Glücksspiel-Umsätze in den Niederlanden sinken 2025 auf 4,1 Milliarden Euro
Niederländischer Glücksspielmarkt verzeichnet Umsatzrückgang in 2025 – Online-Segment erholt sich jedoch im ersten Halbjahr 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Der Bruttospielertrag des Gesamtmarktes fiel im Jahr 2025 auf 4,1 Milliarden Euro.
- Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz im lizenzierten Online-Segment wieder auf rund 670 Millionen Euro an.
- Neue Nettoeinzahlungsgrenzen drückten die Branchenergebnisse im Vorjahr deutlich.
- Die niederländische Glücksspielbehörde meldet für 2026 starke Zuwächse bei den neu eröffneten Spielerkonten ohne signifikanten Anstieg der Nutzerzahlen.
Striktere Regulierung führt 2025 zu deutlichem Marktrückgang
Der lizenzierte Glücksspielmarkt in den Niederlanden ist im Jahr 2025 geschrumpft. Der Bruttospielertrag des Gesamtmarktes fiel von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 4,1 Milliarden Euro. Der Rückgang ist vor allem auf sinkende Umsätze im Online-Segment zurückzuführen. Online-Casinos verbuchten ein Minus von 18,2 Prozent, während Online-Sportwetten sogar um 30,2 Prozent nachgaben.
Neu eingeführte Spielerschutzmaßnahmen sind teilweise für die schwächeren Ergebnisse verantwortlich. Ende 2024 traten auf dem niederländischen Markt Nettoeinzahlungsgrenzen in Kraft. Das Fehlen eines sportlichen Großereignisses wie der Fußball-EM drückte die Umsätze im Jahr 2025 weiter. Landbasierte Spielautomaten verzeichneten einen Rückgang von 4,7 Prozent. Holland Casino meldete trotz dieses Marktrückgangs ein leichtes Umsatzplus von 2,8 Prozent, das durch das Spielautomaten-Geschäft und nicht durch klassische Tischspiele getrieben wurde.
Online-Umsätze steigen im ersten Halbjahr 2026 wieder an
Die aktuellen Daten der Behörde belegen für das erste Halbjahr 2026 eine Erholung im digitalen Sektor. Das Bruttospielresultat für das lizenzierte Online-Glücksspiel erreichte rund 670 Millionen Euro. Die Zahl der Menschen, die online spielen, hat sich im gleichen Zeitraum nicht signifikant erhöht. Die Branche zählte rund 490.000 monatlich aktive Online-Spieler. Etwa 820.000 Personen spielten im Halbjahr mindestens einmal legal im Netz.
Im Zeitraum von sechs Monaten wurden 563.000 neu eröffnete Online-Konten verzeichnet. Die steigende Zahl neuer Spielerkonten geht möglicherweise auf die Fußball-WM der Männer im Juni 2026 sowie auf die Umgehung von Einzahlungslimits durch Mehrfach-Accounts zurück.
Bei den Gesamtzahlen der Konten gibt es unklare Datenlagen. Die Ksa meldet in ihrem Bericht zum Markt, dass im ersten Halbjahr 2026 die absolute Anzahl der Accounts für Online-Glücksspiel auf 1,48 Millionen gestiegen ist. Laut iGaming.org meldeten die Betreiber durchschnittlich 1,48 Millionen aktive Accounts in jedem einzelnen Monat. Es ist ungeklärt, ob dieser Wert die Gesamtzahl der in dem sechsmonatigen Zeitraum genutzten Konten darstellt oder den monatlichen Durchschnitt. Da dies die Metriken erheblich verändert, bedarf der exakte Wert einer redaktionellen Prüfung.
Unlizenzierte Anbieter verursachen höhere Verluste bei Spielern
Aktuelle Auswertungen zeigen, dass in einem durchschnittlichen Monat rund 20.000 Personen ausschließlich unlizenzierte Glücksspiel-Anbieter nutzten. Weitere 10.000 Personen spielten bei legalen und illegalen Anbietern gleichzeitig. Spieler erleiden bei unlizenzierten Anbietern im Durchschnitt deutlich höhere finanzielle Einbußen als Personen bei legalen Betreibern. Das Vorgehen der niederländischen Glücksspielbehörde (KSA) zielt deshalb verstärkt auf diesen Schwarzmarkt ab.
Der durchschnittliche reale Verlust pro Person und Monat lag im ersten Halbjahr 2026 bereinigt bei 137 Euro. Die Kanalisierungsquote auf Basis teilnehmender Personen liegt 2026 bei rund 94 Prozent. Die Quote auf Basis des Bruttospielresultats liegt jedoch nur bei 59 Prozent.
Regierung und Verbände verschärfen Vorgehen gegen Glücksspielwerbung
Lizenzierte Anbieter reduzierten ihre Online-Werbemaßnahmen im ersten Halbjahr 2026 nach Angaben der Aufsicht um rund 33 Prozent. Die Regierung hat im Juni 2026 ein beinahe vollständiges Werbeverbot für Online-Glücksspiel vorgeschlagen. Der Branchenverband VNLOK gibt an, dass über 90 Prozent der Glücksspielwerbung auf Facebook von unlizenzierten Anbietern stammen. Der Verband hat deshalb Klage gegen Meta eingereicht.
Junge Erwachsene stellen einen großen Anteil der legalen Spieler
Die Zahlen belegen weiter, dass junge Erwachsene im Alter von 18 bis 23 Jahren einen überproportional hohen Anteil bei legalen Glücksspielkonten stellen. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen rund 22 Prozent der Online-Glücksspielkonten auf diese Altersgruppe. Der durchschnittliche Verlust pro Konto der 18- bis 23-Jährigen beläuft sich auf 34 Euro im Monat.
Ein Großteil der Konten von 18-Jährigen wird nach Angaben der Behörde direkt am 18. Geburtstag oder im ersten Monat der Volljährigkeit eröffnet. Im Jahr 2025 befanden sich 3.108 Personen in primärer Behandlung wegen Glücksspielsucht, was einem Anstieg von 14 Prozent im Jahresvergleich entspricht. Das nationale Sperrregister Cruks erreichte zum Stichtag 2026-07-31 rund 120.200 Registrierungen.
Offene Fragen zur Marktdynamik bleiben bestehen
Einige Details der aktuellen Marktentwicklung lassen sich durch die vorliegenden Daten nicht abschließend klären. Wie hoch der genaue Umsatz des illegalen Glücksspielmarktes ist und inwiefern Spieler gezielt in den Schwarzmarkt migrieren, um die Ende 2024 eingeführten Einzahlungslimits zu umgehen, bleibt offen. Ob das Gericht bereits über die Klage des Verbandes VNLOK gegen Meta entschieden hat, ist ebenfalls nicht bekannt. Die Gründe, warum Holland Casino bei Spielautomaten entgegen dem Markttrend im Jahr 2025 ein Umsatzplus verzeichnete, gehen aus den Berichten nicht hervor.
Unsere Einschätzung
Der niederländische Markt zeigt deutliche Reaktionen auf regulatorische Eingriffe. Die Ende 2024 eingeführten Nettoeinzahlungsgrenzen haben die Umsätze des lizenzierten Marktes im Folgejahr spürbar gesenkt. Die Diskrepanz zwischen der hohen Kanalisierungsquote bei den Spielerzahlen und der deutlich niedrigeren Quote beim Bruttospielresultat legt nahe, dass kapitalstarke Spieler verstärkt auf unlizenzierte Plattformen ausweichen. Die stabile Zahl der aktiven Nutzer im Kontrast zu den stark steigenden Kontoneueröffnungen im Jahr 2026 deutet darauf hin, dass Spieler aktiv nach Wegen suchen, neue Limits durch Mehrfachregistrierungen zu umgehen. Die geplante weitere Einschränkung der Werbung dürfte den Druck auf lizenzierte Anbieter in Zukunft noch erhöhen.
Wir haben uns strikte redaktionelle Richtlinien auferlegt und erklären unsere Testmethoden offen und verständlich. Außerdem kommunizieren wir transparent, wie unsere Arbeit finanziert wird. Diese Seite kann Tracking-Links enthalten, was unsere objektive Sichtweise aber in keiner Weise beeinflusst.