Betsson meldet Rekordumsatz: Gewinne sinken durch hohe Steuerlast

Steigendes Balkendiagramm, gestapelte Goldmünzen und ein offizielles Dokument.

Betsson verzeichnet Rekordumsatz im dritten Quartal – gestiegene Steuern verringern jedoch den operativen Gewinn

Das Wichtigste in Kürze

  • Betsson erwirtschaftet im dritten Quartal einen Rekordumsatz von 326,5 Millionen Euro.
  • Das EBITDA fällt gleichzeitig um 23 Prozent auf 63,4 Millionen Euro aufgrund höherer Abgaben.
  • Lokal regulierte Märkte machen inzwischen 77,7 Prozent der gesamten Konzerneinnahmen aus.
  • Die aktiven Kundenzahlen steigen um 40 Prozent auf einen neuen Höchststand von 1,87 Millionen.
  • Lateinamerika führt das geografische Wachstum mit einem starken Umsatzplus von 51,8 Prozent an.

Rekordumsätze treffen auf einen spürbaren Margenrückgang

Die Betsson AB meldet für das dritte Quartal zwar einen historischen Höchststand beim Umsatz, muss aber deutliche Einbußen bei der Profitabilität hinnehmen. Der Konzernumsatz kletterte im Jahresvergleich um zehn Prozent auf 326,5 Millionen Euro beziehungsweise 365,7 Millionen US-Dollar. Das organische Wachstum bezifferte das Unternehmen in dieser Periode auf acht Prozent.

Die positive Umsatzentwicklung in den ersten neun Monaten des Jahres setzt sich damit fort. Der kumulierte Umsatz für drei Quartale erreichte 922,1 Millionen Euro und liegt 3,2 Prozent über dem Vorjahreswert.

Höhere Betriebskosten und Steuerlasten drückten massiv auf das operative Ergebnis des Glücksspielkonzerns. Das EBITDA sank um 23 Prozent auf 63,4 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge schrumpfte infolgedessen drastisch von 27,9 Prozent auf 19,4 Prozent. Der operative Gewinn ging um 31 Prozent auf 46,1 Millionen Euro zurück, während der Bruttogewinn um fünf Prozent auf 181,1 Millionen Euro nachgab.

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Lokale Regulierungskosten verändern die Einnahmestruktur

Ein wesentlicher Faktor für den Margendruck liegt in der strategischen Verschiebung hin zu lokal regulierten Märkten. Diese Länder trugen im abgelaufenen Quartal 77,7 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Ein Jahr zuvor lag der entsprechende Anteil noch bei 63,8 Prozent.

Finanzchef Martin Öhman verdeutlichte Analysten gegenüber, dass dieses Wachstum mit wesentlich höheren fiskalischen Pflichten einhergeht. Die direkten Glücksspielsteuern stiegen drastisch von 41,4 Millionen Euro auf 69,4 Millionen Euro. Die allgemeinen operativen Ausgaben wuchsen parallel von 122,9 Millionen Euro auf 135 Millionen Euro an.

Das Geschäftsmodell erfährt gleichzeitig eine deutliche Gewichtsverlagerung. Die B2B-Einnahmen brachen um 39 Prozent ein, was einem Minus von rund 30 Millionen Euro entspricht. Der Rückgang resultiert laut Öhman fast vollständig aus der verringerten Aktivität eines einzelnen, ungenannten Großkunden. Die B2C-Einnahmen wuchsen im gleichen Zeitraum um 28 Prozent an. Die gestiegenen Steuern drückten die Bruttogewinnmarge im direkten Kundengeschäft von 64 Prozent auf 56 Prozent.

Casino-Sparte und der lateinamerikanische Markt dominieren das Wachstum

Das Casino-Segment bleibt das wichtigste Standbein des schwedischen Anbieters. Die Einnahmen in diesem Bereich stiegen um 13,7 Prozent auf 253,5 Millionen Euro. Diese Sparte erwirtschaftet nun 77 Prozent des gesamten Gruppenumsatzes.

Sportwetten entwickelten sich deutlich verhaltener und verzeichneten ein minimales Plus von 0,8 Prozent auf 71,8 Millionen Euro. Die Marge nach Freiwetten sank in diesem Segment leicht von 8,8 Prozent auf 8,1 Prozent. Die Zahl der aktiven Kunden stieg dennoch um 40 Prozent auf den Rekordwert von 1,87 Millionen. Das Unternehmen führt diesen Zuwachs auf den Start der nationalen Fußballligen und die laufende Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zurück.

Lateinamerika festigte seine Position als stärkster Wachstumsmarkt. Die Einnahmen kletterten dort um 51,8 Prozent auf 116,1 Millionen Euro, getragen von starken Ergebnissen in Argentinien, Peru, Kolumbien und Chile. Westeuropa legte dank des soliden italienischen Casino-Geschäfts um 13,8 Prozent auf 64,8 Millionen Euro zu.

Globale Umstrukturierungen und strategische Investitionen

In Zentral- und Osteuropa sowie in Zentralasien musste der Konzern einen Umsatzrückgang von 16,8 Prozent auf 99,2 Millionen Euro verkraften. Der nordische Heimatmarkt verzeichnete ebenfalls ein Minus von zehn Prozent auf 32,7 Millionen Euro.

Das Segment für die übrige Welt verdoppelte sich nahezu mit einem Plus von 106 Prozent auf 13,7 Millionen Euro. Dieses Wachstum stützt sich auf die Expansion in die kanadischen Provinzen Alberta und Ontario. Betsson hatte im August das Unternehmen Rhino Entertainment für 64,5 Millionen Euro erworben, um sich neue Marktanteile zu sichern. Weitere strategische Schritte umfassten das Rebranding der belgischen Marke betFIRST und die Sicherung einer revolvierenden Kreditfazilität über 75 Millionen Euro im Juli.

Konzernchef Pontus Lindwall thematisierte auch das Glücksspielverbot in Brasilien. Der Anbieter habe durch bewusste Zurückhaltung bei den Marketingausgaben eine deutlich kleinere Risikoexposition als die Konkurrenz aufgebaut. Das Management rechnet in Brasilien mit baldigen regulatorischen Änderungen.

Unsere Einschätzung

Die Finanzzahlen von Betsson zeigen exemplarisch die Herausforderungen der modernen Glücksspielindustrie beim Wechsel in regulierte Rahmenbedingungen. Höhere Compliance-Kosten und massive Steuerlasten belasten die Rentabilität sofort, auch wenn das Unternehmen operativ in fast allen Metriken Rekorde aufstellt.

Der plötzliche Einbruch im B2B-Geschäft veranschaulicht die Abhängigkeit von einzelnen Großkunden in diesem Sektor. Die starke Fokussierung auf Lateinamerika und das robuste Wachstum der aktiven Nutzerbasis schaffen dennoch ein solides Fundament.

Die ersten Geschäftszahlen bis zum 18. Oktober deuten mit einem Plus von elf Prozent gegenüber dem Durchschnitt des vierten Quartals 2025 auf eine ungebrochene Nachfrage hin. Die Margen bei den Sportwetten bleiben laut Unternehmensangaben jedoch vorerst unter ihrem Durchschnitt der letzten acht Quartale. Die Börse bewertete die Gesamtlage positiv, die Aktien stiegen kurz nach Bekanntgabe von 93,75 auf 96 Schwedische Kronen.

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Über den Autor

Paula Winkler

Paula Winkler ist bei Kryptocasinos.com die Expertin für Spielersicherheit. Ihre Laufbahn begann im Print-Journalismus - ausgebildet an der Henri-Nannen-Schule, mit einem Bachelor in Politikwissenschaft und Soziologie (Uni Hamburg) und Redaktionsstationen beim Hamburger Abendblatt und der Funke Mediengruppe. 2017 wechselte sie in die iGaming-Branche und verantwortete bei der Tipico Group über mehrere Jahre den Bereich Responsible Gaming & Regulatory Affairs, bevor sie 2023 in das Team hinter KryptoCasinos.com kam. Ihr Hauptthema ist die Transparenz und Sicherheit hinter jedem getesteten Anbieter. Sie schreibt auf Deutsch, Englisch und Schweizerdeutsch.
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