktionen
Neben den operativen Auflagen fordert die MGA die Begleichung ausstehender Zahlungen. Dazu zählen 46.693,23 Euro an offenen Gebühren. Diese Summe umfasst die jährliche Lizenzgebühr sowie Mindestbeiträge im Bereich Compliance.
Zusätzlich wurden Verwaltungssanktionen in Höhe von 147.080 Euro verhängt. Die Strafe steht laut Behörde im Zusammenhang mit den festgestellten Verstößen gegen gesetzliche und regulatorische Vorgaben.
Die MGA stellt klar, dass Winzon trotz der Lizenzaufhebung weiterhin für alle Verpflichtungen haftet, die sich aus dem Gaming Act und anderen anwendbaren regulatorischen Instrumenten ergeben.
Reform des Mehrwertsteuer- und Gaming-Steuersystems angekündigt
Parallel zur Durchsetzung im Einzelfall kündigen die Malta Gaming Authority und die Malta Tax and Customs Administration Änderungen im Steuerrahmen für die Gaming-Branche an. Grundlage sind die veröffentlichten Legal Notices 84 und 86.
Die Reformen betreffen sowohl das Mehrwertsteuergesetz als auch die spezifischen Gaming-Steuerregelungen. Ziel ist es nach Angaben der Behörden, das System klarer und vorhersehbarer zu gestalten.
Im Bereich der Mehrwertsteuer sollen Befreiungen präzisiert, Regeln zum Leistungsort umgesetzt und die Möglichkeit zum Vorsteuerabzug klargestellt werden. Damit sollen Unklarheiten in der steuerlichen Behandlung von Gaming-Dienstleistungen reduziert werden.
Bei der Gaming-Steuer sind vereinfachte und nach Behördenangaben ausgewogene Steuersätze vorgesehen. Diese sollen sowohl für landbasierte als auch für Online-Anbieter gelten, wenn qualifizierende Gaming-Aktivitäten Spielern angeboten werden, die sich in Malta aufhalten.
Zudem ist eine Zusammenführung der bisherigen Gaming-Steuer und der Geräteabgabe geplant. Künftig soll eine einheitliche, nach Spieltyp und Angebotsform klassifizierte Steuerstruktur gelten.
Die Änderungen sind Teil des Haushaltsplans 2026 der MGA und sollen am 1. Oktober 2026 in Kraft treten. Weitere Leitlinien von MGA und Steuerbehörde wurden angekündigt.
Auswirkungen für lizenzierte Betreiber in Malta
Die Kombination aus unmittelbarer Lizenzdurchsetzung und strukturellen Steueranpassungen zeigt, dass die maltesischen Behörden sowohl auf Einzelfall-Ebene als auch systemisch eingreifen. Für Betreiber mit maltesischer Lizenz bedeutet dies, dass regulatorische und steuerliche Vorgaben eng überwacht und bei Verstößen konsequent sanktioniert werden.
Gleichzeitig werden mit den angekündigten Steueränderungen Rahmenbedingungen angepasst, die für die Kalkulation von Geschäftsmodellen relevant sind. Insbesondere die geplante Vereinheitlichung der Steuerstruktur nach Spieltyp und Angebotsform kann direkte Auswirkungen auf Kostenstrukturen haben.
Unsere Einschätzung
Die sofortige Aufhebung der Winzon-Lizenz verdeutlicht, dass die Malta Gaming Authority von beschleunigten Durchsetzungsinstrumenten Gebrauch macht, wenn sie schwerwiegende regulatorische Mängel feststellt. Betreiber bleiben auch nach einer Lizenzstreichung für offene Gebühren, Sanktionen und gesetzliche Verpflichtungen verantwortlich.
Parallel schaffen die angekündigten Änderungen im Mehrwertsteuer- und Gaming-Steuersystem einen neuen regulatorischen Rahmen ab Oktober 2026. Für Anbieter mit Malta-Lizenz sind sowohl die konsequente Aufsichtspraxis als auch die steuerlichen Anpassungen zentrale Faktoren für ihre operative und finanzielle Planung.
Wir haben uns strikte redaktionelle Richtlinien auferlegt und erklären unsere Testmethoden offen und verständlich. Außerdem kommunizieren wir transparent, wie unsere Arbeit finanziert wird. Diese Seite kann Trackings Links enthalten, was unsere objektive Sichtweise aber in keinster Weise beeinflusst.