Rumäniens Glücksspielbehörde plant umfassende Reform des Marktes
Rumäniens Glücksspielbehörde plant umfassende Reform – Neue Führungsebene reagiert auf politische Volatilität und Steuererhöhungen
Das Wichtigste in Kürze
- Die rumänische Glücksspielbehörde ONJN überarbeitet das regulatorische Regelwerk, um Inkonsistenzen und veraltete Vorgaben zu beseitigen.
- Unter dem neuen Premierminister Luca Niculescu und ONJN-Präsident Valentin-Ioan Tomescu liegt der Fokus auf Digitalisierung und dem Umgang mit Spielsucht.
- Glücksspielunternehmen und Spieler müssen sich an neue Steuersätze gewöhnen, bei denen Gewinne über 66.750 RON mit bis zu 40 Prozent besteuert werden.
- Branchenvertreter der Loteria Romana und des Verbandes Rombet fordern nach Jahren der Instabilität nun regulatorische Vorhersehbarkeit.
Neue politische Führung strebt nach Harmonisierung der Gesetze
Die politische Landschaft in Rumänien war in diesem Jahrzehnt von hoher Volatilität geprägt. Diese Unbeständigkeit spiegelte sich in der Vergangenheit deutlich in der Vergabe und Verwaltung von Glücksspiellizenzen wider. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, eine stabile Regierung zu bilden, wurde nun Luca Niculescu zum neuen Premierminister gewählt.
Mit ihm scheint sich eine Phase der strategischen Neuausrichtung abzuzeichnen. Das übergeordnete Ziel der Regierungsarbeit im Glücksspielsektor besteht darin, Ordnung in das gesamte regulatorische Rahmenwerk zu bringen. Die Zersplitterung innerhalb der Branche soll gezielt abgebaut werden, um eine einheitliche Aufsicht zu gewährleisten.
ONJN-Präsident setzt Fokus auf Digitalisierung und Spielerschutz
Der neu gewählte Präsident der rumänischen Glücksspielbehörde ONJN, Valentin-Ioan Tomescu, hat bereits erste operative Schritte eingeleitet. Er veränderte die Zusammensetzung der internen Arbeitsgruppe, die für die Ausarbeitung neuer Rechtsakte zuständig ist. Die Gruppe erhielt das klare Mandat, die bestehende Gesetzgebung zu analysieren und zu harmonisieren, um veraltete Elemente der rumänischen Regulierung zu identifizieren.
Tomescu betonte bei seinem Amtsantritt klare inhaltliche Prioritäten für die Behörde. Im Zentrum der neuen Strategie stehen die Digitalisierung der Arbeitsprozesse, eine verbesserte Personalausstattung sowie der Umgang mit Glücksspielsucht. Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass der ONJN-Präsident sein Amt nach der Wahl des neuen Premierministers niederlegen wird. Niculescu verfolgt bei der Digitalisierung ähnliche Prioritäten, was auf eine reibungslose Fortsetzung der bisherigen strategischen Überprüfungen hindeutet.
Steuererhöhungen belasten Spieler und lizenzierte Betreiber
Premierminister Niculescu äußerte kürzlich, dass er wenig Neigung verspüre, neue Steuern für die breite rumänische Wirtschaft einzuführen. Für Glücksspielanbieter, die bereits seit 2018 von ständigen Änderungen bei der Einkommens- und Gewinnsteuer betroffen sind, ist diese Haltung ein wichtiges Signal. Die Branche passt sich aktuell an signifikante Erhöhungen der Steuern und Lizenzgebühren an. Diese fiskalischen Maßnahmen fallen in eine Zeit, in der die rumänische Wirtschaft eines der größten Defizite innerhalb der Europäischen Union bewältigen muss.
Die Besteuerung von Spielergewinnen wurde im Zuge der Anpassungen deutlich angehoben. Gewinne bis zu 10.000 RON (rund 2.000 Euro) unterliegen nun einem Steuersatz von vier Prozent, was einem Anstieg von bisher drei Prozent entspricht. Für Beträge zwischen 10.001 RON und 66.750 RON werden pauschal 400 RON sowie 20 Prozent des Betrags erhoben, der die Marke von 10.000 RON übersteigt.
Bei hohen Gewinnen greift der Staat noch stärker ein. Liegen die Gewinne über dem Schwellenwert von 66.750 RON (etwa 13.350 Euro), wird eine Basissteuer von 11.750 RON fällig. Auf den Betrag, der diese obere Grenze übersteigt, werden zusätzliche 40 Prozent Steuern erhoben.
Branchenvertreter warnen vor den Folgen unvorhersehbarer Regulierung
Die Reaktionen aus der Glücksspielindustrie auf die anhaltenden Veränderungen fallen angespannt aus. Auf dem SBC Summit in Lissabon betonte Dan Ghita, Vorsitzender des Branchenverbandes Rombet, dass Vorhersehbarkeit eine entscheidende Zutat für das Wachstum des Marktes sei. Die schwankenden Vorschriften wirken sich laut Ghita direkt auf das Interesse und die Investitionsbereitschaft der Betreiber aus.
Auch staatliche Akteure spüren die Auswirkungen der vergangenen Jahre deutlich. Claudiu Mîndruț, stellvertretender Generaldirektor der Loteria Romana, forderte ebenfalls Stabilität für den Sektor und mahnte die politischen Entscheidungsträger, bei der Regulierung nicht zu hart vorzugehen. Die Situation sei selbst für eine staatliche Lotterie schwierig geworden. Ernsthafte Unternehmen benötigen Planungssicherheit in diesem Übergangsstadium. Fehlt diese Basis, könnten laut Mîndruț opportunistische Akteure die Lücke füllen, während Rumänien auf eine neue Ära der Glücksspielregulierung zusteuert.
Unsere Einschätzung
Die aktuelle Umstrukturierung der rumänischen Glücksspielbehörde ONJN markiert den Versuch, ein stark fragmentiertes System zu vereinheitlichen. Die politische Achse zwischen Premierminister Niculescu und ONJN-Präsident Tomescu deutet auf eine konsistente Umsetzung der Digitalisierungs- und Spielerschutzziele hin. Die detaillierte Steuerstaffelung bis hin zu Spitzenabgaben von 40 Prozent belegt gleichzeitig, dass der Staat im Zuge seines EU-Defizits stark auf Einnahmen aus dem Sektor angewiesen ist. Die klaren Forderungen der etablierten Betreiber nach Vorhersehbarkeit unterstreichen, dass der regulatorische Rahmen künftig stabil bleiben muss, um seriöse Anbieter im Markt zu halten und den unregulierten Markt nicht unbeabsichtigt zu stärken.
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