Europäische Glücksspielaufsichten beschließen engere Zusammenarbeit

Ein Server-Rack, ein Dokument mit Wachssiegel und ein metallenes Sicherheitsschild.

Europäische Glücksspielaufsichten beschließen engere Zusammenarbeit – GGL und britische Kommission vereinen Kräfte

Das Wichtigste in Kürze

  • Die GGL hat beim European Regulators Roundtable in Halle den grenzüberschreitenden Austausch von Aufsichtsbehörden gefördert.
  • Eine Absichtserklärung zwischen der GGL und der britischen Gambling Commission bildet den Auftakt für einen strukturierten Informationsaustausch.
  • Zukünftig ist ein Pilotprojekt zum Datenaustausch über illegale Glücksspiel-Websites auf internationaler Ebene geplant.
  • Auf nationaler Ebene fordert die GGL vom Bundesjustizministerium eine Anpassung des § 284 StGB zur besseren Strafverfolgung ausländischer Anbieter.

Informationsaustausch gegen illegale Anbieter als zentrales Ziel

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) richtete am 4. November 2026 den European Regulators Roundtable in Halle aus. Vertreter unterschiedlicher europäischer Glücksspielaufsichtsbehörden kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen der Branche zu analysieren. Im Fokus des Treffens standen grenzüberschreitende Lösungsansätze für einen zunehmend digitalisierten Glücksspielmarkt. Nationale Alleingänge stoßen bei international agierenden Netzwerken regelmäßig an ihre operativen Grenzen.

Ein konkretes Ergebnis der Konferenz ist die formelle Annäherung zwischen der deutschen und der britischen Aufsicht. Die GGL unterzeichnete eine gemeinsame Absichtserklärung mit der britischen Gambling Commission. Beide Behörden strukturieren damit ihren zukünftigen Informationsaustausch und wollen ihre jeweiligen Aufsichtsaufgaben im regulatorischen Alltag besser unterstützen. Illegale Glücksspielangebote im Internet stellen Aufsichtsbehörden europaweit vor ein strukturelles Problem.

Betreiber verbreiten ihre Websites und Apps meist international, während die Behörden zwingend an ihre jeweiligen nationalen Zuständigkeiten gebunden sind. Der Aufbau von Schnittstellen für den Erfahrungsaustausch ist ein notwendiger Schritt, um illegale Strukturen präziser zu identifizieren. Ein direkter Datenabgleich hilft den Regulierern, Aufsichtsmaßnahmen exakter an die Marktentwicklungen anzupassen. Die nun geschlossene Absichtserklärung schafft hierfür einen ersten offiziellen Rahmen.

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Beide Seiten loten aktuell Formen eines vertieften Datenaustausches aus. Als längerfristige Perspektive planen die Behörden ein konkretes Pilotprojekt. Dieses Projekt konzentriert sich auf den direkten Austausch von Informationen über illegale Glücksspiel-Websites. Die Behörden erhoffen sich dadurch eine deutliche Arbeitserleichterung bei der Durchsetzung geltender Lizenzgesetze.

Neue Glücksspielformen und Geldwäscheprävention fordern Behörden heraus

Der Roundtable behandelte neben illegalen Anbietern eine Reihe weiterer operativer Aufgaben der europäischen Regulierer. Die Teilnehmer diskutierten die Regulierung von Glücksspielwerbung sowie den praktischen Umgang mit neuen Marktentwicklungen wie Prognosemärkten. Solche neuen Formate erfordern eine stetige Anpassung der behördlichen Aufsichtspraxis. Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Risiken nicht lizenzierter Plattformen bildete einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt des Treffens.

Ein regelmäßiger Austausch über funktionierende Gegenmaßnahmen hilft den Behörden im Tagesgeschäft. Die Sperrung illegaler Websites stand ebenso auf der Agenda wie die komplexen Anforderungen an die Geldwäscheprävention. Kriminelle Akteure nutzen internationale Zahlungsstrukturen für die Geldwäsche, weshalb eine rein nationale Betrachtung von Transaktionsflüssen oft zu kurz greift. Die Behördenvertreter teilten ihre Erfahrungen, um Lücken in der Aufsicht gemeinsam zu schließen.

GGL fordert rechtliche Nachschärfung im Strafgesetzbuch

Neben der internationalen Kooperation sieht die deutsche Regulierungsbehörde auch auf nationaler Ebene dringenden Handlungsbedarf. Die GGL setzt sich nachdrücklich für eine Klarstellung des § 284 StGB (Strafgesetzbuch) ein. Eine solche gesetzliche Anpassung soll den Strafverfolgungsbehörden ermöglichen, konsequenter gegen Glücksspielanbieter mit Sitz im Ausland vorzugehen, die ihre Angebote gezielt an Nutzer in Deutschland richten. Bisher wird diese Vorschrift in der juristischen Praxis vielfach nicht auf solche Anbieter angewendet.

Eine präzise rechtliche Formulierung könnte die strafrechtliche Verfolgung erheblich erleichtern. Die GGL verspricht sich von der Anpassung eine spürbare Abschreckungswirkung auf dem illegalen Markt. Die Behörde hat dieses Anliegen bereits in einem formellen Schreiben an das Bundesjustizministerium (BMJ) platziert. Sie kündigte an, erneut auf das Ministerium zuzugehen, um die juristischen Rahmenbedingungen zur Bekämpfung illegalen Glücksspiels im deutschen Markt zu verbessern.

Europäischer Dialog bildet die Basis für effektive Kontrollen

Gespräche mit den europäischen Regulierern zeigen deutlich die Notwendigkeit internationaler Lösungsansätze. Nationale Gesetze stoßen bei der Durchsetzung im digitalen Raum immer wieder an juristische und technische Grenzen. Der European Regulators Roundtable fungiert hier als essenzielle Plattform für die teilnehmenden Aufsichtsbehörden. Sie teilen Praxiserfahrungen aus ihren jeweiligen Regulierungsansätzen und bewerten neue technologische Marktentwicklungen.

Der fachliche Austausch bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen und hilft bei der Definition gemeinsamer Risiken. Die Auswertung der nationalen Ansätze verdeutlicht, welche regulatorischen Maßnahmen in anderen europäischen Ländern bereits messbare Erfolge erzielen. Die GGL nutzt diese strukturierten Erkenntnisse, um die Möglichkeiten für eine immer engere europäische Zusammenarbeit auszuloten. Eine stark vernetzte Aufsicht kann flexibler auf Trends reagieren und Aufsichtslücken minimieren.

Unsere Einschätzung

Die Konferenz in Halle markiert einen formellen Schritt zu einer stärker vernetzten europäischen Glücksspielaufsicht. Die Absichtserklärung zwischen der GGL und der britischen Gambling Commission belegt den wachsenden behördlichen Bedarf, den internationalen Informationsaustausch verbindlich zu institutionalisieren. Der Fokus auf ein gemeinsames Pilotprojekt unterstreicht den Willen, theoretische Absprachen in handfeste Kontrollmechanismen zu überführen. Auf nationaler Ebene verdeutlicht der Vorstoß zur Änderung des § 284 StGB, dass die GGL rechtliche Graubereiche bei der Strafverfolgung ausländischer Betreiber zwingend schließen will. Die Kombination aus länderübergreifender Kooperation und nationalen Gesetzesinitiativen zielt darauf ab, die Aufsichtskapazitäten an die digitale und grenzüberschreitende Realität des Online-Glücksspielmarktes anzupassen.

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Über den Autor

Paula Winkler

Paula Winkler ist bei Kryptocasinos.com die Expertin für Spielersicherheit. Ihre Laufbahn begann im Print-Journalismus - ausgebildet an der Henri-Nannen-Schule, mit einem Bachelor in Politikwissenschaft und Soziologie (Uni Hamburg) und Redaktionsstationen beim Hamburger Abendblatt und der Funke Mediengruppe. 2017 wechselte sie in die iGaming-Branche und verantwortete bei der Tipico Group über mehrere Jahre den Bereich Responsible Gaming & Regulatory Affairs, bevor sie 2023 in das Team hinter KryptoCasinos.com kam. Ihr Hauptthema ist die Transparenz und Sicherheit hinter jedem getesteten Anbieter. Sie schreibt auf Deutsch, Englisch und Schweizerdeutsch.
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