Spanien: Identitätsprüfung für Zahlungsmittel im Glücksspiel

Generische Kreditkarte, ein Dokument mit Häkchen und eine Sanduhr.

Spanien verschärft Zahlungsrichtlinien für Online-Glücksspiel – Anbieter stehen vor immensen technischen Herausforderungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab dem 28. Oktober müssen spanische Glücksspieler die Inhaberschaft ihrer genutzten Zahlungsmethoden nachweisen.
  • Bestandskunden haben bis zum 28. April 2027 Zeit für die Verifizierung, Neukunden sind sofort betroffen.
  • Konten mit nicht verifizierten Zahlungsmitteln werden geschlossen, Guthaben bleiben aber erhalten.
  • Das Wirtschaftsministerium reagiert mit der Maßnahme auf einen Anstieg von Identitätsdiebstählen im Glücksspielsektor.
  • Im März 2027 folgt zusätzlich ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von 700 Euro pro Tag.

Neues königliches Dekret erzwingt Namensgleichheit bei Konten und Zahlungsmitteln

Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Unternehmen veröffentlichte am 8. Oktober 2026 das Königliche Dekret 813/2026. Dieses ändert insgesamt elf bisherige Verordnungen im Finanzsektor ab. Darunter fallen auch die bestehenden Vorgaben zur Identitätsprüfung zur Geldwäscheprävention. Staatlich lizenzierte Online-Glücksspielanbieter müssen nun sicherstellen, dass der Inhaber des Spielkontos exakt mit dem Inhaber der Zahlungsmethode übereinstimmt.

Die bloße Überprüfung von Ausweisdokumenten reicht für Betreiber nicht mehr aus. Plattformen müssen nun aktiv die Inhaberschaft der verwendeten Kreditkarten, Bankkonten und E-Wallets feststellen. Eine Ein- oder Auszahlung über eine Karte, die ausschließlich auf einen Partner oder einen Verwandten ausgestellt ist, verstößt gegen die neuen Vorgaben. Nutzer benötigen zwingend eine eigene Zahlungsmethode für ihre Transaktionen.

Neukunden sind sofort betroffen und Bestandskunden erhalten eine Übergangsfrist

Für neu registrierte Spieler gilt die Überprüfungspflicht unmittelbar ab Inkrafttreten der Regeln am 28. Oktober. Bei bestehenden Kunden räumt der Gesetzgeber eine Übergangsfrist bis zum 28. April 2027 ein. Wer bis zu diesem Stichtag den Nachweis der Inhaberschaft nicht erbringt, verliert den Zugriff auf sein Konto. Die Anbieter müssen entsprechende Accounts nach Ablauf der gesetzten Frist umgehend schließen.

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Eine Kontoschließung führt nicht zum automatischen Verfall der eingezahlten Gelder oder Gewinne. Betreiber sind verpflichtet, den verbleibenden Saldo an den Kunden zurückzuzahlen. Auch einbehaltene Gewinne fallen unter diese gesetzliche Regelung. Ausnahmen greifen nur, wenn geltende Verpflichtungen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung eine Auszahlung verhindern.

Vorgabe betrifft die gesamte Kundenbasis und löst einen früheren Entwurf ab

Die Generaldirektion für die Regulierung des Glücksspiels (DGOJ) hatte in der Vergangenheit einen milderen Ansatz verfolgt. Ein früherer Entwurf zur Risikoerkennung sah vor, dass nur als gefährdet eingestufte Spieler ihre Zahlungsmethoden auf den eigenen Namen registrieren müssen. Die aktuelle Regelung verwirft diese Einschränkung vollständig. Die Verifizierungspflicht erstreckt sich nun ausnahmslos auf den gesamten Kundenstamm.

Ein Auslöser für diese weitreichende Maßnahme sind steigende Fallzahlen bei Betrugsdelikten. Laut der Nachrichtenagentur EFE stiegen die Beschwerden über Identitätsdiebstahl im Glücksspielbereich im Jahr 2025 um 12 Prozent an. Insgesamt registrierten die Behörden in diesem Zeitraum 8.675 Vorfälle dieser Art.

Betreiber erwarten eine deutliche Zunahme an Support-Anfragen

Die Überprüfung aller bestehenden Konten stellt die Branche vor einen großen administrativen Aufwand. Branchenvertreter gehen davon aus, dass viele Nutzer die neuen Restriktionen erst bemerken, wenn sie sich Gewinne auszahlen lassen möchten. Das wird das Volumen an Anfragen beim Kundendienst voraussichtlich stark erhöhen. Die Plattformen müssen diesen Prozess parallel zu den sofortigen Prüfungen bei Neukunden bewältigen.

Der Branchenverband Jdigital forderte bereits rechtliche Klarheit für die Umsetzung. Die Interessenvertretung verlangt einen Auslegungsleitfaden der Behörden. Dieser soll den Unternehmen Rechtssicherheit bei der praktischen Anwendung der Vorgaben verschaffen. Das Dekret räumt den Betreibern ein Zeitfenster von sechs Monaten ein, um ihre technischen Systeme an die neuen Anforderungen anzupassen.

Doppelte technische Belastung durch kommende Einzahlungslimits

Die Frist für die Verifizierung der Zahlungsmittel überschneidet sich mit einer weiteren großen regulatorischen Änderung. Im März 2027 plant Spanien die Einführung eines nationalen Systems für Einzahlungslimits. Dieses System begrenzt die täglichen Einzahlungen eines Spielers auf 700 Euro.

Die Besonderheit des kommenden Limits liegt in der anbieterübergreifenden Erfassung. Das System behandelt nicht mehr jedes Spielkonto isoliert, sondern summiert die Einzahlungen über alle lizenzierten Betreiber hinweg. Glücksspielanbieter stehen somit vor zwei parallelen Großprojekten. Sie müssen nahezu zeitgleich die Inhaberschaft aller Zahlungsmethoden feststellen und ihre Systeme an die zentrale Einzahlungskontrolle anbinden.

Unsere Einschätzung

Das Königliche Dekret 813/2026 erzwingt eine grundlegende Anpassung der Zahlungsprozesse im spanischen Online-Glücksspiel. Die Pflicht zur Namensgleichheit zwischen Spielerkonto und Zahlungsmittel schließt eine Lücke in den bisherigen Identitätsprüfungen und zielt auf die Eindämmung von Identitätsdiebstahl ab. Für die Betreiber bedeutet die Abkehr von rein risikobasierten Prüfungen hin zu einer flächendeckenden Kontrolle einen massiven technischen Aufwand. Die enge Taktung der Deadlines – die Überprüfung der Zahlungsmittel bis April 2027 und das landesweite Einzahlungslimit im März 2027 – erfordert erhebliche Investitionen in die IT-Infrastruktur der lizenzierten Unternehmen.

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Über den Autor

Paula Winkler

Paula Winkler ist bei Kryptocasinos.com die Expertin für Spielersicherheit. Ihre Laufbahn begann im Print-Journalismus - ausgebildet an der Henri-Nannen-Schule, mit einem Bachelor in Politikwissenschaft und Soziologie (Uni Hamburg) und Redaktionsstationen beim Hamburger Abendblatt und der Funke Mediengruppe. 2017 wechselte sie in die iGaming-Branche und verantwortete bei der Tipico Group über mehrere Jahre den Bereich Responsible Gaming & Regulatory Affairs, bevor sie 2023 in das Team hinter KryptoCasinos.com kam. Ihr Hauptthema ist die Transparenz und Sicherheit hinter jedem getesteten Anbieter. Sie schreibt auf Deutsch, Englisch und Schweizerdeutsch.
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