Niederlande: Zahl der Glücksspiel-Konten steigt auf 1,48 Millionen

Digitale Monitore, umgeben von gestapelten Goldmünzen und einem Sicherheitsschild.

Zahl der Glücksspiel-Konten in den Niederlanden steigt auf 1,48 Millionen – Aufsicht warnt vor Umgehung der Einzahlungslimits

Das Wichtigste in Kürze

  • Im ersten Halbjahr 2026 wuchs die Zahl der Online-Glücksspielkonten in den Niederlanden auf 1,48 Millionen.
  • Die Aufsichtsbehörde Kansspelautoriteit sieht Anzeichen dafür, dass Spieler die seit Oktober 2024 geltenden Einzahlungslimits durch Mehrfachregistrierungen umgehen.
  • Der Bruttospielertrag im gesamten niederländischen Markt fiel im Jahr 2025 nach der Einführung strengerer Regeln auf 4,1 Milliarden Euro.
  • Die Kanalisierungsquote auf Basis der Spielerträge verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen leichten Anstieg auf 59 Prozent.

Strengere Regulierung führt 2025 zu deutlichem Marktrückgang

Die niederländische Glücksspielaufsicht Kansspelautoriteit (KSA) macht in ihrem Marktbericht für das Jahr 2025 deutlich, dass neue Vorschriften den Markt stark beeinflusst haben. Neue Sorgfaltspflichten für den Spielerschutz, Werbeverbote und Steuererhöhungen veranlassten viele Anbieter dazu, den niederländischen Markt zu verlassen. Das wirkte sich direkt auf den Bruttospielertrag aus, der im Jahr 2025 auf 4,1 Milliarden Euro zurückging. Im Vorjahr 2024 lag dieser Wert noch bei 4,5 Milliarden Euro.

Besonders der Online-Sektor verzeichnete 2025 einen massiven Einbruch der Erträge auf 1,2 Milliarden Euro. Online-Casinos verloren 18,2 Prozent ihrer Erträge, während die Online-Sportwetten um 30,2 Prozent nachgaben. Die KSA nennt neben den strengeren Regeln auch die starken Vergleichszahlen aus 2024, als die UEFA-Fußballeuropameisterschaft stattfand, als Grund für diesen Rückgang.

Auch der stationäre Sektor blieb von Rückgängen nicht verschont. Die Erträge aus Spielautomaten in Spielhallen und der Gastronomie sanken 2025 um 4,7 Prozent. Die Zahl der Spielhallen verringerte sich leicht von 197 auf 194. Einen Zuwachs von 2,8 Prozent meldeten lediglich die Standorte von Holland Casino, was die Behörde auf das Automatenspiel zurückführt.

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Stationäre Sportwetten wuchsen im Jahresvergleich um 8,5 Prozent. Das Volumen der Lotterien blieb währenddessen weitgehend stabil.

Die gesamten Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel beliefen sich im Jahr 2025 auf 1,05 Milliarden Euro. Den größten Anteil steuerten stationäre Casinos mit 43 Prozent bei, gefolgt von Online-Casinos mit 31 Prozent und Lotterien mit 15 Prozent.

Sportwetten treiben die Umsätze im ersten Halbjahr 2026 an

Im Monitoring-Bericht für das Frühjahr 2026 zeigt sich eine leichte Erholung der Erträge auf dem Online-Markt. Der Bruttospielertrag stieg im ersten Halbjahr 2026 auf 670 Millionen Euro an, nachdem er im zweiten Halbjahr 2025 noch bei 602 Millionen Euro gelegen hatte. Den größten Anteil am Umsatz hielten weiterhin die Online-Casinos mit etwa 492 Millionen Euro oder 73 Prozent.

Der Anteil der Sportwetten legte in diesem Zeitraum spürbar zu und erreichte 24 Prozent des Marktes, was Einnahmen von rund 163 Millionen Euro entspricht. Im zweiten Halbjahr 2025 lag der Anteil der Sportwetten lediglich bei 20 Prozent. Die Aufsichtsbehörde führt diese Zuwächse auf die FIFA-Weltmeisterschaft der Männer zurück, die das Interesse an Sportwetten ankurbelte.

Die durchschnittlichen Verluste der Spieler stiegen im ersten Halbjahr ebenfalls an. Ein Spieler verlor im Durchschnitt 137 Euro pro Monat. In den vorangegangenen sechs Monaten lag dieser Wert noch bei 121 Euro monatlich.

Spieler weichen den neuen Einzahlungslimits durch Mehrfachkonten aus

Die Zahl der aktiven Online-Glücksspielkonten kletterte im ersten Halbjahr 2026 auf 1,48 Millionen. Im zweiten Halbjahr 2025 lag die Zahl noch bei 1,38 Millionen. Ein erheblicher Anteil von 22 Prozent aller genutzten Konten entfiel auf junge Erwachsene im Alter von 18 bis 23 Jahren.

Die Zahl der Menschen, die tatsächlich gelegentlich spielen, stieg laut KSA nicht im gleichen Maße an. Die Behörde schätzt, dass etwa 490.000 Personen pro Monat an Online-Glücksspielen teilnehmen. Etwa 820.000 Menschen haben im ersten Halbjahr mindestens einmal online gespielt.

Die Diskrepanz zwischen der hohen Zahl der Konten und der niedrigeren Zahl der Spieler erklärt die KSA mit einem gezielten Ausweichverhalten. Spieler eröffnen offenbar bei verschiedenen Anbietern mehrere Konten, um die strengen Einzahlungslimits zu umgehen. Seit Oktober 2024 gilt in den Niederlanden ein monatliches Einzahlungslimit von 350 Euro für Erwachsene und 150 Euro für junge Erwachsene unter 24 Jahren. Höhere Limits sind nur nach direkter Kontaktaufnahme mit dem Betreiber möglich.

Kanalisierung und Behandlungszahlen zeigen ein gemischtes Bild

Die Kanalisierungsquote – also der Anteil der Spieler, die bei lizenzierten Anbietern spielen – hat sich laut der KSA stabilisiert. Etwa 94 Prozent der Gelegenheitsspieler nutzen mittlerweile legale und lizenzierte Plattformen. Auch die Kanalisierung auf Basis der Bruttospielerträge verbesserte sich leicht und stieg von 54 Prozent im zweiten Halbjahr 2025 auf 59 Prozent im ersten Halbjahr 2026.

Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zeigen bei der Risikobewertung der Spieler kaum Veränderungen. Die Zahl der Menschen mit einem hohen Risiko für glücksspielbedingte Schäden blieb im ersten Halbjahr unverändert. Die Gruppe mit niedrigem Risiko wuchs, während die Zahl der Menschen mit mittlerem Risiko sank. Rund 65 Prozent der Spieler betreiben laut Ipsos ein unproblematisches Glücksspiel, was genau dem Vorjahreswert entspricht.

Daten des Nationalen Informationssystems für Alkohol und Drogen (LADIS) verdeutlichen jedoch die Nachwirkungen der vergangenen Jahre. Im Jahr 2025 befanden sich über 14 Prozent mehr Menschen wegen einer Glücksspielsucht in Behandlung als noch im Jahr 2024.

Unsere Einschätzung

Die vorliegenden Daten der KSA verdeutlichen die direkten Auswirkungen strenger regulatorischer Vorgaben auf einen regulierten Glücksspielmarkt. Die Einführung von Einzahlungslimits, Werbeverboten und Steuererhöhungen führte zunächst zu Marktaustritten von Anbietern und sinkenden Erträgen im Jahr 2025. Die steigende Zahl von Spielerkonten bei gleichzeitig geringerer Anzahl tatsächlicher Spieler im ersten Halbjahr 2026 bestätigt die Annahme der Behörde, dass Nutzer Limits durch die Registrierung bei mehreren Plattformen aushebeln.

Der gleichzeitige Anstieg des durchschnittlichen Verlusts pro Spieler und die wachsende Zahl der Behandlungsfälle zeigen andauernde Herausforderungen beim Spielerschutz. Die Kanalisierungsquote von 94 Prozent bei den Gelegenheitsspielern belegt einen fortgeschrittenen Schwarzmarkt-Abbau, jedoch verdeutlicht die Ertrags-Kanalisierung von 59 Prozent, dass umsatzstarke Spieler noch immer in erheblichem Maße auf nicht-lizenzierte Angebote zurückgreifen.

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Über den Autor

Paula Winkler

Paula Winkler ist bei Kryptocasinos.com die Expertin für Spielersicherheit. Ihre Laufbahn begann im Print-Journalismus - ausgebildet an der Henri-Nannen-Schule, mit einem Bachelor in Politikwissenschaft und Soziologie (Uni Hamburg) und Redaktionsstationen beim Hamburger Abendblatt und der Funke Mediengruppe. 2017 wechselte sie in die iGaming-Branche und verantwortete bei der Tipico Group über mehrere Jahre den Bereich Responsible Gaming & Regulatory Affairs, bevor sie 2023 in das Team hinter KryptoCasinos.com kam. Ihr Hauptthema ist die Transparenz und Sicherheit hinter jedem getesteten Anbieter. Sie schreibt auf Deutsch, Englisch und Schweizerdeutsch.
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