Finnland plant strenge Spielerschutzregeln – Anbieter warnen vor Risiken für den legalen Markt

Lieferwagen vor hohen Lagerregalen, Mitarbeiter scannt Barcode mit Handscanner in einem modernen Lagerhaus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Finnland bereitet die Öffnung seines Glücksspielmarktes für private Anbieter vor, parallel laufen Konsultationen zu Spielerschutzregeln.
  • Ein zentraler Vorschlag sieht ein anbieterübergreifendes Verlustlimit für alle lizenzierten Plattformen vor.
  • Die Unternehmen SkillOnNet und Wildz Group warnen, dass zu niedrige Limits Spieler auf nicht lizenzierte Angebote lenken könnten.
  • Die neuen Regeln sollen Teil der bereits verabschiedeten Glücksspielgesetzgebung werden und ab Juli 2027 gelten.

Finnland arbeitet an neuen Spielerschutzregeln im Zuge der Marktöffnung

Finnland steht vor einer grundlegenden Reform seines Glücksspielsystems. Während der Markt bisher stark von einem staatlichen Monopol geprägt ist, bereiten die Behörden die Zulassung privater Anbieter vor. Im Zuge dieser Öffnung werden umfangreiche Spielerschutzmaßnahmen diskutiert, die für alle künftig lizenzierten Betreiber verbindlich sein sollen.

Zentraler Akteur in diesem Prozess ist die Gambling Risk and Harm Assessment Group (GRHAG). Die Gruppe arbeitet unter dem finnischen Ministerium für Soziales und Gesundheit und berät die Regierung zu Fragen der Glücksspielprävention. Am 30. Januar hat GRHAG eine formelle Konsultation gestartet, in der Marktteilnehmer und andere Stakeholder bis zum 24. Februar Stellung zu geplanten Schutzmechanismen nehmen konnten.

Geplantes Verlustregister über alle Anbieter hinweg

Besonders intensiv diskutiert wird der Vorschlag eines anbieterübergreifenden Verlustlimit-Registers. Nach dem aktuellen Konzept soll für jeden Spieler ein einheitliches Verlustmaximum gelten, das über alle lizenzierten Plattformen hinweg greift. Anders als bei bisherigen Modellen, bei denen Limits pro Anbieter festgelegt werden, würde damit jede weitere Nutzung eines anderen legalen Angebots das verbleibende Limit weiter reduzieren.

Zusätzlich sieht GRHAG verpflichtende Instrumente zur Begrenzung von Einzahlungen, Verlusten und Spielzeit vor. Ergänzt werden diese durch von den Betreibern verhängte Abkühlungsphasen sowie gezielte Einschränkungen bei auffälligem Spielverhalten. Betreiber sollen Spielerdaten fortlaufend überwachen und bei definierten Risikosignalen aktiv eingreifen.

alert-circle
Du findest uns auch auf Telegram: Klicke hier, um unserem Telegram Channel zu folgen.

SkillOnNet warnt vor Abwanderung in den Schwarzmarkt

Der international tätige Anbieter SkillOnNet hat in seiner Stellungnahme Zweifel geäußert, ob die geplanten Maßnahmen ihr Ziel erreichen. Das Unternehmen betont, dass erzwungene Kontosperrungen oder sehr niedrige Limits aus Spielersicht eine negative Erfahrung darstellen können. Jeder Fall, in dem Nutzer aktiv nach einer neuen Plattform suchen, erhöhe das Risiko, dass sie bei Anbietern landen, die außerhalb des regulierten Systems operieren.

Nach Angaben von SkillOnNet lassen sich Einzahlungs- und Spiellimits nicht isoliert betrachten, sondern müssten im Kontext des gesamten Glücksspielgesetzes stehen, dessen Grundstruktur bereits verabschiedet ist. Eine nachträgliche Verschärfung könne dazu führen, dass der legale Markt an Attraktivität verliert. Das Unternehmen verweist zudem darauf, dass Veikkaus als aktueller Monopolbetreiber rund 50 Prozent der Glücksspielaktivitäten kontrolliert, während der restliche Marktanteil bereits heute auf Offshore-Angebote entfällt.

Wildz Group verweist auf Erfahrungen aus Deutschland

Auch die Wildz Group, Betreiber von Wildz Casino, hat formell an der Konsultation teilgenommen. In ihrer Eingabe liegt der Fokus auf der sogenannten Kanalisierung, also dem Anteil des Spielvolumens, der innerhalb des regulierten Marktes bleibt. Die Gruppe verweist auf Untersuchungen aus Deutschland, wonach bei sehr niedrigen Verlustlimits nur etwa 20 bis 30 Prozent der Aktivitäten auf lizenzierten Plattformen stattfinden.

Übertragen auf Finnland sieht Wildz Group die Gefahr eines vergleichbaren Effekts, falls die vorgeschlagenen Beschränkungen ohne vorherige Bewertung der Kanalisierungswirkung umgesetzt werden. Nach Einschätzung des Unternehmens könnte dies die Ziele der Reform untergraben, da ein hoher Anteil der Spieler auf unregulierte Angebote ausweichen würde, die keine Verbraucherschutzmechanismen vorsehen.

Fokus auf Durchsetzung gegen illegale Anbieter

SkillOnNet spricht sich dafür aus, regulatorische Ressourcen stärker auf die Durchsetzung bestehender Regeln gegenüber illegalen Betreibern zu konzentrieren. Nach Auffassung des Unternehmens sollte der Schwerpunkt darauf liegen, dass lizenzierte Anbieter ihre Sorgfaltspflichten erfüllen, selbstgesetzte Limits der Spieler einhalten und Verdachtsfälle transparent melden.

Ein funktionierendes nationales Sperrregister wird dabei als zentral angesehen. Gleichzeitig warnt SkillOnNet davor, legale Plattformen durch zusätzliche Vorgaben stärker einzuschränken als unlizenzierte Angebote, die sich staatlicher Kontrolle entziehen.

Junge Erwachsene gelten als besondere Risikogruppe

Neben finanziellen Beschränkungen schlägt GRHAG ein gestuftes Interventionsmodell vor. Betreiber sollen anhand festgelegter Indikatoren problematisches Spielverhalten erkennen, dokumentierte Kontaktaufnahmen durchführen und die Ergebnisse dieser Maßnahmen festhalten.

Eine wichtige Neuerung betrifft Spieler im Alter von 18 bis 24 Jahren. Diese Altersgruppe wird von GRHAG pauschal als Hochrisikosegment eingestuft. Für sie sollen niedrigere Schwellenwerte und strengere Schutzmaßnahmen gelten als für ältere Nutzer. Ziel ist es, frühzeitig Risiken zu begrenzen, bevor sich problematisches Spielverhalten verfestigt.

Zurückhaltung beim Einsatz von künstlicher Intelligenz

In ihren Empfehlungen äußert sich GRHAG auch zum Einsatz von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen im Spielerschutz. Die Gruppe stuft entsprechende Vorhersagemodelle zur Erkennung von Spielsucht als noch nicht ausgereift ein. Nach aktuellem Stand sollen solche Systeme nicht die alleinige Grundlage für Präventionsentscheidungen bilden.

Stattdessen wird ein kombiniertes Vorgehen empfohlen, bei dem automatisierte Analysen durch menschliche Bewertung ergänzt werden. Damit soll sichergestellt werden, dass Eingriffe nachvollziehbar und verhältnismäßig bleiben.

Zeitplan bis zum Start des regulierten Marktes

Die Ergebnisse der Konsultation fließen in die Ausgestaltung der Spielerschutzauflagen ein, die Teil der umfassenden Glücksspielgesetzgebung werden sollen. Diese wurde in anderen Bereichen bereits im Dezember verabschiedet. Lizenzanträge für den neuen Markt sollen ab März möglich sein.

Der Start des regulierten finnischen Glücksspielmarktes mit privaten Anbietern ist für Juli 2027 geplant. Einige Detailfragen, insbesondere zu den finalen Schutzmaßnahmen, befinden sich weiterhin in der Prüfung.

Unsere Einschätzung

Die laufende Konsultation zeigt, dass Spielerschutz und Marktattraktivität in Finnland parallel diskutiert werden. Die Stellungnahmen von SkillOnNet und Wildz Group machen deutlich, dass die Ausgestaltung von Verlustlimits und Schutzmechanismen direkten Einfluss darauf haben kann, wie viel Spielaktivität im regulierten Markt verbleibt. Die finalen Entscheidungen werden festlegen, unter welchen Bedingungen lizenzierte Anbieter ab 2027 tätig sein können und wie streng der Zugang für Spieler geregelt wird.

Hinweis: Diese Webseite dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar. Gewinne im Glücksspiel sind nicht garantiert. Glücksspiel kann süchtig machen. Spiele nur, wenn es in deiner Region legal ist, und informiere dich über die geltenden Gesetze. Beratung: BZgA +49 (0) 800 1 37 27 00 | 18+

Neueste Artikel

Erstellt von

Ich bin in der Schweiz geboren und lebe seit 2015 in Spanien. Das hält mich aber nicht davon ab, iGaming-bezogene Nachrichtenartikel für den deutschsprachigen Raum zu schreiben. 2024 begann ich für Kryptocasinos.com zu arbeiten und habe sowohl den deutschen, als auch für den österreichischen und schweizer Markt im Blick.

Letztes Update: 4. Februar 2026

🍪
Wir verwenden Cookies. Durch die Nutzung dieser Website akzeptierst du das.