Neuseeland plant neues Lizenzsystem für Online-Casinos – Suchtexperten fordern vollständiges Werbeverbot
Neuseeland plant neues Lizenzsystem für Online-Casinos – Suchtexperten fordern vollständiges Werbeverbot
Das Wichtigste in Kürze
- Die neuseeländische Regierung führt ein neues Lizenzsystem für Online-Casinos ein, um den Spielerschutz zu verbessern.
- Nach einem abgeschlossenen Auktionsverfahren dürfen 11 Unternehmen offizielle Lizenzanträge stellen.
- Die Problem Gambling Foundation (PGF) fordert ein striktes Werbeverbot im künftigen regulierten Markt.
- Betreiber ohne Lizenz müssen ihre Angebote in Neuseeland spätestens am 1. Dezember 2026 einstellen.
Problem Gambling Foundation sieht Werbung als Gefahr für gefährdete Spieler
Neuseeland steht kurz vor der Vergabe von Lizenzen für kommerzielle Online-Casinos. Ziel der Regierung ist es, Nutzer aus dem unregulierten Bereich in einen überwachten Markt mit klaren Schutzmechanismen zu überführen. Die Problem Gambling Foundation (PGF) unterstützt diesen Ansatz der Kanalisierung grundsätzlich. Andree Froude, Principal Advisor für Advocacy und Engagement bei den PGF Services, sieht in den geplanten Werbemöglichkeiten jedoch ein erhebliches Risiko.
Froude betonte in einem Gespräch mit Ingrid Hipkiss vom Sender RNZ die starke Wirkung von Marketingkampagnen. Glücksspielunternehmen investieren laut Froude viel Geld in Werbung, weil diese die Menschen gezielt zum Spielen animiert. Ein ernsthafter Schutz vor glücksspielbedingten Schäden erfordert aus Sicht der Expertin ein vollständiges Verbot solcher Anzeigen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt diese Auffassung. Froude verwies auf Erklärungen der WHO, wonach ein Werbeverbot ein essenzieller erster Schritt für Regierungen ist. Dieser Eingriff ist notwendig, um den Schaden einzudämmen, den Glücksspiel für die öffentliche Gesundheit verursacht. Der Schutz der vulnerabelsten Bevölkerungsgruppen muss bei der Regulierung im Mittelpunkt stehen.
Behörden erlauben Marketing nur unter strengen Auflagen
Das zuständige Department of Internal Affairs (DIA) hat die nächste Phase des Regulierungsprozesses eingeleitet. Genau 11 Unternehmen haben sich in einem Auktionsverfahren qualifiziert und können nun Anträge für eine oder mehrere Lizenzen einreichen. Teil dieses Antragsprozesses ist die Vorlage umfassender Geschäftspläne. Die Betreiber müssen der Aufsichtsbehörde detailliert aufzeigen, wie sie ihre operativen Abläufe sowie ihre Werbe- und Marketingstrategien künftig gestalten wollen.
Jarrod True, Direktor bei True Legal, erläuterte die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Marketing in Neuseeland. Lizenzierte Betreiber erhalten zum ersten Mal die Möglichkeit, legal für ihre Angebote zu werben. Diese Erlaubnis ist nach Angaben des Rechtsexperten jedoch an ein engmaschiges Kontrollsystem geknüpft.
Influencer-Marketing, Affiliate-Vereinbarungen und Sponsoring-Verträge sind im neuen System komplett untersagt. Die Behörden schreiben strikte Kontrollen bezüglich der Inhalte, der Platzierung von Werbung und der Zielgruppenansprache vor. Ein weiteres klares Verbot betrifft Querverweise auf andere Glücksspielformen wie etwa Sportwetten. Solche Referenzen dürfen in den Kampagnen für Online-Casinos nicht vorkommen.
Effektiver Spielerschutz erfordert ausreichende Ressourcen für die Aufsichtsbehörde
Die Regulierung von Online-Casinos bringt laut Andree Froude wichtige Leitplanken in den Markt. Diese rechtlichen Vorgaben geben der PGF-Vertreterin Vertrauen, dass Spieler besser vor Schäden geschützt werden und Mittel für Suchtbehandlungen bereitstehen. Hohe Strafen auf dem Papier reichen nach ihrer Ansicht jedoch nicht aus.
Ein Gesetz ist immer nur so gut wie seine Durchsetzung. Das Department of Internal Affairs muss nach Einschätzung von Froude mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet werden. Die Behörde muss das Verhalten der Betreiber lückenlos überwachen können, um die Einhaltung der Vorschriften zu garantieren.
Verstöße gegen das neue Glücksspielgesetz müssen klare Konsequenzen nach sich ziehen. Froude fordert, dass die Aufsichtsbehörde bei Regelverletzungen der Anbieter auch den Gang vor die Gerichte nicht scheuen darf. Eine handlungsfähige Kontrollinstanz ist die Grundvoraussetzung für einen sicheren Markt.
Nicht zugelassene Betreiber müssen den neuseeländischen Markt bis Dezember 2026 verlassen
Der offizielle Start des regulierten Online-Casino-Marktes in Neuseeland ist für Juli geplant. Die ersten Lizenzen werden voraussichtlich ab Anfang 2027 an erfolgreiche Bewerber vergeben. Voraussetzung für einen Marktzugang ist, dass die Unternehmen robuste Anträge einreichen und alle lizenzrechtlichen Anforderungen der Behörden vollständig erfüllen.
Die genauen Markennamen der künftigen Lizenznehmer sind derzeit noch nicht öffentlich bekannt. Diese Namen können sich im Laufe des Bewerbungsprozesses noch ändern. Das DIA wird alle genehmigten Marken nach der Lizenzvergabe in einem öffentlichen Register auflisten. Betreiber, die aktuell ihre Anträge vorbereiten, dürfen ihre Dienste in Neuseeland während dieser Bearbeitungsphase weiterhin anbieten.
Für alle anderen Anbieter gibt es eine unmissverständliche Frist. Unternehmen, die bei der Auktion keinen Erfolg hatten oder gar nicht erst an dem Lizenzierungsverfahren teilgenommen haben, müssen den neuseeländischen Markt zwingend verlassen. Diese Dienstleister sind verpflichtet, ihre Online-Casino-Angebote bis spätestens 1. Dezember 2026 komplett einzustellen.
Unsere Einschätzung
Neuseeland vollzieht mit der Einführung eines Lizenzsystems für Online-Casinos einen konkreten Schritt zur Regulierung des digitalen Glücksspiels. Der Ansatz, Spieler aus dem ungeschützten Schwarzmarkt zu lizenzierten Betreibern zu lenken, stärkt den Konsumentenschutz. Die Debatte um das Marketing zeigt die bekannten Spannungsfelder jeder Glücksspielregulierung. Das Department of Internal Affairs erlaubt Werbung nur in einem sehr engen Rahmen ohne Affiliates und Sponsoring, während die Problem Gambling Foundation ein absolutes Verbot fordert. Der Erfolg des neuen Marktes wird maßgeblich davon abhängen, ob die Aufsichtsbehörde ausreichend finanziert ist, um die neuen Auflagen ab Anfang 2027 effektiv durchzusetzen und unregulierte Anbieter bis Dezember 2026 konsequent vom Markt auszuschließen.
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