Europas illegaler Glücksspielmarkt erreicht 12 Milliarden Euro
Europas illegaler Glücksspielmarkt erreicht 12 Milliarden Euro – Branchenverband warnt vor Folgen der Überregulierung
Das Wichtigste in Kürze
- Der illegale Online-Glücksspielmarkt in Europa verzeichnet mittlerweile ein Volumen von rund 12 Milliarden Euro.
- Der Branchenverband Euromat macht hohe Steuern, Werbeverbote und Bonitätsprüfungen für die Abwanderung der Spieler verantwortlich.
- Auf unlizenzierten Plattformen fehlen essenzielle Schutzmechanismen wie Setzlimits und Selbstausschluss-Programme komplett.
- Die Anonymität von Krypto-Casinos treibt das Wachstum des Schwarzmarktes laut der Studie massiv voran.
Überregulierung gefährdet den Spielerschutz auf dem europäischen Markt
Euromat-Präsident Jason Frost führt das starke Wachstum des Schwarzmarktes direkt auf staatliche Eingriffe zurück. Die Regulierungsbehörden belasten den lizenzierten Sektor zunehmend mit hohen Steuern, Werbeverboten und aufwendigen Bonitätsprüfungen. Diese Maßnahmen verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit der legalen Anbieter drastisch. Der Zugang zu legalen Plattformen wird für den Nutzer komplizierter. Spieler weichen folglich auf Plattformen aus, die keinerlei staatliche Kontrolle aufweisen.
Auf diesen Seiten fehlen die elementaren Sicherheitsvorkehrungen der legalen Industrie. Setzlimits, Selbstausschluss-Programme und die Absicherung von Spielergeldern existieren im illegalen Sektor in der Regel überhaupt nicht. Ein unregulierter Markt mindert gleichzeitig die potenziellen Steuereinnahmen der europäischen Staaten. Frost betont die dringende Notwendigkeit eines funktionierenden Regulierungssystems. Ein solches System muss soziale Verantwortung innerhalb eines wirtschaftlich wettbewerbsfähigen Marktes gewährleisten.
Die Schließung physischer Spielstätten während der Pandemie diente als Katalysator
Die weitreichenden Einschränkungen während der Covid-19-Pandemie veränderten das Spielerverhalten nachhaltig. Spieler stellten ihre Aktivitäten bei geschlossenen Spielhallen keineswegs ein. Sie suchten nach digitalen Alternativen für ihr Hobby. Auf illegalen Plattformen fanden sie oft deutlich attraktivere Konditionen vor.
Unlizenzierte Betreiber zahlen keine Steuern oder staatlichen Lizenzgebühren. Diese finanzielle Ersparnis geben sie in Form einer höheren Auszahlungsquote (RTP) und größeren Boni direkt an die Kunden weiter. Der staatlich verordnete Stillstand der landbasierten Wirtschaft wirkte wie ein Startschuss für das unkontrollierte Wachstum des Schwarzmarktes. Die legale Industrie steht heute vor der immensen Herausforderung, diese abgewanderten Kunden zurückzugewinnen.
Nationale Sonderwege in Frankreich und Deutschland treiben Spieler zu unlizenzierten Angeboten
Frankreich verzeichnet laut der Euromat-Studie das größte Wachstum im illegalen Glücksspielsektor in Europa. Deutschland folgt in dieser Statistik knapp dahinter. In der Bundesrepublik führte übermäßige behördliche Kontrolle zur dauerhaften Schließung vieler landbasierter Spielstätten. Diese Entwicklung beschleunigte die Migration der Spieler in den unregulierten Online-Markt merklich.
Ähnliche negative Effekte zeigen sich aktuell in den Niederlanden. Eine hohe steuerliche Belastung verursachte dort das Ende vieler etablierter und sozial verantwortlicher Unternehmen. Die niederländische Glücksspielbehörde KSA erkennt diese Problematik mittlerweile öffentlich an. KSA-Vorsitzender Michel Groothuizen kritisierte deutlich, dass finanzgetriebene Maßnahmen wie die Glücksspielsteuer dem politischen Ziel des Spielerschutzes fundamental widersprechen. Finanzieller Druck auf lizenzierte Betreiber erschwert die Aufrechterhaltung eines sicheren, staatlich kontrollierten Angebots.
Anonyme Krypto-Casinos erschweren die behördliche Nachverfolgung enorm
Die wachsende Verbreitung von Kryptowährungen treibt die Expansion des illegalen Marktes weiter voran. Krypto-Casinos bieten den Spielern absolute Anonymität bei ihren Transaktionen. Regierungen weltweit haben es bisher versäumt, diesen Bereich technisch und rechtlich wirksam zu kontrollieren. Die Politik zeigt oft wenig Bereitschaft, gegen illegal agierende Betreiber konsequent vorzugehen.
Behörden konzentrieren sich bei ihrer Arbeit lieber auf die Einführung neuer Vorschriften für den ohnehin streng regulierten Sektor. Dieses Vorgehen vergrößert paradoxerweise den illegalen Markt nur noch weiter. Euromat teilt die Ergebnisse seiner Forschung bereits aktiv mit Interpol, der Europäischen Union und nationalen Strafverfolgungsbehörden. Der Verband fordert eine vernetzte Antwort aller beteiligten Parteien auf staatlicher Ebene. Ohne ein Umdenken in der Politik wird der unlizenzierte Markt den lizenzierten Sektor in den nächsten drei bis fünf Jahren voraussichtlich überholen.
Unsere Einschätzung
Die aktuellen Daten von Euromat verdeutlichen die weitreichenden negativen Folgen einer einseitigen Belastung des legalen Glücksspielmarktes. Behördliche Vorgaben wie aufwendige Bonitätsprüfungen oder extrem hohe Steuerlasten erzielen offenkundig das Gegenteil ihres ursprünglichen Ziels. Spieler wandern in den völlig unregulierten Krypto- und Schwarzmarkt ab, wo jeglicher Verbraucherschutz fehlt. Der lizenzierte Sektor verliert kontinuierlich an Wirtschaftskraft, während den Staaten gleichzeitig wichtige Steuereinnahmen entgehen. Eine rein restriktive Regulierungspolitik verschiebt das Spielaufkommen lediglich in die Illegalität. Ein wirksamer Spielerschutz erfordert zwingend wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für legale und kontrollierte Anbieter.
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