GGL zieht positive Fünf-Jahres-Bilanz und fordert mehr Befugnisse
GGL zieht nach fünf Jahren positive Bilanz – Aufsichtsbehörde fordert mehr Befugnisse im Kampf gegen illegale Anbieter
Das Wichtigste in Kürze
- Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder erreicht mit Stand 2026-09-22 eine Kanalisierungsquote von rund 77 Prozent.
- Vorstand Ronald Benter fordert im Rahmen der aktuellen Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags schnellere Entscheidungskompetenzen.
- Ermittler haben in Hessen ein mutmaßliches illegales Glücksspielnetzwerk mit Einsätzen in Milliardenhöhe ausgehoben.
Fünf Jahre GGL zeigen hohe Kanalisierungsquote im legalen Markt
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder beaufsichtigt als bundesweit zuständige Fachbehörde den legalen Online-Glücksspielmarkt und geht gegen illegale Angebote vor. Offiziell hat die Einrichtung am 2026-09-22 eine Bilanz zum fünfjährigen Bestehen gezogen. Seit der Errichtung im Jahr 2021 ist die Zahl der Beschäftigten auf rund 100 gewachsen.
Laut dieser Auswertung liegt der Anteil regulierter Angebote am gesamten Online-Glücksspielmarkt bei rund 77 Prozent. Aktuell stehen 129 erlaubte Veranstalter und Vermittler auf der Whitelist. Insgesamt gibt es 229 erlaubte Glücksspielseiten.
Vorstand Ronald Benter stellt fest: „Heute verfügen wir über die Erfahrungen, das Fachwissen und die technischen Möglichkeiten, um einen hochdigitalisierten und international geprägten Online-Glücksspielmarkt wirksam zu beaufsichtigen. Das ist der Startpunkt für die nächste Entwicklungsstufe.“
Aufsicht fordert mehr Handlungsspielraum bei Evaluierung des Staatsvertrags
Die GGL fordert im Rahmen der aktuellen Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 mehr Handlungsspielraum, um zeitnah und unabhängig von langwierigen gesetzgeberischen Prozessen auf Marktveränderungen reagieren zu können. Wie berichtet wird, fordert Ronald Benter die Möglichkeit, operative Entscheidungen gemeinsam mit dem Verwaltungsrat der GGL schneller treffen zu können.
Solche operativen Vorgänge umfassen beispielsweise Entscheidungen zu Einsatzlimits für Spieler. „Ein Markt, der sich technologisch und wirtschaftlich schnell verändert, braucht eine Aufsicht, die auf neue Entwicklungen zeitnah reagieren kann“, so Benter.
LUGAS-System und strenge Werberichtlinien stärken den Spielerschutz
Die GGL nutzt für den Spielerschutz und die Marktüberwachung das länderübergreifende IT-System LUGAS. Mit Stand Ende 2025 sind dort 5,3 Millionen Spielende registriert. Im selben Jahr hat die Behörde mehr als 600 Aufsichtsvorgänge über erlaubte Anbieter durchgeführt. Bislang wurden lediglich zwei Erlaubnisse widerrufen.
Im Bereich der Werbung gelten ebenfalls strenge Vorgaben. Google Ads erlaubt in Deutschland seit Herbst 2024 ausschließlich Werbung von legalen und erlaubten Glücksspielanbietern. Anbieter müssen Inhaber einer gültigen GGL-Erlaubnis sein.
Gewisse Wettformen bleiben dabei gänzlich verboten. Sogenannte Gesellschaftswetten auf politische oder gesellschaftliche Ereignisse sind in Deutschland nicht genehmigungsfähig und deren Teilnahme ist potenziell strafbar. Einen entsprechenden Hintergrundbericht hierzu veröffentlichte die Aufsicht am 2026-08-13.
Ermittler heben illegales Netzwerk im Rhein-Main-Gebiet aus
Der Schwarzmarkt bleibt trotz der Regulierungsfortschritte aktiv. Ermittler werfen laut Berichten fünf Personen vor, von Hessen aus ein illegales Online-Glücksspielnetzwerk betrieben zu haben. Die Ermittlungen im Rhein-Main-Gebiet führten am 2026-09-09 zu einer Razzia.
Mehr als 100 Beamte durchsuchten dabei elf Objekte. Das Netzwerk soll zwischen Juli 2021 und Ende 2023 Einsätze in Höhe von rund 5,86 Milliarden Euro verarbeitet haben. Beamte stellten bei dem Einsatz Vermögenswerte von rund 82 Millionen Euro sicher. Der geschätzte Verlust an Glücksspielsteuer durch dieses spezielle Netzwerk lag allein für das Jahr 2024 bei rund 77,6 Millionen Euro.
Strafverfolgung ausländischer Betreiber bleibt eine Herausforderung
GGL-Vorstand Benter kritisiert, dass Betreiber illegaler Glücksspielangebote mit Sitz im Ausland von den Staatsanwaltschaften zu selten strafrechtlich verfolgt werden. Die GGL greift deshalb zu eigenen Maßnahmen. Im Jahr 2025 leitete die Behörde 287 Untersagungsverfahren gegen illegales Glücksspiel ein.
Bis Ende des gleichen Jahres prüften die Mitarbeiter rund 6.300 Websites auf illegale Angebote oder entsprechende Werbung. Insgesamt sperrte die Aufsicht 1.843 illegale Websites. In 178 Fällen schnitt die Behörde entsprechende Portale von den Zahlungswegen ab. Benter betont dazu: „Entscheidend ist die Wirkung. Mit unseren Maßnahmen unterbrechen wir die Funktionsfähigkeit illegaler Geschäftsmodelle und verteuern ihren Betrieb langfristig.“
Offene Fragen im Zuge der aktuellen Marktentwicklung
Welche konkreten Befugnisse wie Netzsperren ohne Gerichtsbeschluss oder Bußgelder die GGL im Rahmen der Evaluierung exakt fordert, ist derzeit nicht bekannt. Unklar bleibt, wann mit einem Abschluss der Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags und potenziellen Gesetzesänderungen zu rechnen ist. Die Positionierung des Verwaltungsrats der GGL zu der Forderung nach mehr operativer Eigenständigkeit ist ebenfalls nicht öffentlich geklärt. Ebenso fehlen Informationen zu den genauen Identitäten der fünf Beschuldigten im hessischen Ermittlungsverfahren oder die Namen ihrer illegalen Plattformen. Eine transparente Aufstellung der aktuellen Behördenkosten im Verhältnis zu den eingenommenen Steuern oder Geldbußen liegt nicht vor.
Unsere Einschätzung
Die Bilanz der GGL nach fünf Jahren belegt eine deutliche Strukturierung des Online-Glücksspielmarktes in Deutschland. Eine Kanalisierungsquote von rund 77 Prozent zeigt, dass gesetzliche Vorgaben durch Systeme wie LUGAS und Werbeeinschränkungen wie bei Google Ads greifen. Die Forderung der Behörde nach schnelleren Entscheidungswegen offenbart jedoch, dass die aktuelle Gesetzgebung oft zu langsam auf dynamische Marktveränderungen reagiert. Der aktuelle Ermittlungserfolg in Hessen mit verarbeiteten Einsätzen im Milliardenbereich beweist, dass illegale Netzwerke weiterhin beträchtliche wirtschaftliche Schäden verursachen. Zukünftige Anpassungen des Glücksspielstaatsvertrags werden maßgeblich bestimmen, wie effizient die GGL diese verbleibenden Schwarzmarktaktivitäten bekämpfen kann.
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